Für Deniz Undav beginnt ein weiteres Kapitel beim VfB. Seit dieser Saison fungiert er als Mannschaftskapitän der Jungs aus Cannstatt. Seine Identifikation mit dem VfB ist groß – vor etwas mehr als zwei Monaten haben der Club aus Cannstatt und er den gemeinsamen Vertrag vorzeitig bis 2029, inklusive einer Option für ein weiteres Vertragsjahr, verlängert. Zu den bisher 119 Pflichtspielen im Trikot mit dem roten Brustring, in denen ihm 57 Tore und 32 Vorlagen gelangen, werden definitiv weitere hinzukommen. Am besten schon am Freitagabend, 4. September 2026: Um 20.30 Uhr, live bei Sky sowie im VfB Radio und im VfB Liveticker, empfängt der VfB den 1. FC Köln in der heimischen MHP Arena.
Hallo Deniz, seit dieser Saison bist du der Mannschaftskapitän des VfB. Was bedeutet dir das?
Deniz: „Stuttgart und der VfB sind für mich und meine Familie zu einer zweiten Heimat geworden. Kapitän dieses traditionsreichen Clubs mit seinen außergewöhnlichen Fans zu sein, ist eine große Ehre. Ich werde die Kapitänsbinde mit Stolz tragen. Und wenn ich es schaffe, es auch nur annähernd so gut zu machen wie ‚Ata‘ (Atakan Karazor, Anm. d. Red.) all die Jahre, dann habe ich wahrscheinlich vieles richtig gemacht.“
Gemeinsam ist es euer Ziel, erneut eine erfolgreiche Serie zu spielen. Was erwartest du von der bevorstehenden Saison?
Deniz: „Es wird eine intensive Saison mit vielen Spielen werden. Wir brauchen ein richtig gutes Niveau und eine gute Verfassung. Daher haben wir in der Vorbereitung hart gearbeitet. Wir müssen uns weiterhin gegenseitig ‚pushen‘ und unterstützen, das macht jeden Einzelnen und somit auch die Mannschaft besser. In den vergangenen Jahren haben wir wichtige Schritte gemacht und zusammen Erfolg gehabt, jetzt sind einige Zugänge und Impulse hinzugekommen, die uns guttun. In unserer Mannschaft steckt eine passende Mischung aus erfahrenen und jüngeren Spielern. Ich habe viel Bock auf die neue Runde.“
In der Bundesliga folgen nach dem Eröffnungsspiel beim FC Bayern nun die Vergleiche mit Köln, Hoffenheim und Dortmund. Wie bewertest du das Auftaktprogramm?
Deniz: „Das ist ein anspruchsvolles Auftaktprogramm – zugleich sind es reizvolle Spiele, auf die ich mich freue. Bei unserem ersten Heimspiel gegen Köln werden die Fans bestimmt für eine grandiose Stimmung sorgen, noch dazu ist es unter Flutlicht. Hoffenheim und Dortmund sind Teams, die ebenfalls die internationalen Plätze im Blick haben. Sie haben sich in der Sommerpause personell verstärkt. Für uns gilt von Beginn an: Genießen, auf dem Rasen alles geben und erfolgreich sein.“
Lass uns ein wenig über dich sprechen: Du hast noch vor Beginn der Weltmeisterschaft 2026 deinen Vertrag beim VfB verlängert und damit ein klares Zeichen gesetzt. Wie kam es dazu?
Deniz: „Die vorzeitige Vertragsverlängerung bedeutet mir extrem viel. Vom ersten Tag an haben die Menschen beim VfB mich und meine Familie mit offenen Armen empfangen und uns Liebe geschenkt. Deshalb bedeutet es mir so viel, ihnen durch meine Tore und Leistungen immer wieder auch etwas zurückzugeben. Ich bin stolz, ein Teil dieser Mannschaft und dieses Vereins zu sein. Daher bin ich sehr glücklich, dass mein Weg in Stuttgart weitergeht.“
Dein Weg als Fußballer hat dich von der vierten Spielklasse – Regionalliga mit dem TSV Havelse – bis in die UEFA Champions League und zum Nationalspieler geführt. Was hast du aus der Anfangszeit im Erwachsenenfußball behalten?
Deniz: „Ich gehöre immer noch zu den Spielern, die oft Witze machen. Ich kümmere mich um die Stimmung in meiner Mannschaft, das wird sich nie ändern. Natürlich bin ich in all den Jahren gereift und habe Erfahrungen hinzugewonnen. Ich versuche zum Beispiel, den jüngeren Spielern zu helfen. Mir tat es am Anfang meiner Karriere ebenfalls gut, Tipps und Orientierung zu bekommen.“
An welche Tipps erinnerst du dich?
Deniz: „Bei dem TSV Havelse gab es einen Verteidiger namens Deniz Tayar. Er war zwölf Jahre älter als ich. Er hat mir gezeigt, wie ich den Körper im Zweikampf einsetzen muss, um an meinem Gegenspieler vorbeizukommen. Er hat mir gesagt, dass ich im Strafraum, falls möglich, immer flach ins Toreck schießen soll, weil der Torwart mit seiner Hand nicht so schnell ins untere wie ins obere Eck kommt.“
VfB-Torjäger Deniz Undav:
Es gibt keine hässlichen Tore.
