DFB-Torhüter made in Bad Cannstatt! Vier Torhüter, die im VfB-Nachwuchsleistungszentrum ausgebildet werden oder wurden, standen Ende März in den Kadern der U-Nationalmannschaften des Deutschen Fußball-Bundes: Nick Maier (U15), Tom Walz (U17), Florian Hellstern (U19) sowie der derzeit an den SC Paderborn ausgeliehene Dennis Seimen (U21). Mit vier eigens entwickelten Torhütern stellte der VfB mit Abstand den größten Block an DFB-Schlussmännern in der FIFA-Periode im März. Betrachtet man zudem die Nominierung von Alexander Nübel für die A-Nationalmannschaft, trugen sogar fünf Keeper aus Cannstatt den Bundesadler auf der Brust. Diese Zahl ist nur ein Beleg für die erfolgreiche Torhüterausbildung beim VfB. Der Grundstein dafür wurde schon vor vielen Jahren gelegt.
Helmut Roleder, Timo Hildebrand, Sven Ulreich, Bernd Leno oder Odisseas Vladochimos – diese und noch einige weitere im Profifußball erfolgreiche Torhüter haben ihre fußballerische Ausbildung beim VfB erhalten. Der Club aus Cannstatt und die Torwartausbildung – das passt. „Der Torwartbereich genießt hier einen hohen Stellenwert. In der Vergangenheit hat der VfB viele gute Torhüter herausgebracht. Das war schon immer unsere Stärke“, erinnert sich Steffen Krebs, Torwarttrainer der Lizenzspielermannschaft.
Die nächste Generation an talentierten Torhütern steht bereits in den Startlöchern. Nach einer starken Drittliga-Saison mit der U21 geht Dennis Seimen derzeit beim Zweitligisten SC Paderborn den nächsten Schritt im Profibereich. Florian Hellstern legt derzeit als A-Jugendlicher in der 3. Liga eine bislang starke erste Spielzeit im Herrenfußball hin. Auch in den jüngeren Jahrgängen kommen Talente nach, die mit den Nationalteam-Nominierungen bereits einen Nachweis ihres Potenzials erbracht haben.
„Die Häufung an Talenten, wie wir sie derzeit bei den Torhütern haben, ist außergewöhnlich und nicht selbstverständlich“, sagt U21-Torwarttrainer und Torwartkoordinator Markus Krauss. „Ein großes Grundtalent ist die Voraussetzung. Es hängt auch mit sehr gutem Scouting zusammen. Wir legen viel Wert auf eine gute Ausbildung hier bei uns. Und dann gehört auch ein bisschen Glück dazu, dass das, was wir den Torhütern anbieten, so gut angenommen wird.“
Markus Krauss:
Die Häufung an Talenten, wie wir sie derzeit bei den Torhütern haben, ist außergewöhnlich und nicht selbstverständlich.
Steffen Krebs ergänzt: „Unsere Scouts, allen voran Walter Eschenbächer, Heiko Oßner und Markus Krauss sind unglaublich erfahren und haben ein spezialisiertes Auge für Talente. Es macht mich stolz, dass Jungs wie Dennis und Flo im Grundlagenbereich zu uns gekommen sind und über so viele Jahre hinweg Input von uns erhalten haben. Die DFB-Nominierungen sind Bestätigungen ihrer Arbeit“, sagt Steffen Krebs und fügt hinzu: „Sie sind aber für unsere Beurteilung der Fähigkeiten der Spieler nicht entscheidend. Wichtiger sind unsere Eindrücke, die wir tagtäglich in der Arbeit und im Umgang mit den Jungs sammeln.“
Roter Faden durch alle Altersstufen
In dieser tagtäglichen Nachwuchsarbeit ist Steffen Krebs mittendrin. Der 42-Jährige ist nicht nur der Torwarttrainer der Bundesliga-Mannschaft, sondern leitet auch die Torhüter-Ausbildung im Nachwuchsleistungszentrum. „Meine Aufgabe ist es, einen einheitlichen roten Faden in den Torwartbereich zu bringen, vom Grundlagenbereich bis zu den Profis. Wir haben eine klare Philosophie und eine Idee, wie unser Torwartspiel aussehen soll. Diese Idee wollen wir im Training an unsere Torhüter herantragen“, erklärt Steffen Krebs. An seiner Seite hat er im Nachwuchsleistungszentrum sechs Torwarttrainer von der U21 bis zur U10, die diese Philosophie in allen Mannschaften mit Leben füllen.
Begründer dieser Philosophie war ein Mann, dessen Name in diesem Zusammenhang beim VfB bis heute häufig genannt wird: Eberhard „Ebbo“ Trautner. „Ebbo war in der Torwartausbildung ein absoluter Pionier. Es gibt keinen, der bessere Übungen kreieren konnte, um Torhüter in seinen Schwachpunkten zu verbessern. Ich habe ihn sowohl als Spieler als auch als Trainerkollege kennengelernt. Er war ein Mentor, dem man gerne zugehört hat. Viele meiner Übungen habe ich von ihm“, sagt U21-Trainer Markus Krauss über den mittlerweile 59-Jährigen, der beim VfB erst 15 Jahre lang als Spieler und anschließend 15 Jahre lang als Torwarttrainer der Bundesliga-Mannschaft und als Torwartkoordinator tätig war.
