Kenny Miller war bislang der Letzte, der es getan hat: Das Verbotene. Das, was man nicht tun sollte. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges gab es nur fünf Spieler, die sowohl das Trikot der Glasgow Rangers als auch das von Celtic, dem kommenden VfB-Kontrahenten in den Playoff-Spielen zur K.o.-Runde der UEFA Europa League, getragen haben. Insgesamt sind es in der langen Geschichte des „Old Firm“, einem der aufgeheiztesten Derbys im europäischen Vereinsfußball, lediglich 20 Spieler.
Fußball als Glaubensfrage
Glasgow, Arbeiterstadt im Westen Schottlands, fünftgrößte Stadt Großbritanniens, ist zweigeteilt, zumindest wenn es um Fußball geht. Dann gibt es nur schwarz oder weiß, bzw. grün-weiß oder blau-weiß-rot. Die Grün-Weißen, also Celtic, sind katholisch, repräsentieren die Arbeiterklasse. Die „Bhoys“ sind separatistisch, rebellisch, Labor-Wähler und pro-irisch. Das genaue Gegenteil von den protestantischen Rangers, die als konservativ und als der Krone treu gelten, die Tories wählen und den Union Jack als Lebensgefühl verstehen. Fußball in Glasgow ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Glaubensfrage. Henrik Larsson, ehemaliger schwedischer Nationalspieler, dreifacher-WM-Teilnehmer, eine Celtic-Ikone und um die Jahrtausendwende Torschütze vom Dienst, sagte einst: „Rangers gegen Celtic – wer das nicht erlebt hat, als Spieler oder Zuschauer, der muss sich eine neue Liste schreiben.“
Im „Paradise“ hält es niemanden auf den Sitzen
Wenn der verhasste Stadtrivale zum „Old Firm“ in den bereits im Jahr 1892 eingeweihten und danach mehrfach renovierten und umgebauten Celtic-Park im Stadtteil Parkhead kommt, dann herrscht eine hitzige Kulisse. 60.000 fanatische Anhänger peitschen ihr Team 90 Minuten lang nach vorne, jede gelungene Aktion wird gefeiert und bejubelt, der Gegner gnadenlos ausgepfiffen. Das „Paradise“, wie die Heimspielstätte Celtics auch genannt wird, ist seit dem Umbau in den Jahren 1994 und 1995 inzwischen ein sogenannter „All-Seater“, sprich ein Stadion, in dem es aus Sicherheitsgründen nur noch Sitzplätze gibt. Das ändert aber nichts daran, dass die meisten Fans die Partien trotzdem im Stehen verfolgen. Aus den Zeiten, in denen es noch Stehplätze gab, stammt auch der bis heute gültige Zuschauerrekord: 1938 verfolgten sage und schreibe 92.000 schon damals frenetische Fans im Celtic-Park ein Spiel gegen, natürlich, den Erzrivalen Rangers.
Zwischen „Glaswegian“ und Schwäbisch
Auf eine heiße Atmosphäre wird sich auch die Mannschaft von Cheftrainer Sebastian Hoeneß am Donnerstag, 19. Februar 2026, einstellen müssen. Auch dann werden die Celtic-Fans ihre Jungs nach Kräften unterstützen und über die gesamte Spielzeit nach vorne treiben. Aber lange nicht so angespannt und emotional bewegt, wie wenn es gegen die Rangers geht. Natürlich wollen die Grün-Weißen gewinnen, weil sie fußballverrückt sind und ihre Farben über alles lieben. Sorge muss aber normalerweise niemand haben, der mit nach Glasgow reist, um den VfB zu unterstützen, denn die Schotten sind trinkfest und feierfreudig. Wer sich am Abend vor dem Spiel in der Stadt in Richtung „Gallowgate“, dem Galgentor, bewegt, wird ein grün-weißes Meer von Fans erleben, mit denen man am „Brazen Head“, dem Szene-Treff der Celtic-Fans, auch ein Pint trinken und einen Plausch halten kann, sofern man die schottische Mundart versteht. „Glaswegian“ ist nämlich nicht zwingend das, was der Normalbürger als Englisch kennt, sondern weist zahlreiche sprachliche Eigenheiten auf. Was umgekehrt natürlich auch für das Schwäbische gilt. Insofern gibt es durchaus Gemeinsamkeiten zwischen den Grün-Weißen und den Weiß-Roten, auf die man vor dem Spiel anstoßen kann. Nur eines sollte man tunlichst vermeiden: Jedwede Sympathie mit dem Stadtrivalen Rangers.