Hallo, Timo! Du bist Teil der bislang letzten U17-Meistermanschaft des VfB aus dem Jahr 2013. Wo hast du deine Medaille von diesem Titel aufbewahrt?
Timo Baumgartl: „Sie ist sicher verstaut bei meinen Eltern zuhause. Dort habe ich alle meine Medaillen, auch die von der Meisterschaft in der 2. Bundesliga mit dem VfB und die Silbermedaille der U21-EM 2019.“
Was sind deine prägendsten Erinnerungen an diesen Titel?
Timo Baumgartl: „Im Jahr zuvor haben wir im Finale gegen den gleichen Gegner, Hertha BSC, verloren. Das hat uns angetrieben. Wir hatten einen tollen Zusammenhalt in der Mannschaft. Jeder hat sich mit jedem super verstanden. Das war unser Erfolgsgeheimnis. Wir waren 25 Jungs, die alle auf die gleiche Schule gegangen sind. Ein Mitspieler, Nico Schürmann, ist einer meiner besten Freunde und Trauzeuge bei meiner Hochzeit geworden. Es sind Verbindungen und Erinnerungen fürs Leben entstanden. In der Jugend einen Titel zu gewinnen, ist besonders schön. Im Halbfinale haben wir Werder Bremen mit 7:1 und 4:0 besiegt. Das zeigt, was für ein Team wir waren."
Hast du noch mit weiteren Mitspielern von damals Kontakt?
Timo Baumgartl: „Ja, ab und an. Viele sind auf der ganzen Welt verstreut, ich bin beispielsweise in den USA. Wir freuen uns sehr, wenn man sich sieht, das ist das Schönste.“
Gehen wir zurück zum Start der Saison: Hattet ihr von Beginn an das Ziel Meisterschaft?
Timo Baumgart: „Wir hatten immer den Anspruch, Titel zu gewinnen. Der VfB zählte damals wie heute zu den besten Jugendabteilungen Deutschlands. Daher war es für uns im Team und im Verein klar, dass wir um den Titel spielen wollen.“
Nach zwölf Spieltagen sah es allerdings noch nicht danach aus, der VfB stand auf Platz sechs. Kannst du dich noch daran erinnern, was in der Rückrunde in dem Team passiert ist?
Timo Baumgartl: „Es war keine einfache Hinrunde. Dann hat es aber Klick gemacht und wir sind in einen Lauf gekommen. In der gesamten Rückrunde haben wir nur einmal verloren. Es war keine einfache Saison. Mir ist es aber auch lieber, wenn nicht alles glatt läuft, sondern dass man den Widerständen zum Trotz sein Ziel erreicht. Am Ende der Saison waren wir eine sehr stabile und gute Mannschaft.“
Was hat das Team abgesehen vom Zusammenhalt noch ausgezeichnet?
Timo Baumgartl: „Thomas Schneider war unser Trainer, er hat uns immer sehr gut eingestellt. Wir hatten einen guten Mix aus kreativen Spielern, aber auch aus Jungs, die man nicht als Gegenspieler haben möchte. Wir hatten nicht die herausragenden Einzelspieler wie der Jahrgang zuvor mit Timo Werner oder Joshua Kimmich, dafür aber ein gutes Mannschaftsgefüge. Es waren immer elf Jungs auf dem Platz, die wussten, was zu tun ist.“
Was sind deine Erinnerungen an das Finale? Warst du nervös?
Timo Baumgartl: „Es war etwas ganz Besonderes, am Tag vor dem Spiel per Flieger nach Berlin zu reisen. Wir trugen Anzüge, hatten am Abend vor dem Spiel ein großes Dinner, auf den Trikots standen unsere Namen. Das hat sich angefühlt wie ein DFB-Pokalfinale. Dazu kam, dass wir direkt neben dem Olympiastadion im Amateurstadion vor vielen Zuschauern gespielt haben.“
Hast du auch noch den Spielverlauf vor Augen?
Timo Baumgartl: „Wir haben 1:0 gewonnen, Adrian Grbic hat das entscheidende Tor geschossen. Und ich glaube, dass es ein verdienter Sieg war.“
Hat dir der Meistertitel auf deinem Weg zum Profi geholfen?
Timo Baumgartl: „Es ist schon etwas Besonderes und zieht viel Aufmerksamkeit auf die Mannschaft und dadurch auch auf die Einzelspieler. Was die Wahrnehmung im Verein betrifft, ist es ein Pfund, diesen Titel zu haben. Außerdem ist es für die Persönlichkeit gut, Titel gewinnen und einen gewissen Lebensabschnitt mit positiven Erinnerung zu verbinden. Ob mich der Titel zum Profi gemacht hat, weiß ich nicht, aber es war auf jeden Fall ein Meilenstein in meiner Laufbahn.“
Verfolgst du den VfB und speziell die Jugendarbeit von den USA aus?
Timo Baumgartl: „Ja, natürlich. Der VfB war schon immer mein Verein. Ich komme aus dem Umkreis und habe dort meine Familie. Jetzt blicke ich als Fan auf den VfB und freue mich, wenn es dem Verein und der Jugend gut geht. Mit Sportdirektor Christian Gentner habe ich zusammengespielt, viele vom heutigen Staff waren zu meiner Zeit schon im Verein.“
Wie geht’s dir in den USA und wie läuft es sportlich in St. Louis?
Timo Baumgartl: „Es läuft gut. Wir hatten einen schwierigen Saisonstart in der MLS, haben uns dann aber gefangen. Jetzt sind es noch drei Spiele bis zu einer kurzen Pause. Hier in St. Louis ist unser erster Sohn geboren. Wir fühlen uns sehr wohl.“
Ein VfBler durch und durch
Im Alter von 15 Jahren wechselte Timo Baumgartl vom SSV Reutlingen in die U17 des VfB. Dort wurde er als Jungjahrgang in seiner ersten Saison auf Anhieb Deutscher Vizemeister, 2013 folgte dann der ganz große Coup. Anschließend schaffte der Innenverteidiger den Sprung ins Bundesliga-Team. Bis 2018 absolvierte der gebürtige Böblinger 121 Pflichtspiele für den VfB, wurde 2017 Meister der 2. Bundesliga und wechselte anschließend zu PSV Eindhoven. In Deutschland war er danach für Union Berlin und den FC Schalke 04 aktiv, ehe er 2025 zu St. Louis City in die US-amerikanische MLS wechselte.