Als Diego Simeone am 23. Dezember 2011 das Cheftraineramt bei Atletico Madrid antrat, war die Welt des Fußballs noch eine ganz andere als heute: Borussia Dortmund hatte unter Jürgen Klopp gerade die erste Meisterschaft seit neun Jahren gewonnen und war auf dem besten Wege, seinen Titel zu verteidigen. In Italien legte Juventus Turin den Grundstein für eine fast ein Jahrzehnt anhaltende Dominanz mit neun Titeln in Serie. Auf der Insel lieferte sich Dauermeister Manchester United ein Titelrennen mit seinem himmelblauen Stadtrivalen, das die Machtverhältnisse im englischen Fußball nachhaltig verrücken sollte. Und in Frankreich mauserte sich der heute so erfolgreiche Hauptstadtclub PSG nach Jahrzehnten ohne Titel in kleinen Schritten nach oben und erreichte am Ende der Saison mit Rang zwei das beste Ergebnis seit acht Jahren.
In Spanien jedoch waren die Machtverhältnisse vor knapp 15 Jahren ebenso klar verteilt wie vor der Jahrtausendwende. Vor den Meistertiteln von Deportivo La Coruna (2000) und dem FC Valencia (2002, 2004) gingen ab 1985 jeweils sieben Titel an den FC Barcelona und Real Madrid, lediglich im Jahr 1996 konnte in Atletico mal ein anderer Club dazwischenfunken. Kapitän der Mannschaft? Diego Simeone. Danach stellte sich die Dominanz der beiden Weltclubs wieder ein. Bis zum Jahr 2011 gingen fünf weitere Meisterschaften an Barcelona, „die Königlichen“ gewannen immerhin zwei Titel. Für „Atleti“ jedoch waren Plätze im oberen Drittel in dieser Zeit eher die Ausnahme, um die Jahrtausendwende herum spielte der Club sogar kurzzeitig zweitklassig.
Beeindruckende Konstanz
Die Einstellung Diego Simeones als Cheftrainer bei Atletico sollte die eigene Tristesse jedoch beenden und die Dominanz Barcas und Reals fortan Saison für Saison auf die Probe stellen – auch wenn „nur“ zweimal der große Coup gelang.
In den Saisons 2013/2014 sowie 2020/2021 gewannen Simeone und seine Rojiblancos (die Rot-Weißen) zweimal die spanische Meisterschaft, was angesichts der namhaften Teams, die der FC Barcelona und Real Madrid über Jahre aufboten, mehr als beachtlich ist. Atletico gelang es aber nicht nur, die großen Rivalen zu ärgern, sondern sich als dritte Kraft an der Spitze zu etablieren. Tatsächlich verpasste seit dem Start der Spielzeit 2012/2013, der ersten kompletten Saison für Diego Simeone als Cheftrainer, kein Atleti-Team eine Top-vier-Platzierung in „La Liga“. Die 69 Punkte der vergangenen Saison, die zu Platz vier und der Qualifikation für die UEFA Champions League reichten, waren sogar die schwächste Ausbeute einer Simeone-Elf in einer kompletten Saison seit Amtsantritt.
Zwei Titel in vier europäischen Finals
Diego Simeone hat den Club aus dem Nordosten der spanischen Hauptstadt nachhaltig geprägt. Mit seiner exzentrischen Art reißt der 56-jährige Argentinier, der auch die italienische Staatsbürgerschaft besitzt, Spieler wie Fans Woche für Woche mit. Diego Godin, langjähriger Spieler und zeitweiser Kapitän Atleticos, sagte einmal über Diego Simeone: „Die Spieler würden für ihn ihr Leben geben. Er vermittelt uns das Vertrauen, dass wir es mit viel größeren Mannschaften aufnehmen können. Wir haben großes Vertrauen in ihn, wir stehen bis zum bitteren Ende hinter ihm und er hinter uns – und das zeigt sich auf dem Platz.“ Mit ihrem defensiv kompakten, aber auf schnelle Konter ausgelegten Spielstil machten sich Simeone und Atletico einen Namen in Europa, tauchten vor allem in den 2010er-Jahren regelmäßig in den Halbfinals der UEFA Champions League auf – und standen 2014 sowie 2016 in den Finals gegen Real Madrid (1:4 n.V., 5:6 n.E.) auch zweimal kurz vor dem ganz großen Wurf. Ganz leer ging der Club auf europäischer Bühne aber nicht aus, denn in Simeones Premieren-Saison 2011/2012 sowie 2017/2018 krönte sich Atletico jeweils zum Sieger der UEFA Europa League. In der vergangenen Spielzeit gelang erstmals seit 2017 wieder der Sprung unter die besten Vier der UEFA Champions League. Einer, der nach Möglichkeit auch in der aktuellen Saison in Angriff genommen werden soll. Vor dem Spiel in Bad Cannstatt sagt der erfahrene argentinische Coach Diego Simeone: „Stuttgart hat einen klaren Spielstil. Sie pressen sehr hoch und schaffen es defensiv kompakt zu stehen. Sie sind gut in die Champions League gestartet, aber wir wollen morgen natürlich gewinnen."
Drei Fakten zu Atletico Madrid
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spanische Meistertitel gewann Atletico in seiner langen Geschichte. Die erste Meisterschaft holte der Club, der damals vorübergehend als Atletic-Aviacion firmierte, in der Saison 1939/1940, und den bislang letzten in der Spielzeit 2020/2021. Mit elf Titeln ist Atletico der dritterfolgreichste Club hinter Real Madrid (36) und dem FC Barcelona (29).
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Spiele bestritt Rechtsaußen Giuliano Simeone, der Sohn von Cheftrainer Diego Simeone, seit seinem Profidebüt im April 2022 für Atletico. Seit zwei Jahren gehört der 23-jährige argentinische Nationalspieler und Vizeweltmeister fest zum Kader der Rojiblancos. In der Jugend spielte er vor seinem Wechsel nach Europa im Jahr 2019 für River Plate.
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Einsätze hat Koke mittlerweile für die Rojiblancos bestritten, womit der gebürtige Madrilene mit weitem Abstand Rekordspieler ist und noch immer regelmäßig die Kapitänsbinde des Clubs trägt. 37 Pflichtspiele hatte der damals 19-jährige Mittelfeldspieler für Atletico absolviert, als Diego Simeone im Dezember 2011 das Cheftraineramt übernahm.