Fußball ist mehr als nur irgendein Sport. Millionen Menschen verfolgen regelmäßig die Spiele der Bundesliga und internationaler Wettbewerbe. Genau diese enorme Reichweite nutzen Vereine zu besonderen Anlässen, um über den Sport hinaus Zeichen zu setzen.
Denn Sport ist immer auch politisch. Vereine sind in ihrer Organisationsform gesellschaftliche Institutionen, die auf demokratischen Grundwerten beruhen und von Mitbestimmung leben. In der Präambel der Vereinssatzung des VfB ist verankert: „Sportliche und persönliche Entwicklung und Ausbildung, gesellschaftliche Verantwortung und nachhaltiges Handeln sind uns wichtig. Wir fördern und fordern Toleranz und Vielfalt. Ausgrenzung und Diskriminierung zeigen wir die Rote Karte.“
Eine Fläche für klare Worte
Trikots sind dabei mehr als bloße Spielkleidung. Sie transportieren Identität. Beim VfB agiert seit 100 Jahren der Brustring als unverwechselbares Merkmal. In besonderen Momenten wird er zur Fläche für klare Worte. Insbesondere dann, wenn gesellschaftlich relevante Themen in den Fokus rücken.
Die Trikotausstellung „Ein Trikot schreibt Geschichte“ im Schauspiel Stuttgart widmet dem Thema Botschaften eine eigene Vitrine, die den Titel „Trikots mit Ausrufezeichen“ trägt. Sechs Jerseys sind dort zu sehen, jedes mit einer klaren Aussage auf der Brust. Darunter auch das Trikot, das für die erste große Statement-Aktion des deutschen Fußballs steht.
„Mein Freund ist Ausländer“
Im August 1992 kam es im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen zu rassistischen Ausschreitungen gegen Asylbewerber und vietnamesische Vertragsarbeiter. Über mehrere Tage hinweg attackierten rechtsextreme Gewalttäter die Unterkünfte mit Steinen, Stöcken und Brandsätzen. Mehrere Menschen wurden verletzt.
Als Reaktion darauf initiierte der DFB, mit dem VfB Stuttgart als Mitinitiator, die Aktion „Friedlich miteinander“ und setzte damit das erste deutliche Zeichen des organisierten Fußballs gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Am 12. Dezember 1992 wurde diese Haltung auf dem Rasen sichtbar: Beim Bundesliga-Spiel gegen Werder Bremen lief der VfB erstmals mit einer klaren Botschaft auf dem Trikot auf. Über dem weißen Brustring stand der Satz „Mein Freund ist Ausländer.“
Das Spiel endete mit einem 1:1-Unentschieden. Doch das rückte an diesem Tag in den Hintergrund. Entscheidend war das öffentliche, unmissverständliche Bekenntnis zu Menschlichkeit, Toleranz und Solidarität, das bei den Fans nachwirkte.
Trikots mit Aussage
Auch in den Folgejahren – und bis heute – nutzte der VfB seine Trikots immer wieder als Plattform für gesellschaftliche Themen. In der Trikotausstellung sind Jerseys mit den Aufschriften „Was ist Inklusion?“, „Wir besiegen Blutkrebs“, „Wir sind Fans von euch“ oder „VfBfairplay“ zu sehen, ebenso wie ein Trikot mit regenbogenfarbenem Brustring.
Haltung zu zeigen, Position zu beziehen, Zusammenhalt zu fördern und für ein respektvolles Miteinander einzustehen, ist fest in der Identität des VfB verankert. Dieses Selbstverständnis reicht dabei weit über den Spielfeldrand hinaus. So zeigt es sich etwa in der Arbeit der VfB‑Stiftung „Brustring der Herzen“, die mit ihren Aktionen und Projekten die gesellschaftliche Verantwortung des Clubs aktiv vorantreibt. Damit wird deutlich, dass das Thema Engagement beim VfB Stuttgart nicht nur punktuell, sondern dauerhaft gelebt wird.