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Profis 28. Februar 2026

„Das eigene Tor mit allen Mitteln verteidigen“

Am Sonntag ist „International Matchday“ gegen Wolfsburg. Grund genug, mit Jeff Chabot, der fünf Sprachen spricht, im neuen STADION AKTUELL-Interview über die Vielfalt in der Kabine und Auslandserfahrungen zu reden.

Seine Zweikämpfe führt er entschlossen, für sein Team ruft er alles ab. Nach seinem Wechsel im Sommer 2024 vom 1. FC Köln zum VfB hat sich Jeff Chabot rasch zu einem Leistungsträger entwickelt. Der 28-Jährige möchte mit dem Club aus Cannstatt ambitioniert bleiben – dazu gehört, am Sonntag, 1. März 2026, 15.30 Uhr, live bei DAZN sowie im VfB Radio und im VfB Liveticker, gegen den VfL Wolfsburg erfolgreich zu sein. Zuvor spricht der Verteidiger im STADION AKTUELL-Interview über seinen Lernprozess im Ausland, die aktuelle Form des Teams – und ein Lob von Rekordnationalspieler Lothar Matthäus.

Hallo Jeff, das Bundesliga-Heimspiel gegen Wolfsburg steht unter dem Motto „International Matchday“. Zum Kader des VfB gehören Profis aus 14 verschiedenen Nationen. Wie bereichert diese Vielfalt euer Beisammensein?

Jeff: „Es tut einer Kabine einfach gut, wenn viele Kulturen aufeinandertreffen. Wir haben einen sehr guten und positiven Umgang miteinander. Zudem finde ich es interessant, wie jeder Mensch mit gewissen Situationen anders umgeht – das hilft, sich etwas abzuschauen. Wir haben viel Spaß zusammen, wissen aber auch, wann wir in den Konzentrations-Modus umschalten müssen. Diese Mischung ist wichtig.“

Welchen Einfluss haben die verschiedenen Kulturen auf die Musikauswahl in der Kabine?

Jeff: „Der Einfluss ist begrenzt, da Jamie (Leweling, Anm. d. Red.) für die Musik verantwortlich ist – und er lässt sich dabei kaum hereinreden, sondern zieht sein Ding durch (lacht). Wir sind zufrieden mit seinen Playlists.“

Du hast – neben Deutschland – bereits in der ersten Liga Italiens und der Niederlande gespielt. Inwiefern hast du persönlich von diesen Auslandsstationen profitiert?

Jeff: „Rückblickend waren das ganz wichtige Jahre für mich. Ich bin herausgetreten aus meiner Komfortzone, musste mich in vergleichsweise jungen Jahren in einem fremden Land mit einer fremden Sprache zurechtfinden – und war in erster Linie auf mich alleine gestellt. Ich musste Situationen alleine lösen, in gewissen Momenten erst einmal alleine klarkommen, weil eben Familie und Freunde nicht immer vor Ort sein können. Daran bin ich als Mensch gewachsen, das war eine sehr prägende Zeit für mich.“

Was hast du als Fußballprofi aus den verschiedenen Ländern mitgenommen?

Jeff: „Ich erinnere mich noch gut an meine ersten zwei, drei Wochen in Italien: Ich dachte, ich lerne das Verteidigen nochmal völlig neu. Es wurde ganz akribisch auf jedes Detail geachtet.“

Inwiefern?

Jeff: „Etwa die eigene Stellung zum Ball und zum Gegner oder das Positionsspiel. Meine Lernkurve war extrem in dieser Zeit. Und dann kommt noch die Mentalität in Italien hinzu: Das Wichtigste war, kein Gegentor zu kassieren. Der Grundsatz ist, das eigene Tor mit allen Mitteln zu verteidigen. Darauf baut sich alles Weitere auf.“

VfB-Verteidiger Jeff Chabot:

Ich bin sehr dankbar und zufrieden, wie alles aufgegangen ist.

Wie war’s in der Niederlande?

Jeff: „Die niederländische Liga ist eine super Plattform für junge Spieler – und damit auch ein hervorragendes Sprungbrett, um sich für die Top-Ligen in England, Spanien, Italien, Frankreich und Deutschland zu empfehlen. In den Niederlanden wird auf hohem Niveau agiert und zudem ein technisch feiner Fußball gespielt. Ich würde jungen Spielern, die aus den Nachwuchsleistungszentren kommen, diesen Zwischenschritt absolut empfehlen.“

Beim VfB hast du rasch Verantwortung übernommen und zählst seit deiner ersten Saison in Weiß und Rot zu den Leistungsträgern. Wie beurteilst du deine Entwicklung?

Jeff: „Ich bin sehr dankbar und zufrieden, wie alles aufgegangen ist. Es ist überragend, dass wir die zweite Saison in Serie international spielen. In der Mannschaft steckt viel Hunger auf weiteren Erfolg, den wir gemeinsam erreichen möchten. Dazu möchte ich meinen Teil beitragen.“

Welche Momente sind deine persönlichen Höhepunkte im Trikot mit dem roten Brustring?

