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Verein 2. August 2026

„Alles geben, alles raushauen“

Leo Neugebauer blickt mit Vorfreude und Zuversicht auf die Leichtathletik-EM in Birmingham. Er ist mit seiner Form zufrieden und spürt den Rückhalt der VfB-Familie.

Der Saison-Höhepunkt rückt immer näher. Vom 10. bis 16. August 2026 finden in Birmingham die Leichtathletik-Europameisterschaften statt. Vom VfB wird unter anderem Leo Neugebauer in der zweitgrößten britischen Stadt antreten und für Deutschland auf Medaillenjagd gehen. Der Zehnkämpfer, der seit 2023 für den Verein mit dem roten Brustring startet, reist als amtierender Weltmeister zur EM. Im Interview spricht er über seine Vorbereitung, den Umgang mit Druck – und die jüngsten Leistungen der Fußballerinnen und Fußballer des VfB.

Hallo Leo, du trainierst und lebst grundsätzlich viel in den USA. Das Land war zuletzt einer der Gastgeber für die Fußball-Weltmeisterschaft. Wie hast du die Euphorie und die Stimmung in den USA rund um „Soccer“ wahrgenommen?

Leo Neugebauer: „Fußball ist in den USA vergleichsweise ‚neu‘ – die großen, traditionellen Sportarten in Amerika waren schon immer Basketball und Football. Doch das Fußballfieber hat zugenommen, was natürlich auch eng mit der WM zusammenhängt. Während des Turniers fanden beispielsweise viele ‚Public Viewing‘-Events statt, da war richtig viel los. Das Interesse am Fußball wächst.“

Bei deinem Verein, dem VfB, haben sowohl die Profis als auch die Frauen die Vorbereitung auf die neue Bundesliga-Saison aufgenommen. Inwiefern verfolgst du die Spiele des Clubs aus Cannstatt?

Leo Neugebauer: „Ich verfolge sie natürlich so gut es geht. Ich bin sozusagen schon mein ganzes Leben lang Stuttgarter, da gehört das für mich einfach dazu. Zuletzt war es besonders schön, so viele Erfolgserlebnisse mit dem Club feiern zu können. Die Champions League erreicht, zweimal in Serie im DFB-Pokalfinale gespielt, dann noch der Aufstieg der Frauen – das ist schon eine außergewöhnliche Zeit, die wir momentan erleben dürfen.“

Zehnkampf-Athlet Leo Neugebauer:

Ich fühle mich im Moment sehr gut.

Du selbst bist bereits mitten in der Zehnkampf-Saison. Im Mai 2026 hast du in Götzis eine Saisonbestleistung aufgestellt, im Juni 2026 hast du diese in Ratingen nahezu bestätigt. Erzähl uns mal, wie du deine aktuelle Verfassung bewertest.

Leo Neugebauer: „Ich fühle mich im Moment sehr gut. Selten zuvor habe ich zwei Zehnkämpfe in solch engem zeitlichen Abstand absolviert – dass beide so erfolgreich liefen, ist definitiv ein sehr gutes Zeichen für mich. Danach lag etwas mehr Fokus auf der Erholung, der sogenannten ‚Recovery‘. Nun nehmen wieder andere Trainingsthemen mehr Raum ein. Ich liege im Plan.“

Wie hast Du das bisherige Jahr generell aus Trainingssicht aufgebaut, um pünktlich zur Leichtathletik-EM in Top-Form zu sein?

Leo Neugebauer: „Grundsätzlich gliedert sich mein Trainingsplan in unterschiedliche Phasen. Nach absolvierten Zehnkämpfen ist es ganz wichtig, den Körper vollständig erholen zu lassen – das kann ruhig auch mal ein, zwei Wochen andauern. Lockeres Laufen, Schwimmen, Stretching, auch Physiotherapie – all das ist in dieser Phase wichtig und tut mir gut. Danach werden Umfänge und Intensität wieder gesteigert, es geht wieder ans normale Training, um die Form zu halten und auszubauen sowie an einzelnen Themen zu arbeiten.“

Die Leichtathletik-EM im August 2026 ist der Saison-Höhepunkt. Was nimmst du dir im britischen Birmingham vor?

