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Profis 13. Februar 2026

„Sie werden euch tragen“

Zwei Kapitäne im Doppelinterview. Atakan Karazor und Jana Beuschlein sprechen in der neuen STADION AKTUELL über ein bedeutendes Spiel in der MHP Arena und ihre Rolle als „Leader“.

Es ist mehr als ein Amt. Es ist eine Ehre. Als Kapitän führen Atakan Karazor die Profis und Jana Beuschlein die Frauen an jedem Spieltag auf den Rasen. Während der Mittelfeldakteur dabei sehr regelmäßig den Blick in die MHP Arena genießen darf, wird das für die Stürmerin etwas Neues sein: Am Samstag, 21. März 2026, 14 Uhr, absolviert das Frauenteam erstmals ein Ligaspiel im großen, weiß-roten Wohnzimmer. Grund genug, dass sich die beiden „Leader“ zum Gespräch treffen – und dabei spielt natürlich die bevorstehende Bundesliga-Begegnung am Samstag, 14. Februar 2026, 18.30 Uhr, gegen den 1. FC Köln eine zentrale Rolle.

Hallo Ata und Jana, am 21. März 2026 absolvieren erstmals die Frauen des VfB ein Ligaspiel in der MHP Arena. Inwiefern spielen die Größe des Stadions und die Menge an Fans eine Rolle für die Spielvorbereitung?

Jana: „Egal, vor welch einer Kulisse wir spielen dürfen, werden ein paar Prinzipien immer gelten: ausreichend Schlaf, gutes Frühstück, sich auf die Aufgaben und den Matchplan fokussieren. Meistens kommen wir eineinhalb Stunden vor Spielbeginn im Stadion an. Die Musik läuft, ich tausche mich mit meinen Mitspielerinnen aus, bereite mich vor, das ist die Phase, in der meine Konzentration hochfährt.“

Ata: „Grundsätzlich hilft es, die gewohnten Abläufe beizubehalten. Das gibt Sicherheit. Darüber hinaus versuche ich, bei meinen Mitspielern für eine gewisse Lockerheit zu sorgen – und ich finde es wichtig, all die Energie aufzunehmen, für die unsere Fans in der MHP Arena sorgen. Es ist wichtig, mit dem Warm-up auf den Punkt präsent zu sein.“

Hast du einen Lieblingsmoment in der MHP Arena, den du Jana mitgeben kannst, Ata?

Ata: „Wenn ihr aufs Feld geht, die Kulisse und Atmosphäre spürt, könnt ihr die Energie aufsaugen. In schwierigen Situationen frage ich mich manchmal, was ich dem Team als ‚Captain‘ in dem Moment geben kann. Vielleicht kennst du das. Bei uns im Stadion wird es dir hoffentlich so einfach fallen, wie mir. Die Fans pushen dich. Ich bin mir sicher, dass ihr mit ihnen erfolgreich sein werdet. Glaub mir, sie werden euch tragen.“

Jana, ihr verfolgt viele Profi-Heimspiele selbst im Stadion. Hilft das zur Vorbereitung auf die eigene Partie oder ist der Moment schwer vergleichbar?

Jana: „Ich glaube nicht, dass man es vergleichen kann. Manche Mädels haben schon vor einem großen Publikum gespielt. Wir können uns nur vorstellen, wie es sein kann. Wenn wir dann selbst auf dem Feld stehen und in die Gesichter der Fans blicken, wird das nochmal einen Push geben. An dem Tag werden alle für uns sein. Das nehmen wir mit. Das gibt uns Energie.“

Als Kapitänin bringst du nicht nur unterschiedliche Charaktere, sondern auch eine Altersspanne von 17 bis 33 Jahren unter einen Hut. Wie gelingt dir das?

Jana: „Durch Kommunikation, durch nachfragen, durch motivieren. ‚Wie fühlst du dich gerade oder was wünschst du dir?‘. Neben dem Kapitänsamt haben wir noch einen Mannschaftsrat sowie viele weitere erfahrene Spielerinnen, die mit den Jüngeren sprechen. Alle Generationen haben ihre positiven Dinge, die sie einbringen können. Wir müssen als Mannschaft zusammenhalten und Situationen überstehen.“

Wie schaffst du es, den eigenen Fokus zu behalten und gleichzeitig den Blick fürs Team zu haben, Ata?

