Wenn Maccabi Tel Aviv heute in der MHP-Arena zu Gast ist, lohnt es sich, einen Blick auf die Besonderheiten des Gegners zu richten. Maccabi ist nicht nur als Vereinsbezeichnung zu sehen, sondern steht vielmehr stellvertretend für die jüdische Sportgemeinschaft insgesamt. Die Ursprünge der mittlerweile international verbreiteten Maccabi Bewegung liegen dabei in Deutschland. Grund genug einen vertieften Blick auf MAKKABI Deutschland zu werfen.
Die jüdische Sportbewegung in Deutschland blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Bereits 1898 entstand in Berlin mit Bar Kochba der erste Jüdische Turn- und Sportverein – eine Folge des damaligen Ausschlusses jüdischer Sportler*innen aus Turnvereinen sowie des aufkommenden Nationalismus der damaligen Zeit. Den ersten Ortsverein führte der ehemalige Sportstudent Max Loewy bis zur zweiten Maccabiah, die größte internationale jüdische Sportveranstaltung mit über 11.000 Teilnehmenden, ehe er 1939 wie viele andere jüdische Sportgemeinschaften unter der NS-Herrschaft aufgelöst und verboten wurde. Vor der Machtergreifung der Nazis im Jahr 1933 existierten rund 90 jüdische Sportvereine in Deutschland – ein eindrucksvolles Zeichen jüdischer Lebendigkeit und Integration.
Bereits 1.000 Mitglieder im Jahr 1966
Nach dem 2. Weltkrieg und dem Holocaust mussten diese Strukturen von Grund auf wiederbelebt werden. In den 1960er-Jahren folgten die ersten Neugründungen – darunter 1961 der TuS Maccabi Düsseldorf. Nur wenige Tage nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel 1965 konstituierte sich die jüdische Sportbewegung in Deutschland offiziell neu. Unter Präsident Werner Nachmann wuchs MAKKABI Deutschland rasch: Schon 1966 zählte der Verband acht Vereine mit rund 1.000 Mitgliedern und 1969/1970 nahmen erstmals seit drei Jahrzehnten Abstinenz wieder jüdische Athletinnen aus Deutschland an der Maccabiah in Israel teil. Bei der im Sommer 2026 anstehenden Maccabiah wird MAKKABI Deutschland mit einer rund 300-köpfigen Delegation in 20 verschiedenen Sportarten antreten.
Heute ist MAKKABI Deutschland ein lebendiger, moderner Sportverband mit gut 10.000 Mitgliedern in 40 Ortsvereinen, bei dem Menschen verschiedener Herkunft und Religionen zusammenkommen. Für sportliche Schlagzeilen sorgte zuletzt besonders der TuS Makkabi Berlin, der sich in der Saison 2023/24 für den DFB-Pokal qualifizierte – das Duell mit dem VfL Wolfsburg endete 0:6, der heutige VfB Stürmer Tiago Tomás erzielte sogar einen Doppelpack.
Doch MAKKABI ist weit mehr als sportlicher Wettbewerb. Der Verband steht als starke Gemeinschaft für Vielfalt, Respekt und demokratische Werte. Die Bildungsabteilung von MAKKABI Deutschland ZUSAMMEN1 engagiert sich aktiv gegen Diskriminierung, Hass und Ausgrenzung. Gerade im Fußball werden antisemitische Verhaltensweisen oft nicht erkannt oder nicht gemeldet – hier setzt ZUSAMMEN1 an: mit Forschung, Aufklärung und konkreten Angeboten, um den Sport nachhaltig widerstandsfähig gegen Antisemitismus zu machen. In Workshops und pädagogischen Trainings werden Spielerinnen, Trainerinnen und andere Sportbegeisterte für Diskriminierung sensibilisiert und dazu befähigt, Zivilcourage zu zeigen und respektvoll auf und neben dem Platz zu handeln.
MAKKABI zeigt Haltung – auf und neben dem Platz.
„Gemeinsam", so das Leitmotiv der Bewegung, „sind wir stärker als der Hass“.