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Profis 23. Oktober 2026

„Ich habe die nächsten Schritte gemacht“

Mehr als 200 Pflichtspiele im Brustring-Trikot und eine fußballerische Heimat gefunden. Im STADION AKTUELL-Interview erklärt Chris Führich, wie er beim VfB als Spieler und Persönlichkeit gereift ist.

Vom Bolzplatz bis in die Nationalmannschaft. Viele Kinder und Jugendliche träumen davon, für Chris Führich hat sich genau das bewahrheitet. „Das ist ja wie früher in Castrop-Rauxel“, sagt der 28-Jährige, als er die Anlage in der Nähe der Stephanuskirche in Cannstatt sieht: „Bis zur U15, U16 war ich daheim so oft es geht mit meinen Freunden auf dem Bolzplatz und habe einfach nur gekickt.“ Nach seiner Zeit in Nordrhein-Westfalen – unter anderem mit Stationen bei Borussia Dortmund, dem 1. FC Köln und dem SC Paderborn – kam er 2021 in den „wilden Süden“. Seitdem hat Chris Führich eine Entwicklung beim Club aus Cannstatt mitgeprägt. Vor dem Bundesliga-Heimspiel am Freitagabend, 23. Oktober 2026, um 20.30 Uhr, live bei Sky sowie im VfB-Radio und im VfB-Liveticker, gegen Borussia Mönchengladbach spricht er über seine Zeit in Weiß und Rot, die „englischen Wochen“ und die Nationalmannschaft.

Hallo Chris, was verbindest du mit dem 9. Mai 2026?

Chris: „Das ist ein Datum, das noch gar nicht so lange her ist (überlegt). Ich vermute, dass es sich um den Tag meines 200. Spiels für den VfB handelt.“

Das ist korrekt. Inzwischen rangierst du bei 211 Begegnungen im Brustring-Trikot. Was bedeutet dir das?

Chris: „Das ist eine sehr besondere Anzahl. Ich verbinde damit eine schöne Zeit beim VfB, die für eine gewisse Entwicklung steht: Uns gelang es über die Jahre hinweg, die untere Tabellenregion zu verlassen und regelmäßig international vertreten zu sein. Persönlich habe ich mich als Spieler verbessert und die nächsten Schritte gemacht – und ist es ist im heutigen Fußball keineswegs selbstverständlich, über weite Strecken für ausschließlich einen Club aufzulaufen. Das macht mich schon stolz und drückt die Wertschätzung auf beiden Seiten aus.“

Mit dir sind viele Aufs verbunden. Derweil musstest du im Juli 2021, als du zum Club aus Cannstatt kamst, direkt einen Rückschlag verkraften. Ein Schlüsselbeinbruch bremste dich aus. Wie war das für dich?

Chris: „Das war hart. Ich hatte dem Wechsel entgegengefiebert, saß auf gepackten Koffern und stieß direkt im Trainingslager hinzu – plötzlich war ich kurze Zeit später wieder weg vom Team, wurde operiert und musste erst einmal eine Reha über mehrere Wochen absolvieren. Das hat die Freude zunächst getrübt.“

Wie bist du damit umgegangen?

Chris: „Ich habe in dieser Zeit gelernt, gewisse Ereignisse, die ich nicht wirklich beeinflussen kann, anzunehmen und mental stark zu bleiben. Meinen Fokus richtete ich darauf aus, schnell in bestmögliche Verfassung zu kommen, um wieder mit der Mannschaft trainieren zu können. Der Plan ging auf und es kamen in meiner ersten VfB-Saison noch 25 Bundesliga-Einsätze hinzu.“

Wann hast du gemerkt, dass du in der Bundesliga nicht nur mithalten, sondern auch Leistungsträger sein kannst?

Chris: „Ich habe relativ schnell gemerkt, dass ich auf dem Niveau gut zurechtkomme. Was mir anfangs jedoch fehlte, war das ‚Endprodukt‘: Tore, Vorlagen, Werte, an denen Offensivspieler öffentlich gemessen werden. Arbeit und Fleiß haben mich beständig nach vorne gebracht, dazu die richtige Mentalität wie früher auf dem Bolzplatz. Mit der Vizemeister-Saison 2023/2024 stimmten anschließend auch meine Scorerpunkte – das war sicherlich ein Meilenstein.“

VfB-Offensivspieler Chris Führich:

Ich habe gelernt, in Phasen, in denen es mal nicht so konstant läuft, mit Ruhe und Fokus weiterzuarbeiten.

Auf welche Entwicklungsschritte bist du in den mehr als fünf Jahren beim VfB besonders stolz?

Chris: „Grundsätzlich habe ich mich als Spieler und Persönlichkeit insgesamt weiterentwickeln können. Besonders ist natürlich, dass diese Arbeit auf sportlicher Seite zum DFB-Pokalsieg 2025 oder der inzwischen zweiten Teilnahme an der Champions League geführt hat. Mir sind aber auch die kleinen Schritte wichtig, die nicht immer sichtbar sind: Ich habe gelernt, in Phasen, in denen es mal nicht so konstant läuft, mit Ruhe und Fokus weiterzuarbeiten. Jede Saison beginnt bei null. Was du vorher geleistet hast, ist egal. Du musst es neu beweisen.“

Inwiefern hast du dich als Spielertyp weiterentwickelt?