„Unsere heutige Philosophie basiert immer noch auf den Ideen, die Ebbo vor 20 Jahren gemeinsam mit den damaligen Torwarttrainern Thomas Walter und Martin Topp entwickelt hat“, ergänzt Steffen Krebs. „Wir haben ein klares technisch-taktisches Anforderungsprofil. Eines unserer Steckenpferde ist die Torverteidigung, also die Torwartfertigkeiten im klassischen Sinne. Da gehören technische Details wie ein spezieller Auftaktschritt oder ein Kreuzschritt dazu. Im Eins-gegen-Eins haben wir Teilbereiche wie den Block, Reaktionen, Ballangriff oder das Abkippen. Diese Techniken trainieren wir kindgerecht bereits im Grundlagenbereich, entwickeln sie dann in der U15 und U16 weiter, und auch im Leistungsbereich sowie bei den Profis trainieren wir nach diesen Ideen.“
Erfahrener Trainerstab
Diese Ideen gehen beim VfB in Fleisch und Blut über – nicht nur bei den Torhütern, sondern auch bei den Trainern. Personelle Kontinuität ist hierbei ein großes Plus. „Es ist besonders, dass damals, als die Philosophie entwickelt wurde, ein Walter Eschenbächer, Frank Welz oder Thomas Walter bereits dabei waren“, sagt Steffen Krebs, der vor seiner Tätigkeit als Torwarttrainer der Bundesliga-Mannschaft von 2008 bis 2015 ebenfalls schon im VfB-NLZ tätig war und auch von Ebbo Trautner geprägt wurde.
Im Team der Torwarttrainer stecken nicht nur jede Menge Erfahrung und VfB-DNA, sondern auch unterschiedliche Typen. „Jeder Torwarttrainer gibt unseren Spielern etwas anderes mit, was aber trotzdem zu unserer Philosophie passt“, erklärt Koordinator Kai Rabe. „Der U14- und U15-Torwarttrainer Julian Hornberger ist beispielweise sehr jung und hat sehr moderne Ideen in der Trainingsumsetzung. Dazu kommt in der U16 unser Torwarttrainer Frank Welz, der enorm auf Torverteidigung und die athletischen Voraussetzungen unserer Torhüter in diesem wichtigen Altersbereich setzt.“ Mit Thomas Walter, der im Sommer sein 20-jähriges Jubiläum beim VfB feiert, und Kai Rabe kommen zwei sehr erfahrene Torwarttrainer in den Übergangsbereichen mit dazu, die die taktischen Elemente und die Robustheit aus dem Erwachsenenfußball einbringen. Durch ihre jahrelange Erfahrung im Profifußball wissen sie genau, was die Talente noch für den Sprung nach ganz oben benötigen.
Auch Daniel Teufel, Sportlicher Leiter im Nachwuchsleistungszentrum, hält die personelle Kontinuität für einen wichtigen Faktor. „Torhüter arbeiten extrem individuell und hochspezialisiert, sodass eine Vertrauensbasis, die immer erst über einen längeren Zeitraum entsteht, von herausragender Bedeutung ist. Gleiches gilt für ein einheitlicheres Verständnis in der inhaltlichen Torwartausbildung. Allerdings darf Kontinuität nicht zu fehlenden neuen Impulsen oder Betriebsblindheit führen. Daher ist es uns wichtig, dass wir regelmäßige Angebote intern oder extern für unsere Torwarttrainer schaffen und über Steffen Krebs eine hervorragende Verzahnung in den Lizenzbereich haben.“
Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Austausch zwischen den Trainern. In regelmäßigen Sitzungen informieren sich die Coaches gegenseitig über Leistungsstände und Entwicklungen aller Torhüter, von der U10 bis zur U21, sowie über aktuelle Trends in der Torhüterausbildung. „Es ist ein großer Vorteil, wenn der U21-Torwarttrainer weiß, wie sich der U14-Torhüter am Wochenende geschlagen hat. Es macht unser Miteinander aus und bestärkt den Torhüter, wenn er weiß, dass er nicht nur von seinem eigenen Trainer wahrgenommen und unterstützt wird“, betont Kai Rabe.
Die Vision: Talente zu den Profis bringen
Bei der Torhüterausbildung des VfB greifen viele Zahnräder ineinander, um ein funktionierendes, seit Jahren bewährtes System zum Laufen zu bringen. Dieses dient einer klaren Vision: „Wir wollen Torhüter aus der Region im jungen Alter zu uns holen und über ihre Jugendzeit hinaus in die U21 und unsere Profi-Mannschaft bringen“, sagt Steffen Krebs. Die Torwarttrainer sind dabei eines der wichtigsten Zahnräder, ohne das das System nicht funktioniert. Sie sind nicht nur Erklärer und Ratgeber, sondern auch Wegbegleiter und Mentoren mit einer häufig sehr engen Bindung zum Spieler. „Die Rolle des Torwarttrainers ist wichtig, um spezielle Bewegungen zu lernen und zu automatisieren“, sagt Markus Krauss. „Letztlich ist das Torwarttraining aber nur Mittel zum Zweck. Erst, wenn ein Keeper Teil der Mannschaft und im Spiel eingebunden ist, kann er das Spiel verstehen und wird ein besserer Torwart.“
An dieser Vision arbeiten die Torhüter und ihre Trainer beim VfB tagtäglich. Seit vielen Jahren, und auch noch viele weitere Jahre. Geht der eingeschlagene Weg weiter, könnten die Torwarttalente aus Bad Cannstatt auch in Zukunft des Öfteren den Bundesadler über den Brustring ziehen.
Übersicht Torwarttrainer
Lizenzspielermannschaft Steffen Krebs 2008-2015, seit 2021
U21 & Torwartkoordinator Markus Krauss seit 2015
U19 & Torwartkoordinator Kai Rabe seit 2022
U17 Thomas Walter seit 2006
U16 Frank Welz seit 2007
U15 & U14 Julian Hornberger seit 2022
U13 – U11 Heiko Oßner seit 2023
U10 Walter Eschenbächer seit 2000