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Legends 6. November 2026

„Der Kontakt nach Stuttgart besteht weiterhin“

214 Pflichtspiele für den VfB, 48 für Werder Bremen: Obwohl das Ende seiner Profilaufbahn bereits sechs Jahre zurückliegt, denkt Martin Harnik auch mit 39 noch nicht ans Aufhören.

Hallo Martin, du hast deine Profikarriere im Sommer 2020 beendet, spielst mit deinen mittlerweile 39 Jahren aber weiterhin in der Oberliga Hamburg. Hast du schon einen konkreten Plan, wann du aufhören möchtest, oder lässt du das auf dich zukommen, solange es noch so gut läuft?

Martin Harnik: „Das hat eigentlich weniger damit zu tun, wie gut es läuft, sondern damit, dass ich noch total dafür brenne. Ich kann dem Fußball noch nicht den Rücken kehren. Es macht mir nach wie vor sehr viel Spaß, auf dem Platz zu stehen, mit den Teamkollegen zu fighten, Gas zu geben und natürlich auch gemeinsam Spaß zu haben. Solange mich das so erfüllt, denke ich nicht ans Aufhören.“

Bei deinem vorherigen Verein in Dassendorf hast du zuletzt als Spielertrainer gearbeitet. War das eher eine aus der Not geborene Lösung oder für dich ein erster Schritt in diese Richtung? Kannst du dir vorstellen, künftig als Trainer zu arbeiten?

Martin Harnik: „Es war eine Interimslösung und insofern ein Stück weit aus der Not heraus geboren. Ich habe das Amt als Spielertrainer im Winter übernommen, und es war eine richtig gute Erfahrung. Vor vielen Jahren konnte ich mir das Trainerdasein noch nicht vorstellen. In diesem halben Jahr habe ich aber gemerkt, wie viel Spaß es mir machen kann. Wir hatten außerdem eine sehr erfolgreiche Zeit, was natürlich ebenfalls dazugehört. Ich bin seit mehreren Spielzeiten auch in der Icon League als Spielertrainer beziehungsweise inzwischen mehr als Trainer unterwegs. Es macht mir Spaß, mit den Jungs zu arbeiten, mir Gedanken zu machen, sie an ihre Grenzen zu bringen und ihr Potenzial herauszuholen. Am Ende ist es auch der Fußball, aber vor allem die Arbeit mit Menschen, die mir viel gibt. Ich würde daher auf keinen Fall ausschließen, später noch einmal den Trainerweg einzuschlagen. An den Profifußball oder eine hauptberufliche Trainerkarriere denke ich dabei derzeit allerdings überhaupt nicht.“

Bist du bei deinem neuen Verein ausschließlich als Spieler aktiv oder bereits in die Trainerarbeit eingebunden?

Martin Harnik: „Aus der Trainerarbeit halte ich mich dort heraus. Aktuell bin ich leider körperlich verhindert, vielleicht kommt das auch mit dem Alter. Ich habe eine Achillessehnenreizung. Man wird wirklich nicht jünger, und die Belastung lässt sich nicht mehr so leicht wegstecken wie vor zehn Jahren. Deshalb habe ich weniger gespielt, als ich eigentlich wollte. Mittlerweile habe ich aber die Geduld, zu sagen: Es ist Gott sei Dank nur noch Amateurfußball.“

Kommen wir zum nächsten Gegner des VfB. Mit Bremens Stürmer Niclas Füllkrug, der derzeit einen herausragenden Lauf hat und an der Spitze der Torjägerliste thront, hast du unter anderem in Hannover und Bremen zusammengespielt. Hattet ihr in den vergangenen Wochen mal Kontakt?

Martin Harnik: „‚Fülle‘ und ich haben uns während unserer aktiven Zeit wirklich sehr gut verstanden, und das ist weiterhin der Fall. Witzigerweise habe ich ihm erst vergangene Woche zu seinem derzeitigen Lauf gratuliert. Ich habe ihm kurz geschrieben, dass ich mich für ihn freue. Ich kenne es selbst ein bisschen: Wenn es gerade so gut funktioniert wie bei ihm, kommt plötzlich jeder um die Ecke. Ich wollte ihm deshalb einfach ein paar nette Worte hinterlassen. Ansonsten ist der Kontakt eher sporadisch. Wir haben einige gemeinsame Interessen und deshalb immer mal wieder miteinander zu tun. Wenn man im Fußball getrennte Wege geht und jeder sein eigenes Leben hat, ist es wie überall schwierig, den Kontakt ständig aufrechtzuerhalten. ‚Fülle‘ ist aber auf jeden Fall einer der Menschen aus meiner aktiven Zeit, die ich immer gerne wiedersehe.“

Gibt es auch in Stuttgart noch alte Weggefährten aus deiner Zeit beim VfB, mit denen du regelmäßig Kontakt hast?