Leo Neugebauer: „Das erste Ziel lautet: alles geben, alles raushauen! Danach werde ich sehen, wofür das reicht. In meiner aktuellen Verfassung traue ich mir einiges zu und habe viel Bock auf die EM. Ich möchte einfach einen richtig starken Wettkampf abliefern und sehr gute Leistungen zeigen.“

Inwiefern spürst du nach Olympiasilber 2024 und WM-Gold 2025 einen gestiegenen Erwartungsdruck – sei es von außen oder auch von dir an dich selbst?

Leo Neugebauer: „In den vergangenen Jahren habe ich gelernt, immer besser damit umzugehen und mich in dieser Hinsicht weiterentwickelt. Inzwischen kann ich behaupten, dass ich den Druck gut ausblenden und mich total auf das Hier und Jetzt fokussieren kann. Speziell war die Erfahrung rund um Olympia 2024: Da war der Druck riesig. Dass ich dort mit der Silbermedaille herausging, hat mich gestärkt.“

Bringt ein solcher Erfolg auch eine gewisse Lockerheit?

Leo Neugebauer: „Ja, das lässt sich durchaus so sagen. Es entsteht das Gefühl, eine gewisse Schwelle, eine gewisse Hürde geknackt und erreicht zu haben. Danach weiß man, dass ein solcher Erfolg zwar extrem schwer, aber dennoch im Bereich des Möglichen ist. Grundsätzlich versuche ich stets, mit Spaß und Freude an Wettkämpfe heranzugehen, das gibt mir eine gewisse Lockerheit.“

Weltmeister Leo Neugebauer:

Ich bin der Meinung, dass sich aus nahezu allen Sportarten etwas abschauen und nutzen lässt.

Inwiefern tauschst du dich mit Siebenkämpferin Sandrina Sprengel aus, die ebenso für den VfB startet und bei den Frauen zur erweiterten Weltspitze gehört?

Leo Neugebauer: „Ich finde es richtig cool, dass der VfB zwei Athleten im Mehrkampf auf diesem Niveau hat. Aus meiner Sicht ist Sandrina eine Top-Athletin – bei ihrer ersten WM hat sie direkt den fünften Platz erreicht, das ist beeindruckend. Zuletzt sind wir Beide in Ratingen gestartet: Da spricht man sich Mut zu, tauscht sich aus und unterstützt sich. Das wird auch bei der EM in Birmingham so sein, da halten wir als VfB-Familie zusammen (lacht).“

Gibt es eigentlich Aspekte, die du dir aus anderen Sportarten abschaust – sei es bewegungstechnisch, mental oder trainingswissenschaftlich?

Leo Neugebauer: „Definitiv. Ich bin der Meinung, dass sich aus nahezu allen Sportarten etwas abschauen und nutzen lässt – schon alleine deswegen, weil es andere Sichtweisen zugänglich macht. Erst vor kurzem traf ich mich mit einem erfolgreichen Triathleten, um ein paar ‚Insights‘ auszutauschen: Wie sieht seine Trainingsgestaltung aus? Wie arbeitet er im mentalen Bereich? Das waren sehr spannende Einblicke für mich.“

Leo Neugebauers größte Erfolge

Neben seinem Zehnkampf-Triumph bei der Weltmeisterschaft 2025 im japanischen Tokio hat Leo Neugebauer auch bei den Olympischen Spielen 2024 im französischen Paris beeindruckende Leistungen gezeigt und die Silbermedaille gewonnen. Er ist damit der erste deutsche Athlet seit Frank Busemann 1996, der eine Olympiamedaille im Zehnkampf für Deutschland holte. Zudem hält er den deutschen Rekord im Zehnkampf mit 8.961 Punkten, aufgestellt im Juni 2024 bei den NCAA-Meisterschaften im amerikanischen Eugene. Darüber hinaus wurde er im Jahr 2025 als Deutschlands „Sportler des Jahres“ ausgezeichnet.

Diese VfB-Athleten starten bei der Leichtathletik-EM 2026 für Deutschland:

  • Leo Neugebauer (Zehnkampf): Wettkampf am 12./13. August 2026
  • Sandrina Sprengel (Siebenkampf): Wettkampf am 14./15. August 2026
  • Nick Thumm (Speerwurf): Qualifikation am 13. August 2026, Finale am 15. August 2026
  • Alina Kenzel (Kugelstoßen): Qualifikation und Finale am 10. August 2026
  • Alina Rotaru-Kottmann (Weitsprung): Qualifikation am 15. August 2026, Finale am 16. August 2026
  • Anjuli Knäsche (Stabhochsprung): Qualifikation am 11. August 2026, Finale am 13. August 2026