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Verein 27. Januar 2026

„Nie wieder“ – VfB Stuttgart beteiligt sich an 22. Erinnerungstag

Am heutigen Dienstag erinnert der VfB im Rahmen einer Gedenkstunde und weiteren Aktionen an die im Nationalsozialismus verfolgten, deportierten und ermordeten Menschen.

Am heutigen 27. Januar 2026 jährt sich die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau zum 81. Mal. Rund um diesen Gedenktag erinnert der deutsche Fußball mit der Initiative „!Nie wieder“ an die Opfer des Nationalsozialismus und setzt ein starkes Zeichen für Menschenwürde, Respekt sowie gegen jede Form von Antisemitismus und Diskriminierung. Die vor 22 Jahren ins Leben gerufene Initiative ist längst ein fester Bestandteil des gesellschaftlichen Engagements im Profifußball: Vereine in ganz Deutschland tragen ihre Botschaft sichtbar in Stadien, Fanblöcke und die Öffentlichkeit. Damit übernimmt der Fußball eine besondere Verantwortung, seine große Reichweite zu nutzen, um demokratische Werte zu vermitteln und zu verteidigen.

Auch der VfB Stuttgart beteiligt sich traditionell mit verschiedenen Aktionen an diesem Tag und unterstreicht damit seine klare Haltung: konsequent gegen Antisemitismus, Rassismus, Diskriminierung und jede Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit einzutreten. Für den Verein bedeutet dies nicht nur, der historischen Verantwortung gerecht zu werden, sondern sich auch heutzutage aktiv mit antidemokratischen Entwicklungen auseinanderzusetzen.

Gedenkstunde an der Stele vor dem Clubzentrum

Vor dem VfB-Clubzentrum fand am Vormittag um 11 Uhr eine gemeinsame Gedenkstunde an der Stele statt. Mitarbeiter, Vertreter des Vereins – allen voran Präsident Dietmar Allgaier und Sportvorstand Fabian Wohlgemuth – sowie geladene Gäste gedachten der im Nationalsozialismus verfolgten, entrechteten, deportierten und ermordeten Menschen.

Dietmar Allgaier fand in seiner Eröffnungsrede klare Worte: „Der VfB Stuttgart wird nicht damit aufhören, die Werte Freiheit, Demokratie und Vielfalt entschieden zu verteidigen. Gerade vor dem Hintergrund unserer eigenen Geschichte ist uns mehr als bewusst, dass jegliche Formen von Antisemitismus und Diskriminierung antidemokratischen Kräften Tür und Tor öffnen. Das werden wir nicht zulassen.“

Zu den weiteren Rednern zählten Vertreter der Stadt Stuttgart, der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg, der Initiative Lern- und Gedenkhotel Silber und der Stolperstein-Initiative Stuttgart.

Dr. Michael Blume, Beauftragter des Landes Baden-Württemberg gegen Antisemitismus und für jüdisches Leben, erinnerte eindringlich daran, wie wichtig gemeinsames Handeln ist: „Die einzige Chance, dass wir die aktuelle Zeit überstehen ist, dass wir nie wieder zulassen, dass Menschen ihr Lebensrecht verlieren. Das schaffen wir nicht allein, sondern nur gemeinsam.“

Verantwortung für das Morgen

In seiner Ansprache hob Dr. Clemens Maier, Bürgermeister für Sicherheit, Ordnung und Sport, die Bedeutung des Engagements des Vereins hervor und erklärte: „Der VfB ist zwar primär ein Sportverein, aber er übernimmt auch Mitverantwortung für den Erhalt von demokratischen Werten, von Toleranz und Vielfalt. Dieses Engagement ist gerade heute wieder wichtig und wertvoll, es macht den Verein, zusätzlich zu seinen beeindruckenden sportlichen Leistungen, sympathisch.“

Brigitte Lösch, von der Initiative Lern- und Gedenkhotel Silber, machte auf die heutige Relevanz des Themas aufmerksam: „Wenn wir heute „Nie Wieder“ sagen, dann sagen wir es nicht nur mit Blick auf Auschwitz. Wir sagen es mit Blick auf das Heute - und mit Verantwortung für das Morgen.“