Jeff: „Den DFB-Pokalsieg im vergangenen Jahr setze ich auf Rang eins – das war ein unfassbares Erlebnis. Auch das Halbfinale 2025 gegen RB Leipzig (3:1, Anm. d. Red.) war ein sensationeller Fight, der mir als besondere Partie in Erinnerung geblieben ist. Genau wie unsere jüngsten Vergleiche mit Borussia Dortmund – etwa der 5:1-Heim- oder der 2:1-Auswärtssieg, bei dem ich mein erstes Bundesliga-Tor erzielen konnte. Und natürlich die internationalen Matches. Mir kommen viele Momente in den Kopf.“

Apropos DFB-Pokal: Als Titelverteidiger seid ihr bereits bis ins Halbfinale des laufenden Wettbewerbs gekommen. Im April geht’s gegen den SC Freiburg um den Einzug ins Finale. Was würde es dir bedeuten, erneut das Endspiel zu erreichen?

Jeff: „Das würde mir sehr viel bedeuten. Es gibt nicht allzu viele Mannschaften, die es geschafft haben, den Titel zu verteidigen. Dieser Traum spornt uns an. Wir wollen erneut nach Berlin, daher werden wir gegen Freiburg alles abrufen und versuchen, das Halbfinale auf unsere Seite zu ziehen.“

Auch in der Bundesliga weist ihr eure gute Form nach, seid im vorderen Tabellendrittel dabei. Worin liegen die Gründe für die starke Verfassung?

Jeff: „Wir haben in den Details nochmals einen Sprung nach vorne gemacht. Uns gelingt es, leidensfähiger zu sein und auch enge Partien auf unsere Seite zu ziehen. Wir haben gute Abläufe und Prinzipien in unserem Spiel. Jeder kann sich auf seinen Teamkollegen verlassen, es macht Freude, auf dem Rasen gemeinsam um die Punkte zu kämpfen.“

Jeff Chabot, seit 2024 beim VfB:

Wir reiben uns füreinander auf – ganz egal, wer mit wem auf dem Platz steht.

Was dir persönlich derzeit noch fehlt, ist ein Saisontor …

Jeff: „Die Jungs halten sich aktuell noch mit Sprüchen zurück (lacht). Sie wissen: Mein erster Job ist das Verteidigen. Wenn sich in der Offensive jedoch mal die Möglichkeit bietet, einen Treffer zu machen, möchte ich da sein.“

Es fällt aus, dass ihr in der Defensivarbeit auch bei mitunter wechselnden Anfangsformationen gut harmoniert. Woran liegt das?

Jeff: „Wir reiben uns füreinander auf – ganz egal, wer mit wem auf dem Platz steht. Unser gemeinsames Ziel ist, die Null zu halten. Und da gehören auch die Jungs dazu, die nicht Verteidiger sind, sondern in vorderen Linien den Gegner unter Druck setzen.“

Im Hinspiel stand gegen den VfL Wolfsburg die angesprochene Null und ihr habt auswärts 3:0 gewonnen. Was erwartest du diesmal für eine Begegnung?

Jeff: „Wolfsburg hat ein Team mit viel Qualität, das aus meiner Sicht deutlich besser ist, als es der aktuelle Tabellenplatz ausdrückt. Wir müssen sehr konzentriert und konsequent agieren. Es wird wichtig sein, im eigenen Stadion und mit den Fans an unserer Seite von Beginn an zu zeigen, dass wir das Spiel erfolgreich gestalten möchten.“

Zum Abschluss blicken wir in die etwas fernere Zukunft: RTL-Experte Lothar Matthäus hat bei den jüngsten UEFA Europa League-Spielen gesagt, dass er in dir einen Kandidaten für die deutsche Nationalmannschaft und die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko sieht. Für die U-Teams des DFB bist du 13-mal aufgelaufen. Inwiefern hast du die Aussage wahrgenommen?

Jeff: „Ich habe die Aussage mitbekommen und sie ist eine große Ehre für mich. Lothar Matthäus gehört zu den allerbesten Fußballern, die Deutschland jemals hatte. Für mich geht es einfach darum, mit dem VfB so erfolgreich wie möglich unterwegs zu sein und beste Leistungen zu bringen. Einen Sommerurlaub habe ich jedenfalls noch nicht gebucht.“

stadion aktuell | Bundesliga 2025/2026 | 24. Spieltag

Wer in den 56 Seiten des Stadionmagazins blättern und sich damit optimal auf das Heimspiel am Sonntag, 1. März 2026, 15.30 Uhr, gegen den VfL Wolfsburg einstimmen möchte, kann ab sofort das E-Paper kostenfrei lesen oder sich die STADION AKTUELL in der VfB-Magazine-App anschauen. Wie immer liegt die gedruckte Version der STADION AKTUELL am Spieltag im Umgriff der MHP Arena aus.

Weitere Themen sind:

  • Jeff Chabot: Zeitreise und Zahlenspiel
  • Poster: Jeff Chabot
  • Zu Gast: VfL Wolfsburg
  • Stuttgart international: Weltweit am Ball
  • VfB-Stiftung: Aktivitäten im Ausland
  • VfB-Frauen: Interview mit Haruka Osawa
  • Nachwuchs: Reise nach Ghana
  • Historie: 100 Jahre Brustring

Übrigens: Für die VfB-Magazine „stadion aktuell“ und „dunkelrot“ steht eine eigene App namens „VfB-Magazine“ im App Store sowie im Google Play Store zum Download bereit. Jetzt herunterladen und gleich loslesen.