Ein Sponsorentermin am Flughafen, danach ein Interview, nach dem Training noch ein paar Foto- und Autogrammwünsche. Jamie Leweling ist viel gefragt in diesen Tagen. Das hängt auch mit seiner Entwicklung zusammen: Im Sommer 2023 zum VfB gekommen, im Herbst 2024 als Nationalspieler debütiert, im Mai 2025 mit dem VfB den DFB-Pokal gewonnen und aktuell nur noch einen Scorerpunkt davon entfernt, seine persönlich beste Bundesliga-Saison zu spielen. Kurz vor dem Heimspiel am Sonntag, ab 15.30 Uhr, live bei DAZN sowie im VfB Radio und im VfB Liveticker, gegen den SC Freiburg spricht der Offensivakteur im STADION AKTUELL-Interview.
Hallo Jamie, bei unserem Interviewtermin hast du einen Blick in das von Premium-Partner „SunExpress“ gestaltete VfB-Flugzeug geworfen. Wie fühlt es sich an, damit auf die Reise durch Europa zu gehen?
Jamie: „Das ist auf jeden Fall etwas Besonderes. Und es zeigt, dass die Aufmerksamkeit für den VfB weiterhin wächst. Mit unseren Leistungen möchten wir dafür sorgen, dass wir im ‚VfBExpress‘ noch die eine oder andere internationale Reise durch Europa absolvieren können. Wir haben uns jedenfalls sehr gefreut, als wir das erste Mal mit der Maschine unterwegs waren.“
Die nächste Runde in der UEFA Europa League ist erreicht. Laut deiner Aussage vom Mai 2025 auf dem Stuttgarter Schlossplatz soll das nur eine Zwischenetappe sein …
Jamie: „Diese Aussage wird mich noch eine Weile verfolgen (lacht). Aber das ist vollkommen okay, ich stehe dazu. Ich habe in dem Moment einen großen Traum ausgesprochen – einen Traum, für den es sich lohnt, hart zu arbeiten und bei dem gewiss auch ein ordentliches Quäntchen Glück dazugehören muss. Grundsätzlich macht es der gesamten Mannschaft viel Freude, in einem internationalen Wettbewerb mitzumischen und dort auszuloten, wie weit es gehen kann, wenn wir bereit sind, alles zu investieren. Auch die jüngsten Aussagen von ‚Demi‘ (Ermedin Demirovic, Anm. d. Red.) fand ich daher sehr treffend.“
Welche Aussagen meinst du konkret?
Jamie: „Er hat in einem Interview gesagt, er nehme unsere Mannschaft seit dem Pokalsieg noch einen Tick fokussierter wahr. Es herrsche in jedem Training eine hohe Bereitschaft vor, besser werden zu wollen. All das unterstreiche ich. Wir fordern uns gegenseitig, aber unterstützen uns auch sehr – es macht Freude, ein Teil dieser Entwicklung zu sein.“
Was sind aus deiner Sicht die Gründe für die aktuelle Form?
Jamie: „Jeder Spieler nimmt seine Rolle nicht nur an, sondern füllt sie auch aus. Das Trainingsniveau ist hoch, wir versuchen, uns gegenseitig auf das nächste Level zu pushen. Wir wissen, dass wir nur als Mannschaft erfolgreich sein und unsere Ziele erreichen können. Das Miteinander ist ein ganz wichtiger Faktor – momentan gelingt es uns gut, zur richtigen Zeit fokussiert zu sein und auf ‚Wettkampfmodus‘ zu schalten sowie ab und an auch mal einen kleinen Spaß einzubauen.“
Jetzt sind wir neugierig: Welcher Spaß wird ab und an auf deine Kosten gemacht?
Jamie: „Grundsätzlich kriegt jeder Spieler mal den einen oder anderen lustigen Spruch ab. Ein Spezialist dafür ist Deniz (Undav, Anm. d. Red.), er ist einfach extrem gut darin, einerseits mit Leistung vorwegzugehen und andererseits für eine gewisse Lockerheit zu sorgen. Zu mir sagt er gerne, ich hätte zu wenig Technik – da übertreibt er natürlich, und das weiß er auch. Gleichzeitig kitzelt er einen damit ja auch ein bisschen, was manchmal gar nicht so verkehrt ist.“
VfB-Offensivspieler Jamie Leweling:
Ich habe an ein paar Stellschrauben gedreht, die wichtig für meine Leistungsfähigkeit sind.
Fleißig gearbeitet hast du an deiner Schusstechnik – mit Erfolg, wenn wir an deine Auswärtstore beim 4:0 in Bremen oder jüngst beim 3:0 in Mönchengladbach zurückdenken. Woran hast du konkret gefeilt?
Jamie: „Mir ging es darum, meine Abschlüsse in verschiedenen Situationen und aus verschiedenen Positionen heraus zu verbessern. Aus der Distanz, nach einer Ballmitnahme im hohen Tempo, mal mit und mal ohne Gegnerdruck. Ich habe sowohl in der Sommerpause als auch in der kurzen Winterpause ein paar Extraschichten eingelegt. Und auch nach manchen Trainingseinheiten schnappe ich mir den Ball und übe einige Abschlüsse – oft zusammen mit ‚Calle‘ (Pascal Stenzel, Anm. d. Red.), der eine begnadete Schusstechnik hat und mit dem ich mich gerne darüber austausche.“
Hast du noch andere Aspekte in deinem Leben optimiert?
