Eine Dienstreise durch Europa kann mal kürzer und mal länger sein. Im Fall von Viking Stavanger gilt wohl eher Letzteres. Der Club, im Südwesten Norwegens beheimatet, muss für all seine Auswärtsspiele den skandinavischen Teil Europas verlassen und auf die (weite) Reise gehen. Das gilt auch für den Trip nach Stuttgart.
Die Luftlinie zwischen der Lyse Arena, in der Viking FK gewöhnlich seine Heimspiele austrägt, und der MHP Arena des VfB beträgt circa 1.150 Kilometer. Zum Vergleich: Das ist weiter, als würde eine Person einmal vom nördlichsten zum südlichsten Punkt in Deutschland reisen, was mit exakt 876 Kilometern erledigt wäre. Dass das Team aus Stavanger all diese Reisekilometer gerne auf sich nimmt, steht außer Frage. Die Norweger haben sich zum ersten Mal für die Liga- bzw. Hauptrunde der UEFA Champions League qualifiziert. Zuletzt scheiterten sie 1992/1993 in der ersten Runde am spanischen Spitzenverein FC Barcelona. Für den Club ist allein die Teilnahme ein grandioser Erfolg.
„Alles, wovon wir je geträumt haben“
„Das war überwältigend und alles, wovon wir je geträumt haben“, sagte Viking-Trainer Morten Jensen nach der entscheidenden Playoff-Runde gegen den kroatischen Vertreter Dinamo Zagreb. Im Hinspiel erkämpften die Norweger auswärts nach 0:2-Rückstand noch ein 2:2. Im Rückspiel holte das Team ein 0:1 auf und siegte letztlich 3:1. Wer hatte daran besonderen Anteil? Zlatko Tripic. Der Flügelspieler, der – ausgerechnet – in Kroatien geboren wurde, traf doppelt und ist einer der Antreiber im Offensivspiel von Stavanger. „Es ist absolut verrückt“, sagte der 33-Jährige nach dem Erfolg: „Es war mental extrem anstrengend. Sowohl in Zagreb als auch daheim. Wir hatten einen schweren Start, aber wir wussten, dass wir zurückkommen.“ Zlatko Tripic genießt einen gewissen Kultstatus.
Er steht seit 2021 bei den Norwegern unter Vertrag und hat inzwischen mehr als 220 Pflichtspiele für den Club absolviert. Echten Fußballexperten dürfte der 33-Jährige auch aus Deutschland bekannt sein. Von 2014 bis 2017 spielte er für die SpVgg Greuther Fürth und lief für die „Kleeblätter“ saisonübergreifend 36-mal in der 2. Bundesliga auf. Einen weiteren Fakt sollten sich die VfB-Fans ebenfalls merken, wenn sie über Viking Stavanger sprechen.
Stavanger-Profi Zlatko Tripic:
Wir wussten, dass wir zurückkommen.
Cheftrainer-Duo seit 2021 im Amt
Der Club setzt auf zwei Cheftrainer, die gleichberechtigt das Team führen. Bjarte Lunde Aarsheim und Morten Jensen fungieren als Trainerduo – und das schon seit dem 1. Januar 2021. Die beiden Norweger arbeiteten bereits zuvor eng zusammen und ergänzen sich fachlich sehr gut. Die Verantwortung wird bewusst aufgeteilt, sodass Entscheidungen gemeinsam getroffen werden. Dadurch soll die Qualität der Entscheidungen steigen und die Belastung eines einzelnen Trainers reduziert werden. Viking Stavanger betrachtet das Modell nicht als Übergangslösung, sondern als festen Bestandteil seiner sportlichen Ausrichtung. Der Erfolg gibt dem Verein recht.
Unter dem Trainerduo entwickelte sich Viking zu einer Spitzenmannschaft und gewann 2025 erstmals seit 34 Jahren wieder die norwegische Meisterschaft. Die erfolgreiche Konstellation wird inzwischen als alternatives Führungsmodell im Profifußball wahrgenommen. Und auch das Projekt „Titelverteidigung“ liegt weitestgehend auf Kurs. In der norwegischen Liga, die mit dem Kalenderjahr abschließt, rangiert Stavanger auf dem zweiten Tabellenplatz. Auf Spitzenreiter Bodö/Glimt fehlen derzeit drei Punkte. Bei noch elf ausstehenden Meisterschaftsspielen ist das durchaus aufzuholen.