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Club 19. Mai 2026

„Das Finale des besten Fußballs“

Der VfB? Kann befreit aufspielen. Die Bayern? Haben eine enorme Offensivpower. Holger Badstuber, der für beide Clubs spielte, blickt voller Vorfreude auf das 83. DFB-Pokalfinale.

Holger Badstuber wird im Berliner Olympiastadion sein. Das steht für ihn seit einigen Tagen fest. Wenn zwei seiner ehemaligen Clubs – für den FCB absolvierte er 177 Profispiele, für den VfB sind’s 61 Profieinsätze – im DFB-Pokalfinale am Samstag, 23. Mai 2026, aufeinandertreffen, ist das für den 37-Jährigen ein Highlight. Noch immer verfolgt er den Weg der beiden Clubs, ist weiterhin nah dran am Fußballgeschehen. Und natürlich ist der ehemalige Verteidiger, der zahlreiche Titel gewann, auch jemand, der die Drucksituation rund um solche Endspiele einschätzen kann.

Hallo Holger, in deiner Profikarriere hast du die meisten deiner Spiele für den FC Bayern und den VfB absolviert. Nun treffen beide Teams im DFB-Pokalfinale aufeinander. Was macht diesen „Südschlager“ aus deiner Sicht so besonders?

Holger Badstuber: „Historie, guter Fußball, Spieler mit hoher individueller Qualität, auch ein gewisses Prestige – da kommt viel zusammen. All diese Komponenten verleihen dem ‚Südschlager‘ seinen Reiz. Und gerade in den vergangenen Jahren machen die Begegnungen zwischen dem FC Bayern und dem VfB wieder richtig Spaß: Es stehen sich zwei Clubs gegenüber, die eine klare Identität und Spielphilosophie haben. Ich bin überzeugt, dass das Finale eine attraktive und unterhaltsame Partie werden kann.“

Womit sich die Frage nach der Favoritenrolle anbietet …

Holger Badstuber: „Natürlich ist Bayern München der Favorit, aber der VfB hat sich sukzessive entwickelt und zuletzt häufig gute Leistungen abgerufen. Aus meiner Sicht ist es das ‚Finale des besten Fußballs‘, denn beide Teams spielen nach vorne, sind aktiv und möchten Chancen kreieren. Der Fußballfan kann sich auf dieses Endspiel freuen.“

Der FC Bayern war in der eben beendeten Bundesliga-Saison das Maß aller Dinge, schoss als Deutscher Meister exakt 122 Tore. Was würdest du als ehemaliger Verteidiger empfehlen, wie sich die Offensive der Münchner stoppen lässt?

Holger Badstuber: „Bei Bayern können viele Spieler torgefährlich werden und sind in einer super Form. Das macht es ein Stück weit unberechenbar. Diese Offensivpower lässt sich keineswegs komplett stoppen – aber es muss darum gehen, ihnen die Räume zu nehmen und es den Offensivspielern so schwer wie möglich zu machen. Der VfB hat bewiesen, dass er die Möglichkeiten und Fähigkeiten dazu hat. Und dann ist da noch das eigene Offensivspiel der Stuttgarter: Sie haben clevere Akteure in ihren Reihen, die zielstrebig agieren. Bayern hat in den jüngsten Partien das eine oder andere Gegentor kassiert – das wird der VfB versuchen, für sich zu nutzen.“

Insgesamt hat sich der VfB über die Saison hinweg stabil und spielfreudig präsentiert. Wie beurteilst du die Entwicklung des Clubs aus Cannstatt?

Holger Badstuber: „Es ist eine positive Entwicklung, die Freude macht. Sportlich hat der VfB in dieser Saison eine funktionierende Achse: Alexander Nübel im Tor, davor verteidigt Jeff Chabot, im Mittelfeld lenken Angelo Stiller und Atakan Karazor das Spiel, im Sturmzentrum harmonieren Deniz Undav und Ermedin Demirovic. Darüber hinaus ist viel Qualität auf den Flügeln vorhanden. Ein Schlüssel ist sicherlich auch, dass die Mannschaft größtenteils seit einem längeren Zeitraum zusammenspielt und sich kennt. Zudem hat es Sebastian Hoeneß als Chefcoach geschafft, einen Stil zu entwickeln, bei dem die Stärken der Mannschaft zum Vorschein kommen. Verlagerungen, Kurzpässe, Lobs hinter die Abwehrreihe – das Repertoire und die Abläufe der Stuttgarter sind richtig gut.“

Du bist von 2017 bis 2021 für den VfB aufgelaufen. Was ist dir aus dieser Zeit besonders in Erinnerung geblieben?

