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Profis, 25. March 2020

"Große Solidarität in unserer Gesellschaft"

Im Interview spricht Mario Gomez über die aktuelle Situation, den Alltag zu Hause und darüber wie er sich ohne Mannschaftstraining fit hält.

Nachdem die 2. Bundesliga aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus eine Pause eingelegt hat, findet derzeit auch kein Mannschaftstraining statt. Mario Gomez und Co. halten sich mit individuellen Trainingsplänen zu Hause fit. Im Interview spricht der 34-jährige Stürmer über die aktuelle Situation, den Alltag zu Hause mit seiner Familie und die Herausforderungen bei der täglichen individuellen Trainingsarbeit.

Hallo Mario, bei welcher Hausarbeit stören wir Dich gerade?

Mario Gomez: „Wir kümmern uns zu Hause um all die Dinge, die in den vergangenen Monaten liegengeblieben sind. Im Moment sind wir dabei die Schränke und den Keller auszumisten. Es hält sich zum Glück in Grenzen, weil ich bei jedem Umzug ein wenig aussortiert habe.“

Die Bevölkerung ist aufgefordert, zu Hause zu bleiben und soziale Kontakte zu vermeiden. Wie gehst Du mit der Situation um?

Mario Gomez: „Es ist ja für uns alle keine einfache Situation. Wir sind damit großgeworden und kennen es nicht anders, jederzeit unsere Freunde und Familien treffen zu können. Nichtsdestotrotz halten wir uns sehr konsequent daran und haben in den vergangenen Tagen niemanden getroffen – weder unsere Freunde noch unsere Familienangehörigen. Wir wollen dazu beitragen, dass sich die Verbreitung des Virus verlangsamt.“

Wie sieht der Alltag im Hause Gomez zurzeit aus?

Mario Gomez: „Trotz der aktuellen Situation versuchen wir, die Zeit zu dritt zu genießen. Ich hatte natürlich noch nie so viel Zeit mit meinem Sohn zu Hause. Er ist in einem Alter, in dem er viele neue Dinge lernt. Es ist ein tolles Gefühl, das alles jetzt so intensiv und hautnah mitzuerleben. Wir haben ihm einen Basketballkorb aufgebaut und spielen jetzt Basketball, er wirft super – auch wenn es noch nicht so richtig klappt mit dem Korb (lacht). Zudem muss unser Hund täglich an die frische Luft. Mit ihm gehe ich zweimal am Tag im Wald laufen.“

Wie empfindest Du die Situation in der Öffentlichkeit. Hast Du das Gefühl, dass die Leute verstanden haben, auf was es jetzt ankommt?

Mario Gomez: „Ich finde es faszinierend und großartig, wie sich die Leute trotz allem an die Vorgaben halten. Man spürt eine große Solidarität und ein Gemeinschaftsgefühl in unserer Gesellschaft – wir wollen gemeinsam diese Krise meistern. Wenn ich mit dem Hund im Wald bin oder Joggen gehe, dann trifft man vielleicht ein, zwei Leute. Man spürt, dass die Leute wirklich nur draußen sind, um sich zu bewegen. Daran sieht man auch mal wieder unsere Disziplin in Deutschland, die uns sicher in dieser Krise zugutekommt.“

Seit einer Woche findet kein Mannschaftstraining statt. Ihr habt von den Athletiktrainern individuelle Trainingspläne für das Workout zu Hause bekommen. Wie hältst Du Dich fit?

Mario Gomez: „Ich kann die Einheiten gut in meinem Tagesablauf integrieren, da ich ohnehin zweimal am Tag mit meinem Hund draußen bin. So wird meistens der Morgenspaziergang zur Laufeinheit umfunktioniert. Am Dienstag standen Intervallläufe auf dem Programm, das fand mein Hund eher weniger lustig (lacht). Die Stabilisations- und Kräftigungsübungen mache ich häufig abends.“

Wie sehr vermisst Du es, mit den Teamkollegen auf dem Trainingsplatz zu stehen? 

Mario Gomez: „Sehr! Allgemein das Spiel! Und Fußball zu spielen ist eine ganz andere Belastung als im Wald zu laufen. Man braucht andere Muskelgruppen und kann das deshalb kaum imitieren. Beim individuellen Training fehlen die fußballspezifischen Übungen wie zum Beispiel die Zweikämpfe. Deshalb fühlt es sich im Moment ein bisschen so an wie eine zweite Winterpause, in der man versucht, sich im Ausdauerbereich fit zu halten.“

Auch für Euch Fußballer ist der „Shutdown“ eine neue Situation. Es steht noch nicht fest, wann die Bundesliga und die 2. Bundesliga wieder startet. Wie schwer ist es in dieser Zeit, die Spannung hochzuhalten? 

Mario Gomez: „Wie gesagt, es ist nicht ganz wie eine Winterpause, aber es ist vom Gefühl her ähnlich, weil jeder für sich zu Hause trainiert. Das macht man als Fußballer nur in den Pausen – im Sommer und im Winter. Im Vergleich zur Winterpause, in der man nach ein paar freien Tagen wieder mit dem Training beginnt, bleibt in der aktuellen Situation die Muskelspannung erhalten, weil wir durch die individuellen Trainingspläne vom ersten Tag an zu Hause weitertrainiert haben.“

In einem Video für die DFL hast Du auch darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, dass die Bevölkerung zu Hause bleibt, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen und damit vor allem die Risikogruppen – wie unsere Großeltern – zu schützen. Wie erlebst Du als Familienvater die Situation, dass die Großfamilie in der aktuellen Situation getrennt ist und die Kinder ihre Großeltern nicht sehen können?

Mario Gomez: „Meine Frau und ich sind aufgrund der aktuellen Situation gezwungenermaßen beide zu Hause, deshalb sind wir im Moment nicht auf die Unterstützung unserer Familie angewiesen, wie es zum Beispiel vielen anderen ergeht. Dennoch ist es krass, den engen Kontakt zur Familie nicht zu haben und die Eltern und Großeltern nicht zu sehen. Besonders schwer ist das natürlich auch für Oma und Opa, die ihr Enkelkind gerne sehen würden. Aber auch wenn es uns allen schwerfällt, halten wir uns strikt an 'Social Distancing'. Es gibt ja zum Glück auch noch die Möglichkeit, sich über Facetime zu sehen.“

Abschließende Frage: Dein ehemaliger Teamkollege Sami Khedira hat die Tage ein Video getwittert, in dem er Klavier spielt. Gibt es bei Dir auch ein Hobby, für das Du bisher keine Zeit hattest, und jetzt die Tage zu Hause dafür nutzt?

Mario Gomez: „Ich muss Sami bei Gelegenheit mal fragen, das Video muss ein Fake sein (schmunzelt). Das Klavierstück hat er wahrscheinlich auswendig gelernt. Wie gesagt, ich versuche, die Zeit mit meiner Familie und unserem Hund zu genießen, da bleibt dafür keine Zeit. Es ist also nicht so, dass es mir langweilig wird und ich anfange, Flöte zu spielen. Das Einzige was mir außer dem Fußball wirklich fehlt und das spürt man auch von Tag zu Tag mehr ist: die Familie und die Freunde zu treffen und einfach wieder das ganz normale Leben zu leben.“