Hallo Amelie, hallo Andy. Zwei DFB-Pokalfinals mit VfB-Beteiligung haben wir bereits hinter uns – ein weiteres folgt. Wie wurde im Hause Hinkel mitgefiebert?
Andy: „Ganz unterschiedlich. Zunächst haben wir am Donnerstag den 80. Geburtstag von Amelies Opa, meinem Schwiegervater, gefeiert, dann ging es für mich zusammen mit weiteren Legenden des Clubs nach Berlin. Der Wunsch meines Schwiegervaters war anschließend ein großer Familienurlaub auf Kreta – und dort bin ich gerade.“
Amelie: „Wir hatten am Samstag noch ein Ligaspiel. Abends habe ich das Pokalfinale mit ein paar Mädels aus der Mannschaft beim Public Viewing am Mercedes-Benz Museum verfolgt.“
Wie muss man sich so einen Fußball-Alltag im Hause Hinkel vorstellen?
Amelie: „Ich habe vier Geschwister, zwei davon spielen auch Fußball. Eigentlich geht es jeden Tag um Fußball, irgendjemand von uns hat immer Training. Auch am Esstisch ist es meistens das Gesprächsthema Nummer eins.“
Andy: „Der Fußball ist in unserer Familie schon sehr präsent. Das war schon bei meinen Eltern so. Natürlich gibt es aber auch andere Themen. Zwei meiner Kinder spielen kein Fußball. Als Elternteil muss man dann schon schauen, dass keiner zu kurz kommt.“
Am Samstag folgt nun das dritte DFB-Pokalfinale mit VfB-Beteiligung der aktuellen Spielzeit. Wie groß ist die Vorfreude auf Köln?
Amelie: „Die Vorfreude ist sehr groß. Aktuell hält sich die Nervosität noch in Grenzen. Ich freue mich einfach sehr darauf, möchte eine gute Zeit mit der Mannschaft haben und ein hoffentlich erfolgreiches Pokalfinale spielen.“
Es ist einzigartig, ein Finale zu spielen – vielleicht ein einmaliges Erlebnis.
War dieser Erfolg direkt bei der ersten DFB-Pokalteilnahme zu erwarten?
Amelie: „Wir wollten so weit wie möglich kommen. Dass es bei unserer ersten Pokalfinalteilnahme direkt bis ins Finale geht, ist unglaublich. Damit hat keiner gerechnet. Ab Frankfurt (Anm. d. Red.: 2:1-Sieg im Achtelfinale) wurde mir erstmals klar, dass wir wirklich weit kommen könnten. Es ist einzigartig, ein Finale zu spielen – vielleicht ein einmaliges Erlebnis. Es zu gewinnen wäre das Größte für uns.“
Als Profi hast du zwischen 2000 und 2006 auch einige DFB-Pokalrunden mit dem VfB absolviert. Welche Bedeutung hat der Pokalwettbewerb für den Club?
Andy: „Für die Mädels hat der Pokalwettbewerb einen riesigen Stellenwert. Der DFB-Pokal der Juniorinnen wird so in der Form erst zum zweiten Mal ausgetragen. Auch für den VfB ist das eine besondere Geschichte, der Club macht im Bereich Frauen- und Mädchenfußball gerade sehr große Schritte. Wenn man Frankfurt, Hoffenheim und Leverkusen im Pokalwettbewerb ausschaltet, drei Clubs, die schon länger im Mädchen- und Frauenfußball aktiv sind, ist die Titelhoffnung berechtigterweise da. Dennoch muss im Finale alles passen.“
Mein schönster Pokalmoment ist zugleich der schönste meiner bisherigen Fußballkarriere.
Welcher war dein bisheriger DFB-Pokal-Moment?
Amelie: „Mein schönster Pokalmoment ist zugleich der schönste meiner bisherigen Fußballkarriere. Es war das entscheidende Siegtor in Frankfurt. Wir haben lange Zeit in Unterzahl gespielt. Jede war am Limit. Viele haben mit der Verlängerung gerechnet. Mein Tor in der Nachspielzeit (Anm. d. Red.: 80 +3.) war die Erlösung für uns alle und mein bislang schönster Fußballmoment.“
Hattest du auch einen solchen „Pokalmoment“ beim VfB?