Ata: „Ich bin froh und stolz, Kapitän dieser Mannschaft zu sein. Die Jungs machen es mir teilweise recht einfach und stärken mir den Rücken – wir haben tolle Charaktere im Team. Für mich ist es wichtig, eine Einheit zu sein und das Mannschaftsklima zu beobachten. Mit Deniz (Undav, Anm. d. Red.) habe ich außerdem den besten Co-Captain an meiner Seite, den man sich vorstellen kann. Die Jungs wissen, dass sie immer zu uns kommen können.“

Atakan Karazor, Kapitän der Profis:

Es ist wichtig, bei Siegen nicht zu fliegen, sonst fällst du bei Niederlagen umso tiefer.

Inwiefern macht ihr euch im Vorfeld Gedanken zu eurer Ansprachen im Teamkreis?

Ata: „Wie auf dem Feld handle ich intuitiv. Es kommt aus dem Herzen, meinem Bauchgefühl. Das Wichtigste ist, dass es bei den Jungs ankommt. Man kann nicht immer jeden erreichen, Eigenverantwortung gehört dazu. Das Feedback ist gut.“

Jana: „Ich habe meistens ein, zwei Punkte im Kopf, die ich transportieren möchte. Aber ähnlich wie Ata entscheide ich im Teamkreis intuitiv. Aber ich stimme zu: Man kann nicht jede erreichen. Und das ist auch okay. Über die Lautstärke oder die Wortwahl kann man jedoch Emotionen wecken.“

Welche Rolle spielt das Kapitänsamt bei Siegen oder Niederlagen?

Jana: „Auch wenn man es bei Siegen nicht so sehr sieht, ist es nicht weniger wichtig. Auch dann gibt es Situationen oder Phasen, die aufgearbeitet werden müssen. Bei Niederlagen geht es vor allem um die Arbeit auf dem Feld – pushen, motivieren und alle mitnehmen. Jeder gehört dazu. Eine gesunde Selbstreflexion ist dabei enorm wichtig.“

Ata: „Es ist wichtig, bei Siegen nicht zu fliegen, sonst fällst du bei Niederlagen umso tiefer. Eine neutrale Sicht hilft auch bei Erfolgen enorm. Natürlich freuen wir uns, der Mittelweg ist wichtig.“

Die MHP Arena ist für gewöhnlich ausverkauft, der Support unserer Fans auch auswärts enorm. Welche Rolle nimmt dieses Gefühl bei euch ein?

Ata: „Es ist schwer, das in Worte zu fassen. Die Unterstützung der Fans ist brutal. Wir bekommen es als Mannschaft mit, wir sehen, was unsere Fans auf sich nehmen, um uns zu begleiten und zu unterstützen. Und dann noch all die Choreografien, die uns einen zusätzlichen Schub geben – wie etwa zuletzt im Heimspiel gegen den BSC Young Boys. Wir sind dafür sehr dankbar.“

Über 12.000 Tickets sind für die Zweitligapartie gegen Mainz schon verkauft, hast du schon mal vor einem solchen Publikum gespielt, Jana?

Jana: „Beim 1. FC Köln haben wir zum damaligen Zeitpunkt mit 39.000 Zuschauern den Bundesligarekord aufgestellt. Ich kann mich an eine Aktion erinnern, als zwei meiner Flanken geblockt wurden und ich einfach durchgedribbelt bin. Es ging ein Raunen durchs Stadion, das die nächsten fünf Minuten noch angehalten hat. Ich freue mich total darauf.“

Ata, du bist seit 2019 beim VfB und gehörst damit zu den dienstältesten Spielern im Kader. Aufstieg in die Bundesliga, Rettung in der Relegation, DFB-Pokalsieg, internationale Spiele – was hat das mit deiner Verbindung zum VfB gemacht?

Ata: „Es ist eine Liebe entstanden – zu der Stadt, zum Club, zu den Fans. All die erlebten Momente und die Menschen, mit denen ich sie teile, prägen enorm. Ich komme jeden Tag mit großer Freude in die Kabine und arbeite gerne mit den Jungs zusammen. Wir fordern uns gegenseitig heraus, unterstützen uns aber auch enorm. Ich habe mich noch nie so wohl in einer Kabine und in einem Team gefühlt wie beim VfB.“

Jana, du hast seit 2023 den Weg von der Oberliga bis in die 2. Frauen-Bundesliga mitgestaltet. Wohin soll die Reise beim VfB noch führen?

Jana: „Im besten Szenario führt der Weg in die Erstklassigkeit. Es ist unser Ziel, den Aufstieg in die Bundesliga zu schaffen. Für mich würde sich das überragend anfühlen, beim VfB eine Reise von der vierten bis in die erste Liga mitgemacht zu haben. Allerdings ist das noch ein weiter Weg, den wir nur Schritt für Schritt sowie mit Fleiß und als Team gehen können.“

Jana Beuschlein, Kapitänin der Frauen:

Andere Vereine und deren Spielerinnen registrieren, dass der VfB aktuell eines der spannendsten Projekte im Frauenfußball darstellt.

