Im beigefarbenen Sommeranzug läuft Felix Magath durch den Schlosspark in Stuttgart-Hohenheim. Gleich tritt er beim Brustring Business Club auf, dem größten Business-Netzwerk in Baden-Württemberg. Der 73-Jährige wirkt voller Vorfreude auf den Abend, an dem er später von seinen Erfahrungen als Trainer und Manager erzählt und über aktuelle Themen spricht. Immer wieder kommt dabei der VfB vor. Die Zeit von Februar 2001 bis Juni 2004 beim Club aus Cannstatt hat ihn geprägt. Vom Abstiegskampf führte er das Team mit dem Brustring in die UEFA Champions League. Und Fulham, den nächsten Gegner des VfB am Samstag, 15. August, kennt er ebenfalls durch seine Trainer-Laufbahn. Zeit für ein Gespräch mit dem Europameister von 1980.
Herr Magath, beim Brustring Business Club treten Sie als Redner auf. Wie sehr verfolgen Sie Ihren ehemaligen Club noch?
Felix Magath: „Den VfB verfolge ich intensiver als andere Vereine. Das hat einen simplen Grund: Beim VfB hatte ich meine schönste Zeit als Trainer. Ich war dreieinhalb Jahre in Stuttgart tätig. Das war nicht nur für den VfB, sondern auch für mich eine lange Zeit – es ist sogar mein Rekord als Trainer bei einem Club. Dadurch gibt es noch viele Kontakte und mein Interesse am VfB ist unverändert.“
Was hat diese Zeit für Sie so besonders und schön gemacht?
Felix Magath: „Es hat insgesamt sehr gut gepasst, nicht nur auf den Fußball bezogen. Meine Familie hat sich wohlgefühlt, ich habe mich wohlgefühlt. Die Zusammenarbeit mit dem VfB ging in eine gemeinsame Richtung. Sportlich war eine Entwicklung zu sehen, das war unglaublich spannend.“
Sie haben den VfB damals in einer herausfordernden Zeit übernommen. Im Februar 2001, als Sie begannen, steckte der Club aus Cannstatt tief im Abstiegskampf.
Felix Magath: „Als ich übernahm, war es Tabellenplatz 17. Das sorgte allseits für Druck und Nervosität. Für die nächsten Spiele ging es nur darum, den Klassenerhalt zu schaffen. Die Winterpause war längst vorüber, der einzige Schlüssel war die intensive Arbeit mit der Mannschaft. Der Klassenerhalt hat allen Beteiligten gezeigt, was wir aus solch einer Situation heraus gemeinsam erreichen können.“
Inwiefern hat dies Kräfte für die folgende Saison freigesetzt?
Felix Magath: „Wir konnten befreit in die anschließende Saison gehen. Plötzlich sind wir Richtung UEFA-Cup marschiert – und haben uns am Ende für den Wettbewerb qualifiziert. Im Jahr darauf zogen wir sogar in die Champions League ein. Es war außergewöhnlich, wie die Mannschaft kontinuierlich und immer wieder eine Schippe drauflegen konnte.“
Sehen Sie Parallelen zur heutigen Entwicklung beim VfB?
Felix Magath: „Keine Frage, ja. Ich nehme wahr, wie sich der VfB in den vergangenen Jahren mit Kontinuität, einem sehr guten Trainer und klugen Entscheidungen der Verantwortlichen stabilisiert hat. Ich bin von der Entwicklung des Clubs und der Mannschaft sehr angetan. Im Moment ist der VfB einer der besten und spannendsten Vereine in Deutschland.“
Sie sind beim Club aus Cannstatt eng mit dem Begriff der „Jungen Wilden“ verbunden. Unter Ihnen reiften zahlreiche Talente zu etablierten Bundesliga-Profis. Wie kam das?
Felix Magath: „Grundsätzlich wünscht sich jeder Beteiligte, dass Spieler aus dem eigenen Nachwuchs den Sprung schaffen. Wirklich planbar ist so etwas jedoch kaum, es hängt von vielen Faktoren ab. Zu meiner Zeit gelang das sehr gut. Die ‚Jungen Wilden‘ waren im Grunde genommen alle da, ich musste sie nur nehmen und fördern. Aber der Ursprung liegt eigentlich woanders.“
Jetzt müssen Sie uns die gesamte Geschichte erzählen.
Felix Magath: „Bevor ich zum VfB kam, trainierte ich Eintracht Frankfurt. In der ersten Runde des DFB-Pokals trafen wir auf die VfB-Amateure. Am Ende stand es 6:1 – allerdings nicht für Frankfurt. In dieser VfB-Reserve spielten unter anderem Andreas Hinkel, Alex Hleb und Ioannis Amanatidis. Ich hatte mir all die Namen gemerkt, wie man das halt als Trainer so macht (schmunzelt). Und als ich erst einmal beim VfB war, wusste ich, was die eigentliche Geburtsstunde für die ‚Jungen Wilden‘ war.“
Einen Blick haben Sie auch auf den FC Fulham. Sie trainierten den Club im Jahr 2014. Der VfB absolviert am Samstag ein Testspiel in London. Was macht den Fußballstandort Fulham so besonders?
Felix Magath: „Das hat viel mit dem Stadion zu tun. ‚Graven Cottage‘ liegt direkt an der Themse, es ist ein traditionelles und wunderschönes Stadion. Es gibt kaum Zäune, der Fan ist nah dran, es entsteht diese typisch englische Atmopshäre. Fulham spielt einen intensiven, teils auch körperlichen Fußball. Ich erwarte – trotz des Testspiel-Charakters – viele Zweikämpfe. Das wird ein guter, herausfordernder Test für den VfB.“
Zum Abschluss: Was wünschen Sie dem VfB für die nächsten Jahre?
Felix Magath: „Ich bin lange genug dabei, um nicht zu weit in die Zukunft schauen zu wollen. Das Tagesgeschäft ändert die Dinge manchmal schnell. Insofern wünsche ich dem VfB vor allem, dass er den eingeschlagenen Weg fortsetzt. Der Club hat sich sportlich und wirtschaftlich ein Fundament erarbeitet, die Fans stehen hinter dem Verein. Das ist eine gute Ausgangsbasis für die nächste Etappe.“