90 lange Minuten hatte sich der VfB am Samstagabend die Zähne an Borussia Dortmund ausgebissen, das Spiel kontrolliert und defensiv so gut wie nichts zugelassen. Als sich viele der 60.000 Zuschauer in der ausverkauften MHP Arena bereits mit einem leistungsgerechten 0:0 arrangierten, schlug der BVB in der Nachspielzeit eiskalt zu.
Den Jungs aus Cannstatt gelang es im Topspiel des 28. Bundesliga-Spieltags nicht, sich für den über die gesamte Spieldauer geleisteten Aufwand zu belohnen. Fast 70 Prozent Ballbesitz wies der VfB auf, dazu mehr Torschüsse, mehr Pässe und mehr gewonnene Zweikämpfe als der Gegner. Vor allem im ersten Durchgang erarbeitete sich die Mannschaft von Sebastian Hoeneß mehrere aussichtsreiche Situationen, verpasste es jedoch, daraus große Gefahr zu kreieren. „Wir waren aktiv, spielbestimmend und leidenschaftlich, aber hatten nicht die ganz zwingenden Torchancen. Uns gelang es, die Dortmunder unter Druck zu setzen, aber die Gäste hielten dem Stand“, bilanzierte der Cheftrainer nach dem Abpfiff.
Eiskalte Gäste mit spätem „Lucky Punch“
Deniz Undav fügte an, dass es in einem solchen Spiel wichtig sei, „die kleinen Momente“ auszunutzen. „Die hatten wir diesmal zu selten auf unserer Seite. Man hofft, dass mit fortwährendem Druck mal ein Ball durchrutscht, aber Dortmund hat es gut gemacht, tief verteidigt und letztlich die Null gehalten“, so der Nationalspieler. Die Gäste bewahrten im 28. Saisonspiel bereits zum 13. Mal eine Weiße Weste und stellten in der Nachspielzeit unter Beweis, warum sie in der laufenden Saison erst zweimal, beide Male gegen den FC Bayern München, als Verlierer vom Platz gingen: Karim Adeyemi und Julian Brandt brachten die ersten beiden Chancen der Schwarz-Gelben im Tor unter und stellten den Spielverlauf auf den Kopf. Sportvorstand Fabian Wohlgemuth nannte den „Lucky Punch“ der Dortmunder im Nachgang ein „Lehrstück an Effizienz“.
Doch so bitter das Ergebnis vor dem Hintergrund des Spielverlaufs aus Stuttgarter Sicht auch war, gibt der Auftritt dennoch Anlass zu Mut und Zuversicht für die entscheidenden Wochen der Saison. „Es hat viel Gutes in unserem Auftritt gesteckt“, erkannte Ermedin Demirovic, der auch gleich die Marschrichtung für die kommende Woche vorgab: „Fokussiert weiterarbeiten“, um im Heimspiel gegen den Hamburger SV am nächsten Sonntag wieder in die Erfolgsspur zurückzukehren.