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Club 19. März 2026

„Es ist noch alles möglich“

Frank Verlaat, Kapitän der VfB-Pokalsieger-Mannschaft von 1997, siedelte nach seinem Karriereende nach Portugal um. Im Interview spricht der Niederländer über seine Karriere nach der Karriere, die Erinnerungen an seine VfB-Zeit in Stuttgart und das Rückspiel in Porto.

Hallo Frank, wenn der VfB am Donnerstagabend beim FC Porto antritt, bedeutet das für dich so etwas wie ein Heimspiel. Du lebst seit einigen Jahren in Portugal, genauer gesagt an der Algarve. Wie kam es dazu?

Frank Verlaat: „Ich habe die Algarve früher nur sportlich kennengelernt, weil ich mit verschiedenen Mannschaften im Trainingslager dort war. Einen richtigen Eindruck bekommt man da aber nicht. Dass ich nach der Karriere einmal dort landen würde, hätte ich nie gedacht. Es kam tatsächlich durch meine Eltern zustande. Die waren zwei‑, dreimal im Jahr an der Algarve, aber eher in Richtung der spanischen Grenze, wo es flacher ist und sie gut spazieren oder Rad fahren konnten. Wir haben sie oft besucht, und irgendwann hat das alles gepasst: Klima, Ruhe, entspanntes Leben. Für die Kinder war wichtig, dass es eine deutsche Schule gab. So konnten sie nach der Zeit in Österreich problemlos weitermachen. Das hat vieles erleichtert.“

In welche berufliche Richtung hast du dich nach dem Ende deiner Karriere entwickelt?

Frank Verlaat: „Ich war einmal kurz Assistenztrainer in der Jugendmannschaft meines Sohnes. Das hat Spaß gemacht, aber es war nie etwas für lange Zeit. Letztlich bin ich bei Sportversicherungen für Profis gelandet, wo wir hauptsächlich Fußballer, aber auch Handballer, Basketballer oder Eishockeyspieler betreuen. Das mache ich seit den späten 2000er-Jahren und habe weiterhin Spaß dran. Dafür bin ich auch regelmäßig in Deutschland unterwegs und verbinde das manchmal mit Spielen oder Treffen mit alten Bekannten. Das passt ganz gut.“

Bei deinen Aufenthalten in Deutschland und speziell in Stuttgart kommst du sicher auch häufig mit Fans ins Gespräch. Woran erinnern sie sich am liebsten, wenn sie mit dir an deine aktive Zeit zurückdenken?

Frank Verlaat: „Das ist ganz unterschiedlich. Jeder Fan hat andere Höhepunkte, egal ob es ein bestimmtes Tor oder ein bestimmtes Spiel ist. Manchmal sind es auch ganz persönliche Erinnerungen, weil Freunde oder Familie des Fans aus einer anderen Stadt kommen. Man wird oft an einzelne Spiele erinnert. Meistens positiv und manchmal auch negativ, aber das hält sich in Grenzen. Der DFB-Pokalsieg mit dem VfB kommt aber sehr oft zur Sprache.“

Welche sind deine eigenen stärksten Erinnerungen an deine vier Jahre in Bad Cannstatt?

Frank Verlaat: „Der DFB‑Pokalgewinn ist natürlich ein Höhepunkt, weil er etwas Greifbares ist. Aber es gibt auch Spiele, die besonders waren, ohne dass man einen Titel gewinnt. Zum Beispiel das 1:1 gegen den FC Bayern im Heimspiel im Dezember 1996, wobei mir in der 80. Minute der Ausgleichstreffer gelang. Die Stimmung im Stadion war elektrisierend und wir sind über unsere Grenzen gegangen. Da hat jeder alles gegeben. Und natürlich ist auch das UEFA-Cup‑Rückspiel gegen Feyenoord in Erinnerung geblieben: Das Hinspiel haben wir zuhause mit 1:3 verloren, dann in Rotterdam mit 3:0 gewonnen und sind weitergekommen. Solche Spiele bleiben hängen. Ansonsten habe ich Gerhard Meyer-Vorfelder als ganz besonderen Wegbegleiter im Gedächtnis behalten. Er war nah an der Mannschaft, hat für den Verein gelebt, sich vor uns gestellt, aber auch immer Klartext gesprochen.“

Da du die legendäre Aufholjagd in Rotterdam ansprichst: Wie schätzt du die Chance des VfB nach der knappen Niederlage gegen den FC Porto im Hinspiel ein?

Frank Verlaat: „Es ist noch alles möglich. Der VfB hat im Hinspiel nicht über 90 Minuten auf seinem normalen Level gespielt, aber wenn sie ihr Spiel diesmal durchbringen, ist absolut nichts verloren. Ich schätze den VfB spielerisch stark ein und sehe mir die intensive Spielweise gerne an. Die Jungs haben viele Spieler unter sich, die Tore erzielen können. Das kann ein Vorteil sein. Was den FC Porto angeht, ist auffällig, dass sie ihre Spiele oft knapp gewinnen. Sie haben viele kleine, technisch starke Spieler, aber weniger echte Strafraumstürmer wie früher mit Hulk oder Falcao.“

Wie schätzt du die portugiesische Liga insgesamt ein?

Frank Verlaat: „Seit vielen Jahren gibt es die drei Großen: Benfica und Sporting in Lissabon sowie den FC Porto. Hin und wieder mischt auch mal der SC Braga mit. Die Top-Klubs stehen in der Liga meist eng beisammen und es entscheidet sich erst spät, wer Meister wird. Gegen die kleineren Teams der Liga ist es allerdings schwerer, als viele vielleicht denken: Die kleinen Stadien und körperlich starken Spieler, vor allem viele technisch versierte und robuste Brasilianer, die in Portugal aufgrund der gemeinsamen Sprache häufig ihre ersten Schritte im europäischen Fußball gehen, sollten nie unterschätzt werden.“

Was erhoffst du dir vom Spiel am Donnerstagabend, bei dem du dem VfB zusammen mit Cacau und Fernando Meira auf der Tribüne die Daumen drücken wirst?

Frank Verlaat: „Ich denke, dass es ein spannendes und intensives Spiel wird. Der VfB will und kann Fußball spielen. Porto entscheidet, ob sie sich zurückziehen und auf Konter spielen oder früh Druck machen. Aber ich glaube nicht, dass es ein Spiel wird, bei dem man sich während der Halbzeit lieber ein Bier holt (lacht).“