Martin Harnik: „Natürlich, allen voran Christian Gentner, der beim VfB einen großartigen Job macht. Als der VfB zuletzt in Hamburg gespielt hat, hatte er sich bei mir gemeldet und gefragt, ob wir uns spontan treffen. Das haben wir leider nicht hinbekommen, im vergangenen Jahr hat es aber geklappt. Der Kontakt ist immer wieder da. In Stuttgart war ich mit sechs Jahren am längsten. Wir haben dort noch Freunde von früher, mit denen weiterhin Kontakt besteht. Beim DFB-Pokalfinale war ich als Experte vor Ort. Wenn ich dort Menschen wie Meuschi, Holger Laser, Busfahrer Jürgen Dispan oder Tobias Herwerth aus der Medienabteilung treffe, freue ich mich immer sehr. Wir haben gemeinsam großartige Zeiten und tolle Dinge erlebt. Es spricht auch für einen Verein, wenn so viele Menschen über einen derart langen Zeitraum dort tätig sind oder sogar schon vor meiner Zeit da waren.“

Niclas Füllkrug ist nach schwierigen Jahren zu Werder Bremen und damit in ein vertrautes Umfeld zurückgekehrt. Wie wichtig kann es für einen Stürmer sein, nach einer schwierigen Phase zu einem Verein zurückzukommen, bei dem er sich wohlfühlt?

Martin Harnik: „In allererster Linie liegt es an ‚Fülle‘ selbst, dass er gerade so gut performt. Wie er seine Tore erzielt und sich durchsetzt, ist aktuell allerhöchste Qualität. Das muss man klar sagen. Er befindet sich momentan in absoluter Topform. Man sieht häufig, dass ein Spieler bei einem Verein nicht funktioniert und bei einem anderen plötzlich explodiert. Ich habe selbst erlebt, dass es bei manchen Vereinen unglaublich gut lief, während es bei anderen Stationen nicht zu hundert Prozent gepasst hat. Als Fußballer benötigt man zunächst ein Umfeld, in dem sich auch die Familie wohlfühlt und eine gewisse Ruhe herrscht. Außerdem braucht man das Vertrauen innerhalb des Vereins. Wenn man das spürt, hat man mehr Mut, Dinge auszuprobieren, die zum Erfolg führen können, und weniger Angst vor Fehlern.“

Was für ein Spiel erwartest du zwischen dem VfB und Werder Bremen?

Martin Harnik: „Grundsätzlich erwarte ich eine ausgeglichene und offene Partie. Vor der Saison hätte man wahrscheinlich von einer klaren Angelegenheit für den VfB gesprochen. Werder Bremen hingegen ist in den vergangenen Spielzeiten eher von Klassenverbleib zu Klassenverbleib gestolpert und hatte auch vor dieser Saison schwierige Voraussetzungen. Inzwischen hat sich das Momentum gedreht. Der VfB tut sich in der Bundesliga schwer, ist dafür aber in der Champions League sehr gut unterwegs und zeigt starke Leistungen. Man hat in dieser Saison bereits gesehen, dass die Mannschaft gut genug ist. In der Bundesliga gelingt es derzeit aber noch nicht, dieses Potenzial regelmäßig abzurufen. Werder schafft das momentan. Deshalb erwarte ich ein sehr ausgeglichenes Spiel. Aus Sicht des VfB kann ich mir aber vorstellen, dass dieser Gegner gerade gelegener kommt als beispielsweise Mönchengladbach, gegen das man klarer Favorit war und alle gesagt haben: Das ist genau der Gegner, gegen den wir gewinnen müssen. Gegen Werder werden die Sinne noch einmal geschärfter sein, weil Bremen momentan vielleicht sowas wie die Mannschaft der Stunde ist.“

STADION AKTUELL | Bundesliga 2026/2027 | 9. Spieltag

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Die Themen sind unter anderem:

  • Stiftungsspieltag: Aktivitäten der VfB-Stiftung
  • Leben retten: Blutspende-Termine in der Region
  • Zu Gast: Werder Bremen
  • Legende: Interview mit Martin Harnik
  • Historie: 50 Jahre STADION AKTUELL
  • VfB-Frauen: Interview mit Verena Wieder

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