Welche Bedeutung für den Frauenfußball beim VfB hat das Highlight-Spiel am Samstag, 21. März 2026, in der MHP Arena gegen den 1. FSV Mainz 05?

Jana: „Es verleiht dem Thema zusätzliche Aufmerksamkeit. Mein Eindruck ist, dass wir im Bereich des Frauenfußballs bereits eine beachtliche Wahrnehmung erfahren – andere Vereine und deren Spielerinnen registrieren, dass der VfB aktuell eines der spannendsten Projekte darstellt und ambitioniert unterwegs ist. Durch solche Höhepunkte – wie das Spiel in der MHP Arena – gewinnen wir zusätzlich an Sichtbarkeit, vor allem auch bei den Menschen, die bislang noch nicht so häufig bei unseren Heimspielen als Zuschauer dabei waren.“

Ata: „Die Geschwindigkeit, mit der sich der Frauenfußball beim VfB entwickelt, ist enorm. Die Mädels haben schon viele Aufstiege gepackt – das ist bemerkenswert und zeigt, welch Spirit in der Mannschaft steckt. Ich freue mich sehr für Jana und ihre Teamkolleginnen, dass sie bald ein Spiel in der MHP Arena absolvieren können.“

Welche Rituale pflegt ihr abseits des Rasens, um als Mannschaft eine gute Zeit miteinander zu haben?

Ata: „Bei uns ist ‚Mario Kart‘ weiterhin ein passendes Beispiel dafür. Das ist inzwischen ein festes Ritual auf Auswärtsfahrten, bei dem wir viel Spaß haben, miteinander lachen oder uns auch mal den einen oder anderen Spruch drücken. Auch unterschiedliche Kartenspiele stehen hoch im Kurs.“

Jana: „In unserem Team ist die Freude an verschiedenen Spielen ebenfalls groß. Aktuell zocken wir unterschiedliche ‚Mini-Games‘, meistens über das iPad oder das Handy. Bei der nächsten Auswärtsreise wird hinzukommen, dass wir einen ganz bestimmten Livestream verfolgen werden …“

Du beziehst dich auf das Bundesliga-Heimspiel gegen den 1. FC Köln. Was für eine Partie wird unsere Profis erwarten?

Jana: „Da ich früher in Köln gespielt habe, verfolge ich den Weg des Clubs weiterhin sehr interessiert. Die Kölner sind unbequem zu bespielen. Wenn wir auf dem Weg zu unserer Auswärtsaufgabe bei Viktoria Berlin sind, werden wir den Profis daher die Daumen drücken.“

Ata: „Ich schätze es wie Jana ein – uns erwartet ein schwieriges Spiel. Wir haben in der Hinrunde gespürt, wie herausfordernd es ist, gegen Köln anzutreten. Das Team steht als Aufsteiger auf dem zehnten Tabellenplatz, allein dieser Fakt sagt viel über die Qualität aus. Die Kölner haben zudem gute Einzelspieler in ihren Reihen. Wir werden eine hohe Intensität und gute Lösungen brauchen, um die Partie auf unsere Seite zu ziehen.“

stadion aktuell | Bundesliga 2025/2026 | 22. Spieltag

Wer in den 48 Seiten des Stadionmagazins blättern und sich damit optimal auf das Heimspiel am Samstag, 14. Februar 2026, 18.30 Uhr, gegen den 1. FC Köln einstimmen möchte, kann ab sofort das E-Paper kostenfrei lesen oder sich die STADION AKTUELL in der VfB-Magazine-App anschauen. Wie immer liegt die gedruckte Version der STADION AKTUELL am Spieltag im Umgriff der MHP Arena aus.

Weitere Themen sind:

  • Atakan Karazor und Jana Beuschlein: Kapitäne in Weiß und Rot
  • Poster: Atakan Karazor
  • Zu Gast: 1. FC Köln
  • VfB-Stiftung: Wärmeoffensive
  • VfB-Frauen: Interview mit Meike Meßmer
  • Nachwuchs: Vertragsverlängerung und Hauptrunden-Start
  • Historie: 100 Jahre Brustring
  • MHP Arena: Konzert von Helene Fischer

Übrigens: Für die VfB-Magazine „stadion aktuell“ und „dunkelrot“ steht eine eigene App namens „VfB-Magazine“ im App Store sowie im Google Play Store zum Download bereit. Jetzt herunterladen und gleich loslesen.