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Legends 3. September 2026

„Will meine Erfahrungen an die Jugend weitergeben“

Vom Durchbruch in Köln über die zweite Profistation in Stuttgart bis hin zur Karriere nach der Karriere: Vor dem Duell zwischen dem VfB und dem FC blickt Pablo Thiam auf seine beiden ehemaligen Clubs.

Für den 1. FC Köln absolvierte er 99 Profispiele, für den VfB lief er sogar 118-mal auf. Pablo Thiam kennt die beiden Clubs, die am Freitagabend um 20.30 Uhr den zweiten Bundesliga-Spieltag eröffnen, bestens. Noch immer verfolgt der heutige Direktor des Nachwuchsleistungszentrums des VfL Bochum ihren Weg. Im Interview lässt er seine Anfänge im Profifußball Revue passieren, gibt Einblicke in seine Arbeit mit Talenten und bewertet die Entwicklung des VfB und der Kölner.

Hallo, Pablo. Vor mittlerweile 32 Jahren begann deine Bundesliga-Karriere in der Profimannschaft des 1. FC Köln. Während deiner langen Bundesliga-Karriere bist du auch beim VfB gelandet. Welche Bedeutung haben die beiden Stationen Köln und Stuttgart aus heutiger Sicht für deine Karriere gehabt? 

Pablo Thiam: „In Köln habe ich zu Beginn häufig in der zweiten Mannschaft gespielt, aber 1994 mit 20 Jahren meinen Durchbruch geschafft. Es war etwas Besonderes, dort für die Profis zu spielen, wo man die Jahre zuvor noch zu Fuß zum Training gelaufen ist. Das war ein langer Weg. Nach dem Abstieg 1998 wusste ich zunächst nicht, ob es in Köln weitergeht. Als schließlich der Anruf vom VfB kam, wurden wir uns schnell einig. Der VfB war damals ein anderes Kaliber und hatte eine großartige Mannschaft mit Spielern wie Krassimir Balakov, Fredi Bobic und Frank Verlaat.“

Wie ging es weiter?

Pablo Thiam: „Ich wurde damals zunächst als Ergänzungsspieler in eine bereits funktionierende Mannschaft geholt. Insofern war es für mich eine Ehre, dazuzukommen. Ich habe mich dann schnell etabliert und wurde nach kurzer Zeit Stammspieler. Alles in allem habe ich mich unheimlich wohl gefühlt, auch wenn die Zeiten nicht immer einfach waren. Wir hatten große Ambitionen, die wir nicht immer erfüllen konnten. Aber man hat auch damals schon gemerkt, was der Verein für eine Bedeutung in der Region hat. Ich persönlich konnte mich in Stuttgart sportlich sowie persönlich unheimlich weiterentwickeln und habe eine tolle Erinnerung an diese Zeit.“

Heute bist du als Direktor des Nachwuchsleistungszentrums beim VfL Bochum tätig. Du hast ja auch schon die Akademien in Wolfsburg und bei Hertha geleitet. Was macht den Job als NLZ-Direktor für dich so besonders? 

Pablo Thiam: „Es macht mir auch nach all den Jahren noch großen Spaß, im Jugendbereich zu arbeiten, weil ich dort meine Erfahrungen perfekt einbringen kann – nicht nur die als Nachwuchsleiter, sondern auch die als ambitionierter Jugendspieler, der selbst große Träume hatte, bei dem aber nicht immer alles glattlief. Meine Karriere war nicht vorgezeichnet, ich musste mir sehr viel erarbeiten und Entscheidungen treffen, die mich geprägt haben. Genau diese Erfahrungen sind es, die wir an die Jugend weitergeben wollen. Als zugezogener Afrikaner, der den Sprung in den Profifußball geschafft hat, aber sich auch voll integriert hat, kann ich eine Identifikationsfigur und ein Vorbild für viele junge Leute in der heutigen Zeit sein. Ich versuche mich einzubringen und aufzuzeigen, dass vieles möglich ist.” 