Andy: „Da ist mir Amelie definitiv voraus. In meiner aktiven Zeit habe ich es mit dem VfB nicht über das Achtelfinale hinausgeschafft. Die Pokalsiege habe ich dann erst international eingefahren (Anm. d. Red.: FC Sevilla 2006/2007 und Celtic Glasgow 2008/2009). Ich freue mich sehr für Amelie, wir haben alle Spiel im Ticker oder live verfolgt.“
Der Erfolg hängt bei uns nicht von Einzelspielerinnen ab, wir sind alle auf einem ähnlich guten Niveau und treten als Team auf.
Was zeichnet euer Team aus?
Amelie: „Wir sind auf und neben dem Platz eine Einheit, verstehen uns alle und unsere Neuzugänge wurden direkt integriert. Der Erfolg hängt bei uns nicht von Einzelspielerinnen ab, wir sind alle auf einem ähnlich guten Niveau und treten als Team auf. Jede kann sich auf die andere verlassen, unser Teamspirit ist sehr gut.“
Wie verfolgst du die Spiele deiner Tochter beim VfB als Club-Legende, Trainer aber eben auch Vater?
Andy: „Es ist eine durchaus interessante Kombination (lacht). Man kann das eine nicht immer ablegen – es ist situationsabhängig. Ich spreche mit Amelie nach dem Spiel, analysiere ein bisschen aus Trainersicht. Aber ich möchte mich auch nicht zu sehr einmischen, das Trainerteam macht es richtig gut mit den Mädels und die Erfolge sprechen für sich.“
Ihr begleitet beide Positionen in der Defensive. Liegt das in der Familie?
Andy: „Das kann man so sagen. Aber: Defensivarbeit mit Offensivdrang. In der Viererkette war ich gerne der moderne Rechtsverteidiger, der offensiv unterstützt hat. Amelie kommt mehr aus dem Zentrum, geht oft bei Standards mit nach vorne und ist viel torgefährlicher als ich es war. Ihre beiden Brüder sind Sechser und Rechtsverteidiger, der Kleinste ist Linksfuß und spielt in der F-Jugend noch positionsübergreifend.“
Es ist ein Spiel, 80 Minuten plus X, Kleinigkeiten können entscheidend sein. Wenn alles passt haben sie eine große Chance, das Pokalfinale zu gewinnen.
Nach 206 Partien für den VfB zog es deinen Vater zunächst zum FC Sevilla und dann zu Celtic Glasgow. Könntest du dir ebenfalls vorstellen, international zu spielen?
Amelie: „Aktuell nicht. Mein Fokus liegt auf dem VfB. Zukünftig könnte ich mir aber schon vorstellen, mal im Ausland zu spielen – aber eher in Schottland, dort bin ich auch geboren. Das wäre eines meiner Ziele.“
Also eher Glasgow statt Sevilla?
Amelie: „Ja, genau. (lacht)“
Auf was wird es am Samstag ankommen?
Andy: „Es ist ein Spiel, 80 Minuten plus X, Kleinigkeiten können entscheidend sein. Ich habe mir das Parallelspiel Carl Zeiss Jena gegen RB Leipzig angeschaut. Jena hat einen guten Eindruck gemacht, sie haben sich den Einzug ins Pokalfinale verdient. Ich sehe keinen klaren Favoriten, aber unsere Mädels können mit vollem Selbstbewusstsein in die Partie gehen. Wen sie auf ihrem Weg hinter sich gelassen haben, ist bemerkenswert. Wenn alles passt haben sie eine große Chance, das Pokalfinale zu gewinnen.“
Amelie: „Wichtig ist, dass wir uns keinen Kopf machen und das Spiel mit derselben Überzeugung wie bisher angehen. Die Stimmung im Team ist sehr positiv, ich habe ein gutes Gefühl. Wenn wir alles geben und erneut als Team auftreten, wird es schwierig gegen uns. (schmunzelt)“
Gibt es am Samstag dann Public Viewing am Strand auf Kreta?
Andy: „Ja, genau. Wir werden es gemeinsam mit der Familie verfolgen und unterstützen die Mädels aus der Ferne.“
Und für dich geht es dann hoffentlich als Pokalsiegerin in den Urlaub?
Amelie: „Hoffentlich. Ich werde am Sonntag dann zu meiner Familie nachreisen.“