Wie wichtig das persönliche Erinnern ist, machte Werner Schmidt von den Stolperstein-Initiativen Stuttgart deutlich, als er von den Schicksalen vierer jüdischer Persönlichkeiten berichtete: „Die Vermittlung von Einzelschicksalen und deren Einordnung in die historischen Zusammenhänge, das Gedenken an alle Opfergruppen und die Würdigung der verschiedenen Formen des Widerstands, ist eine immerwährende Aufgabe, der wir uns mithilfe der Stolpersteine stellen.“

Mihail Rubinstein, von der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg, schloss die Veranstaltung mit einem Appell an die Jugend: „Fußball ist unsere Leidenschaft. Er bringt Menschen zusammen, vereint Fans und schafft gemeinsame Momente. Auch wenn es am Ende meist einen Gewinner und einen Verlierer gibt, so reicht man sich am Ende fair die Hand. Ihr wisst es besser als die Vergangenheit. Vergesst das bitte nie!“

Der 22. Erinnerungstag

Workshops in der VfB-Jugend

Auch bei den Nachwuchsmannschaften setzte der Verein anlässlich des Erinnerungstages auf vielfältige Bildungsimpulse. Den Auftakt machte um 10 Uhr die U19, die auf dem Trainingsplatz an einem praktischen Workshop der Initiative Zusammen1 von Makkabi Deutschland teilnahm. Der Workshop widmete sich dem Thema Antidiskriminierung und wurde durch Übungen aus dem Fußball- und Teamsportbereich ergänzt. Um 11 Uhr folgte die U17 mit einem theoretischen Workshop im Stadion, der Wissen zu den Themen Antisemitismus und Antidiskriminierung vermittelte und Raum für Austausch bot. Parallel nahm die U16 an der Gedenkstunde vor dem Clubzentrum teil: Zwei Spieler legten stellvertretend den Kranz nieder, während die gesamte Mannschaft vor Ort anwesend war.

Banneraktion in der Bundesliga

Die Profimannschaften des VfB Stuttgart und von Borussia Mönchengladbach setzten bereits am vergangenen Sonntag beim Aufeinandertreffen am 19. Spieltag ein kraftvolles Zeichen: Gemeinsam präsentierten sie vor dem Anpfiff ein Banner mit der Aufschrift „Nie wieder ist jetzt!“ und erinnerten damit an die vielen Millionen Opfer des Holocaust.

Präsenz auch bei den VfB Frauen

Und auch die VfB Frauen setzen ein sichtbares Zeichen zum Erinnerungstag: Zum Auftakt der Rückrunde am Sonntag, 1. Februar 2026, gegen die SG Andernach wird das Thema prominent rund um den Spieltag eingebunden.

Was hat das alles mit dem Sport zu tun?

Das NS‑Regime nutzte den Sport gezielt für seine politischen Zwecke: zur Steigerung von Arbeitsmoral und Kriegstüchtigkeit, zur Kontrolle der Freizeit und vor allem als Propagandainstrument. Die Olympischen Spiele vor 90 Jahren dienten den Nationalsozialisten dazu, internationale Stärke zu demonstrieren und ihre Ideologie zu verbreiten.

Auch der Fußball blieb nicht außen vor. Trotz seiner internationalen Wurzeln und jüdischer Pioniere wie Walther Bensemann (Kicker-Gründer und Mitbegründer des DFB) beteiligten sich viele Vereine aktiv an der Ausgrenzung jüdischer Mitglieder – oft schon bevor die NS‑Führung im Sport offen vorging. Die Gleichschaltung brauchte vielerorts keinen staatlichen Druck.

Die Geschichte zeigt: Sport ist nie unpolitisch. Vereine beruhen auf demokratischen Prinzipien wie Teilhabe und Gleichberechtigung – und tragen damit stets gesellschaftliche Verantwortung.

Mehr Infos zur „!Nie wieder“-Aktion gibt es hier.