Chris: „Ich fühle mich in meinem Spielstil inzwischen kompletter. In früheren Jahren hieß es mit Tempo oftmals: ‚Drauf, drauf, drauf!‘. Inzwischen habe ich durch die Erfahrung ein noch besseres Gefühl für die Situation und die richtige Entscheidung hinzugewonnen. Das gibt meinem Spiel mehr Varianz und auch mehr Reife, ohne an Dynamik verloren zu haben.“

Wie bereitest du dich in der Bundesliga auf ein Spiel vor?

Chris: „Für mich ist wichtig, dass die gesamte Woche – vom ersten Training bis zum Matchday – möglichst konstant auf hohem Niveau läuft. Der normale Rhythmus gibt mir ein gutes Gefühl, ich halte meine Routinen recht beständig ein. Dazu zählen unter anderem auch Themen wie Regeneration, Schlaf, Ernährung sowie die individuelle Vorbereitung auf den Gegner und die Gegenspieler. Durch die vielen Partien ist es wichtig, auch außerhalb des Platzes gut auf den eigenen Körper zu hören.“

Was hat sich in der Mannschaft verändert, seit du 2021 zum VfB kamst?

Chris: „Der für mich größte Schritt kam durch den Reifeprozess nach unserer ersten Champions-League-Saison 2024/2025. Dieses hohe Niveau hat uns angefixt, sich daran zu orientieren: Was muss ich tun, um alle drei, vier Tage optimal performen zu können? Wie schaffe ich es, immer wieder frisch zu sein – körperlich, aber auch im Kopf? Ein Großteil der Mannschaft ist noch immer da und ich finde schon, dass man sieht, wie wir uns bei solchen Themen entwickelt haben.“

Woran machst du das noch fest?

Chris: „Wir nehmen die Belastung von mehreren Wettbewerben mit Ehrgeiz an und sind noch professioneller geworden. Jeder Spieler weiß, dass er gebraucht wird und seine Einsätze kriegt. Niemand stellt sein Ego nach vorne, sondern es zählt rein das Team.“

Du hast im September bzw. Oktober 2026 zum ersten DFB-Kader des neuen Bundestrainers Jürgen Klopp gehört. Wie hast du die Zeit bei der Nationalmannschaft erlebt?

Chris: „Ich habe mich sehr gefreut, im Kader dabei zu sein. Die Zeit bei der Nationalmannschaft war kurz, aber sehr positiv: Jürgen Klopp bringt eine neue Energie herein, strahlt eine große Motivation aus und gibt uns einen sehr guten Plan an die Hand. Natürlich können nach den ersten Tagen noch nicht alle Inhalte sitzen, aber ich kann mich mit den Ansätzen sehr identifizieren und bin sicher, dass das richtig gut werden kann und zu ‚Fußball-Deutschland‘ passt.“

DFB-Nationalspieler Chris Führich:

Viele Spieler hatten und haben die Chance, sich neu zu beweisen.

Inzwischen hast du zehn Länderspiele für Deutschland absolviert. Was macht den neuen Abschnitt für dich so reizvoll?

Chris: „Es liegt eine neue Ausrichtung vor. Viele Spieler hatten und haben die Chance, sich neu zu beweisen. Ich möchte im Club meine bestmögliche Leistung bringen, das kann ich beeinflussen. Wenn mich der Bundestrainer erneut nominiert, freue ich mich riesig darüber und werde alles für Deutschland und den eingeschlagenen Weg geben.“

Zurück zur Bundesliga: Deine Teamkollegen und dich erwartet das Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach. Was nehmt ihr euch für die Begegnung vor?

Chris: „Wir möchten von der ersten Minute an alles investieren, um das Spiel auf unsere Seite zu ziehen. Mönchengladbach hat sich den Saisonstart sicherlich anders vorgestellt und wird uns daher viel entgegensetzen. Wir brauchen Entschlossenheit, Aktivität, dazu die Unterstützung von den Rängen – dann können wir gemeinsam für einen Erfolg sorgen.“

STADION AKTUELL | Bundesliga 2026/2027 | 7. Spieltag

Wer in den 48 Seiten des Stadionmagazins blättern und sich damit optimal auf das Heimspiel am Freitag, 23. Oktober 2026, 20.30 Uhr, gegen Borussia Mönchengladbach einstimmen möchte, kann ab sofort das E-Paper kostenfrei lesen oder sich die STADION AKTUELL in der VfB-Magazine-App anschauen. Wie immer liegt die gedruckte Version der STADION AKTUELL am Spieltag im Umgriff der MHP Arena aus.

Die Themen sind unter anderem:

  • Chris Führich: Interview, Fotoalbum und Poster
  • Zu Gast: Borussia Mönchengladbach
  • Legende: Interview mit Lorenz-Günther Köstner
  • Historie: 50 Jahre STADION AKTUELL
  • VfB-Bildung: Gemeinsam lernen und punkten
  • VfB-Frauen: Interview mit Luzie Zähringer
  • Nachwuchs: Neuigkeiten und Ergebnisse
  • MHP Arena: Weihnachtssingen am 17. Dezember 2026

Jetzt lesen! Hier geht's zur gesamten Ausgabe der STADION AKTUELL

Übrigens: Für die VfB-Magazine „STADION AKTUELL“ und „dunkelrot“ steht eine eigene App namens „VfB-Magazine“ im App Store sowie im Google Play Store zum Download bereit. Jetzt herunterladen und gleich loslesen.