Holger Badstuber: „Generell habe ich in dieser Zeitspanne erleben dürfen, welch traditionsreicher Verein der VfB ist und wie viele Menschen er bewegt. Die Unterstützung der Fans war gigantisch. Wenngleich wir in jenen Saisons unsere Aufs und Abs hatten, habe ich diesen Zuspruch und diese Power, die der Club hat, immer genossen und gerne für den VfB gespielt. Umso schöner ist, dass der Verein momentan viele gute Entscheidungen trifft, die Wirtschaftskraft der Region nutzt und einen Weg eingeschlagen hat, der ihn hoffentlich wieder dauerhaft im oberen Bundesliga-Drittel platziert.“

Holger Badstuber, dreifacher DFB-Pokalsieger:

Ich bin sehr gerne zu solchen speziellen Spielen gefahren, sie bleiben ein Leben lang im Kopf.

Neben einem UEFA Champions League-Sieg sowie fünf Deutschen Meisterschaften sind mit dir auch drei DFB-Pokaltitel verbunden, allesamt mit dem FC Bayern. Was macht das Finale im Berliner Olympiastadion so einzigartig?

Holger Badstuber: „Der ganze Rahmen ist beeindruckend: 50 Prozent der Zuschauer halten zu dem einen Team, 50 Prozent zu dem anderen. Die Zeremonie vor Anpfiff mit der Nationalhymne vermittelt, dass es ein wirklich großes, bedeutendes Ereignis ist. Die Stadt Berlin pulsiert schon ein, zwei Tage vor Spielbeginn. Und das Wichtigste: Es geht um einen Titel. Am Ende wird eine Mannschaft mit dem Pokal jubeln – und die andere wird traurig sein. Ich bin sehr gerne zu solchen speziellen Spielen gefahren, sie bleiben ein Leben lang im Kopf.“

Heutzutage bist du auch ab und an bei Panel-Talks oder Workshops zum Thema „Motivation und Resilienz“ aktiv. Wie lässt sich als Profi der richtige Umgang mit dem Druck finden, der mit solch einem Endspiel einhergeht?

Holger Badstuber: „Visualisierung kann eine gute Unterstützung sein. Sich an erfolgreiche Szenen erinnern, positive Momente hervorrufen – all das gibt Sicherheit und Vertrauen in die eigene Stärke. Dem VfB wird das leichtfallen: Die Mannschaft weiß aus der Erfahrung vor einem Jahr, wie sie den DFB-Pokal gewinnen kann. Viele Spieler ‚fühlen‘ das Olympiastadion noch, sie kennen die Gegebenheiten. Wenn sie durch die Katakomben laufen, erinnern sie sich an positive Szenen aus dem vergangenen Endspiel. Das gibt Kraft, das gibt Überzeugung – und das macht hungrig auf mehr. Und es gibt noch einen weiteren Vorteil …“

Hängt dieser auch mit dem Thema Druck und Erwartungshaltung zusammen?

Holger Badstuber: „Teils schon. Natürlich ist Druck im Fußball allgegenwärtig – aber der VfB hat am vergangenen Wochenende die Qualifikation zur Champions League erreicht. Für den Club ist das Finale ein riesiger Bonus, er kann fast nur gewinnen. Das ist eine Luxus-Ausgangslage. Beim FC Bayern ist der Erwartungsdruck ungleich höher, und ich kenne das aus eigener Erfahrung: Wenn du erst einmal im Finale des DFB-Pokals stehst, dann wird in München erwartet, dieses Spiel zu gewinnen. Das entspricht einfach dem Selbstverständnis, dem ‚Mia-san-mia‘. Insofern bin ich wirklich gespannt, wie beide Teams am Samstag auftreten werden.“