Welche Rolle spielt es für dich, den oftmals noch Jugendlichen, die sich fragen, ob sie wirklich den Sprung zu den Profis schaffen oder wie es weitergeht, wenn es nicht klappen sollte, menschlich etwas mitzugeben? 

Pablo Thiam: „Es ist das A und O für mich, weil wir wissen, dass nur ein kleiner Prozentsatz Profi wird. Alle sind bemüht, aber es platzen sehr, sehr viele Träume. Und da ist es für mich wichtig, dass man den Jungs aufzeigt, dass sie nicht nur Fußballer sind. Viele fallen in ein Loch und verlieren quasi ihre Identität, weil das, was ihr Leben für sie ausgezeichnet hat, das Fußballspielen, nicht mehr funktioniert. Dabei haben sie auch andere Dinge in sich, die später von Wert sein können. Für mich als NLZ-Leiter ist es wichtig, die Balance zwischen Leistung und Menschlichkeit zu halten.” 

Kommen wir zum Spiel am Freitagabend, in dem mit dem VfB und dem 1. FC Köln zwei deiner ehemaligen Clubs aufeinandertreffen. Wie beurteilst du die aktuelle Entwicklung des VfB, aber auch vom 1. FC Köln? 

Pablo Thiam: „Der VfB hat es geschafft, in den vergangenen Jahren eine Führung aufzubauen, die leistungsorientiert arbeitet, aber auch eine Ruhe ausstrahlt und eine gemeinsame Basis gefunden hat. Dieses Zusammenspiel tut dem Verein sehr, sehr gut. Ich freue mich, dass Kollegen in diesen turbulenten Zeiten besonnen und pragmatisch an Themen herangehen. Diese Ruhe und Zuverlässigkeit, die sie an den Tag legen, außerhalb des Platzes, aber auch auf dem Platz, hat dazu geführt, dass der Verein nach einigen turbulenten Jahren sportlich so gut dasteht. Wenn sie es schaffen, diese Kontinuität weiterzuführen, bin ich mir sicher, dass der VfB auch in den nächsten Jahren Erfolg haben wird. Der FC wiederum kommt gerade wieder in ruhigere Fahrwasser, wenngleich der VfB noch ein paar Jahre Vorsprung hat. Aber ich glaube, dass der FC mit dem Potenzial, das im Verein steckt, wieder an erfolgreichere Zeiten anknüpfen kann.” 

Der FC ist mit einem Sieg gegen Hoffenheim gestartet, der VfB mit einer Niederlage in München. Was erwartest du für ein Spiel am Freitagabend? 

Pablo Thiam: „Es wird ein hochinteressantes Spiel, weil die Kölner, vor allem mit Spielern wie Said El Mala, den Weg nach vorn suchen werden. Sie wollen ihren Start mit einem Sieg vergolden, aber der VfB ist eine bärenstarke Truppe und zu Hause mit den Fans im Rücken immer in der Lage, jeden Gegner vor Probleme zu stellen. Der FC hat zwar das erste Spiel gewonnen, aber ist noch nicht so sattelfest. Sie müssen sich erst einmal finden und werden es schwer haben, wenn der VfB ans Limit geht. Ich sehe den VfB als reifere Mannschaft, erwarte aber dennoch ein knappes Ergebnis.”

Pablo Thiam (*3. Januar 1974) wurde in der guineischen Hauptstadt Conakry geboren und kam bereits in jungen Jahren nach Deutschland. Mit 16 Jahren wechselte er in die Jugend des 1. FC Köln, wo 1994 seine Profikarriere anlief. 2008 beendete er nach Stationen beim VfB, dem FC Bayern und dem VfL Wolfsburg seine aktive Karriere. Bei den Niedersachen übernahm der heute 52-Jährige verschiedene Positionen im Management, zuletzt als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums (2018 bis 2021). In selber Position war er von 2021 bis 2023 bei Hertha BSC tätig. Auch beim VfL Bochum (seit 2025) bekleidet er das Amt des NLZ-Leiters.