Und, hat er damit Recht?
Deniz: „Ich finde schon, dass da etwas Wichtiges dran ist. Ich sage mir oft: ‚Versuch nichts Ausgefallenes beim Torschuss.‘ Es geht einfach darum, in der jeweiligen Situation die beste Option zu wählen, um den Ball ins Tor zu kriegen oder für den Mitspieler aufzulegen. Es gibt keine hässlichen Tore.“
Du bist bekannt als mitspielender Stürmer, der gewisse Situationen durch seinen Instinkt antizipiert. Wie intensiv analysierst du einzelne Spielszenen oder Gegner?
Deniz: „Das ist ein Aspekt, der mich sehr interessiert. Ich liebe Fußball und den Kern des Spiels. In den Videoanalysen beim VfB sprechen wir gemeinsam über einzelne Inhalte, die für unser Spiel oder mit Blick auf den nächsten Gegner wichtig sind. Es kommt vor, dass ich mir danach zuhause nochmal meine Gedanken mache und auch das eine oder andere aufzeichne. Ich zeige dann Sebastian Hoeneß und dem Trainerteam am nächsten Tag meine Idee, wie ich die Spielsituation auflösen würde. Manchmal sagt er: ‚Ja, kann man mal probieren.‘ Oder er sagt: ‚Wenn wir das so machen, wie du denkst, dann macht der Gegner aber das …‘ – und ich sage: ‚Oh. Stimmt.‘ Diesen Austausch finde ich wichtig.“
Das hört sich fast so an, als wäre nach deiner Profikarriere eine Aufgabe als Trainer nicht ausgeschlossen.
Deniz: „In letzter Zeit denke ich: eher Co-Trainer (lacht). Da liegt der Fokus nahezu komplett auf dem Fußball und der Arbeit mit dem Team, den Spielern, den Menschen. Ich habe Respekt davor, was Cheftrainer drumherum alles managen müssen – neben der eigentlichen Arbeit mit der Mannschaft.“
Bei der Weltmeisterschaft 2026 war das Interesse an deiner Person groß, was auch mit deinen drei Toren im Turnier zusammenhing. Wie gehst du damit um?
Deniz: „Mitunter war ein gewisser ‚Hype‘ rund um meine Person zu spüren, das habe ich mitbekommen. Generell nehme ich wahr, dass das Interesse durch die WM nochmals zugenommen hat, aber ich empfinde das als etwas Positives. Es ist schön, wenn sich Menschen mit mir identifizieren können. Beim VfB erfahren wir generell eine große Unterstützung der Fans – und es ist ein gutes Gefühl, den Menschen durch ein Autogramm oder ein Selfie eine Freude machen zu können.“
Wann hat bei dir im Urlaub das Gefühl eingesetzt, dass du den Fußball vermisst?
Deniz: „Erst einmal ging es darum, das WM-Aus zu verarbeiten. Zunächst wollte ich es ein bisschen verdrängen, aber meine Familie und Freunde hat das natürlich genauso beschäftigt und wir haben automatisch viel darüber gesprochen. Im Urlaub mit meiner Frau und meiner Tochter habe ich den nötigen Abstand gewonnen und die Dinge reflektiert. Danach kam schnell das Gefühl, dass ich endlich wieder den Ball am Fuß haben und mit den Jungs auf dem Platz stehen möchte. Als ich mit Beginn des Trainingslagers wieder zur Mannschaft stieß, tat das richtig gut.“
Viel Zuspruch wird deine Teamkollegen und dich beim ersten Heimspiel der Saison 2026/2027 erwarten. Unser Gast, der 1. FC Köln, gewann am ersten Spieltag mit 3:2 gegen die TSG Hoffenheim. Was erwartest du für eine Begegnung?
Deniz: „Die Fans werden für eine enorme Energie in der MHP Arena sorgen. Das gibt uns zusätzliche Power und ist für die Aufgabe gegen Köln umso wichtiger. Auf dem Rasen muss es uns gelingen, von Beginn an hellwach zu sein und zu zeigen, dass wir das Heimspiel unbedingt auf unsere Seite ziehen wollen.“
STADION AKTUELL | Bundesliga 2026/2027 | 2. Spieltag
Wer in den 48 Seiten des Stadionmagazins blättern und sich damit optimal auf das Heimspiel am Freitag, 4. September 2026, 20.30 Uhr, gegen den 1. FC Köln einstimmen möchte, kann ab sofort das E-Paper kostenfrei lesen oder sich die STADION AKTUELL in der VfB-Magazine-App anschauen. Wie immer liegt die gedruckte Version der STADION AKTUELL am Spieltag im Umgriff der MHP Arena aus.
Die Themen sind:
Jetzt lesen! Hier geht's zur gesamten Ausgabe der STADION AKTUELL
Übrigens: Für die VfB-Magazine „STADION AKTUELL“ und „dunkelrot“ steht eine eigene App namens „VfB-Magazine“ im App Store sowie im Google Play Store zum Download bereit. Jetzt herunterladen und gleich loslesen.