Jamie: „Ja, das habe ich. Manche sagen, ich sei erwachsener geworden, ich würde es als Reifeprozess bezeichnen. Ich habe an ein paar Stellschrauben gedreht, die wichtig für meine Leistungsfähigkeit sind. Ich werde bald 25 Jahre alt, das ist im Fußball kein total junges Alter mehr. Ich möchte Verantwortung übernehmen – für das Team und mich. Dazu gehören Professionalität und Vorbildfunktion.“
In welchen Bereichen bist du noch professioneller geworden?
Jamie: „Zwar habe ich mich schon immer sehr mit dem Fußball befasst und im Training richtig Gas gegeben, aber besonders die Vor- und Nachbereitung von unseren Einheiten gehe ich nun noch bewusster an. Zudem achte ich stärker auf meinen Schlaf, gehe etwas früher ins Bett. Bei der Ernährung lasse ich Süßigkeiten größtenteils weg und trinke fast nur noch Wasser. Ich bin überzeugt, dass sich in einzelnen Bereichen ein, zwei Prozent herausholen lassen, die wiederum in Summe einen großen Einfluss auf das Gesamtpaket haben.“
In der aktuellen Bundesliga-Saison hast du bereits neun Scorerpunkte gesammelt und liegst damit teamintern auf Rang zwei hinter Deniz Undav. Wie beurteilst du die Situation des VfB in der Liga?
Jamie: „Wir haben uns – wie in den beiden anderen Wettbewerben auch – eine gute Ausgangsposition erarbeitet und sind wirklich ordentlich in das neue Jahr hereingekommen. In der Bundesliga haben wir 2026 nur gegen Union Berlin remis gespielt, alle anderen Partien konnten wir gewinnen und haben gute Leistungen gezeigt. Diesen Flow wollen wir aufrechterhalten. Es herrscht eine gute Energie im Team. Das ist genau die richtige Basis, um im vorderen Tabellendrittel dabeizubleiben. Wir setzen uns keine Limits.“
Sehr klar hast du dich auch positioniert, als es zuletzt Gerüchte über eine Anfrage des englischen Premier-League-Clubs FC Bournemouth für dich gab. Wie kam es dazu?
Jamie: „Der Markt ist, wie er ist. Damit habe ich gelernt, umzugehen und betrachte es als Wertschätzung, dass meine Leistung und Entwicklung gesehen werden. Für mich war und ist ein Wechsel aktuell kein Thema. Ich fühle mich beim VfB und in Stuttgart sehr wohl, ich komme auf viel Spielzeit und mache Schritte nach vorne, ich bin hier zum Nationalspieler gereift und wir haben uns als Mannschaft noch einiges vorgenommen.“
VfB-Offensivspieler Jamie Leweling:
Es würde mir sehr viel bedeuten, eine WM spielen zu dürfen, aber der Weg dorthin führt nur über Leistung und Fleiß.
Am Sonntag gastiert der SC Freiburg in der MHP Arena – und somit ein Team, das ebenfalls weiterhin in der UEFA Europa League vertreten ist. Was erwartest du für eine Begegnung?
Jamie: „Das wird eine schwierige und intensive Partie. Die Erinnerung an das Hinspiel ist noch frisch: Obwohl wir in Freiburg in Führung gingen, haben wir uns dort schwergetan und unterlagen letztlich 1:3. Das möchten wir natürlich korrigieren, es diesmal weitaus besser hinbekommen – und anschließend mit unseren Fans gemeinsam jubeln.“
Zum Abschluss blicken wir in die ferne Zukunft: Im Sommer 2026 findet die Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko statt. Inwiefern ist es ein Ziel von dir, zum deutschen WM-Kader zu gehören?
Jamie: „Natürlich ist das ein Ansporn und natürlich möchte ich bei diesem Turnier zum deutschen Team gehören. Es würde mir sehr viel bedeuten, eine WM spielen zu dürfen, aber der Weg dorthin führt nur über Leistung und Fleiß. Es macht wenig Sinn, zu sehr über die WM nachzudenken. Wichtig ist, in möglichst jedem Spiel abzuliefern und sich weiterzuentwickeln – daher ist es auch top, dass wir mit dem VfB international eine Runde weiter sind. Je erfolgreicher wir als Team in dieser Saison unterwegs sind, desto größer ist auch die individuelle Chance, ein WM-Ticket zu lösen.“
stadion aktuell | Bundesliga 2025/2026 | 20. Spieltag
Wer in den 56 Seiten des Stadionmagazins blättern und sich damit optimal auf das Heimspiel am Sonntag, 1. Februar 2026, 15.30 Uhr, gegen den SC Freiburg einstimmen möchte, kann ab sofort das E-Paper kostenfrei lesen oder sich die STADION AKTUELL in der VfB-Magazine-App anschauen. Wie immer liegt die gedruckte Version der STADION AKTUELL am Spieltag im Umgriff der MHP Arena aus.
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