Sein Schuss zum zwischenzeitlichen 1:1 am 19. Mai 2007 ebnete den Weg für den späteren 2:1-Erfolg gegen Energie Cottbus und den Gewinn der fünften Deutschen Meisterschaft des VfB. Thomas Hitzlsperger trug 172-mal das Trikot mit dem roten Brustring. Dazu kommen 117 Einsätze in der englischen Premier League, in der er zum Ende seiner Karriere auch für den FC Everton spielte. Vor der Saisoneröffnung am Samstag, 8. August 2026, spricht der 44-Jährige über die bevorstehende Begegnung seiner beiden Clubs, den Unterschied zwischen Bundesliga und Premier League sowie seine aktuelle Aufgabe im Fußballgeschäft.
Hallo Thomas, wo erwischen wir dich gerade? Wo ist inzwischen dein Lebensmittelpunkt?
Thomas Hitzlsperger: (lacht) „Im Urlaub. Mein Lebensmittelpunkt ist seit gut einem Jahr London. Ich bin wieder zurück auf der Insel.“
Zur VfB-Saisoneröffnung am Samstag, 8. August, empfängt der VfB den FC Everton. Damit spielen zwei deiner Ex-Vereine gegeneinander. Was löst das in dir aus?
Thomas Hitzlsperger: „Das ist super. Ich habe erst kürzlich gesagt, dass ich bei der Auslosung zur Champions League auf ein Duell zwischen Aston Villa und dem VfB hoffe. Dass es jetzt schon in der Vorbereitung zu einem Vergleich zwischen Stuttgart und Everton kommt ist auch klasse. Mit beiden Clubs verbinde ich positive Emotionen. Everton hat sehr viele Sympathien in England. Ich habe trotz der wenigen Einsätze nur gute Erinnerungen an den Verein. Das wird ein tolles Spiel für beide, Everton und den VfB.“
Wie stark ist Everton? Im Kader der Engländer stehen mit Merlin Röhl und Adam Aznou auch zwei ehemalige Bundesliga-Spieler. Auf was muss sich der VfB gefasst machen?
Thomas Hitzlsperger: „Ich bin mit meiner Prognose noch zurückhaltend, weil das Transferfenster noch lange geöffnet ist und sich noch einiges tun kann. Grundsätzlich wird Trainer David Moyes aber für Stabilität sorgen und darauf schauen, dass die Grundtugenden beherzigt werden. Das hat er über so viele Jahre bei unterschiedlichen Clubs unter Beweis gestellt. Das heißt, dass physisch und robust gespielt werden wird. Es wird ein guter Test für beide werden.“
Everton wurde letzte Saison 13. In der Premier League, der VfB 4. in der Bundesliga. Trotzdem ist der Marktwert Evertons knapp 50 Millionen höher als der des VfB. Ist das mit der eklatanteste Unterschied zwischen den beiden Ligen?
Thomas Hitzlsperger: „Das ist einer der wesentlichen Unterschiede, ja. Die Premier League wird seit Jahren global exzellent vermarktet. Dadurch folgen höhere TV-Einnahmen, die wiederum zum Großteil in Spieler investiert werden. Trotzdem bedeutet das nicht zwingend, dass sie dann auch immer die Besten sind. Man hat es bei der WM gesehen, als Spanien gewonnen hat; ein Team das nicht in Summe den höchsten Marktwert hatte. Die Marktwerte sind eine gute Orientierung, mehr aber auch nicht.“
Gecoacht wird Everton von David Moyes. Er war auch dein Trainer, als du bei den „Toffees“ gespielt hast. Was zeichnet ihn aus und für welchen Spielstil steht er?
Thomas Hitzlsperger: „Er ist von seiner Haltung geprägt, weniger vom Philosophieren über Taktik. Seine Teams verteidigen gut, haben eine gute Ordnung und die physischen Voraussetzungen um dagegenzuhalten. Ob am Ende in einem 4-4-2, 4-2-3-1 oder in einem anderen System gespielt wird, ist nicht so entscheidend. Er legt viel Wert auf Leadership, geht aber trotzdem auch mit der Zeit in Sachen taktischen Entwicklungen.“
Hast du noch Kontakte zu alten Weggefährten beim FC Everton?
Thomas Hitzlsperger: „Nur noch wenig. Zur Presseabteilung habe ich noch Kontakt, zu den Spielern weniger. Der letzte war Seamus Coleman, der nach der vergangenen Saison ging und eine absolute Club-Legende ist. Leon Osman habe ich vor geraumer Zeit mal wieder gesehen, weil er in England als Experte fürs TV arbeitet.“
Wie schätzt du die Perspektive von Everton für die nächste Saison ein? Und was traust du dem VfB national und international zu?
Thomas Hitzlsperger: „Das neue Stadion war aus finanzieller Sicht ein großer Schritt nach vorne. Nun gilt es die gesteigerte Erwartungshaltung in sportlichen Erfolg umzuwandeln. David Moyes ist nicht der Typ, der nur verwalten will, er setzt sich immer hohe Ziele. Deshalb werden sie sicher nach oben schauen und darauf hoffen, wenn es gut läuft, auch wieder international spielen zu können. Und der VfB begeistert ja schon seit Jahren. Es ist fantastisch, was Sebastian Hoeneß und alle Verantwortlichen geschaffen haben. Alle freuen sich wieder auf die Champions League und man hat ja in den letzten Jahren bewiesen, dass trotz der Dreifachbelastung auch in der Liga Erfolge möglich sind.“
Thomas Hitzlsperger:
Auch wenn ich am Ende nur recht wenig gespielt habe, bleibt Everton etwas Besonderes.
Deine Glanzzeit in England war bei Aston Villa. Ist Everton trotzdem etwas Besonderes, weil es 2012/2013 deine letzte Station vor dem Karriereende war?
Thomas Hitzlsperger: „Es war auf jeden Fall etwas Besonderes für mich. Ich dachte damals schon ans Karriereende. Es gab auch nur zwei, drei Clubs, zu denen ich noch gehen wollte. Zurück in die Premier League war dann nochmal ein Highlight. Ich war damals vertragslos, habe ein Probetraining gemacht und dann dort unterschrieben. Mir war klar, dass ich nicht mehr in der Verfassung war, um alle Spiele machen zu können. Auch wenn ich am Ende nur recht wenig gespielt habe, bleibt Everton etwas Besonderes. Es ist ein toller Club, der das Label „Family club“ wirklich lebt und der etwas ausstrahlt, das mich bis heute begeistert.“
Du bist auch heute noch dem Fußball verbunden, arbeitest für Aalborg in Dänemark und Hellas Verona in Italien. Was sind dort deine Aufgaben?
Thomas Hitzlsperger: „Ich bin bei beiden Vereinen im Aufsichtsrat und lerne so den Fußball nun von einer anderen Seite kennen. Bei Aalborg habe ich mich auch finanziell beteiligt. Sportlich lief es in der vergangenen Saison sowohl in Aalborg als auch in Verona leider nicht so wie erhofft. Mittlerweile habe ich im europäischen Fußball einiges gesehen. Die Faszination und Leidenschaft sind fast überall gleich hoch. Dazu kommt, dass überall Druck spürbar ist, egal wie viele Zuschauer da sind, wie viel Transfereinnahmen noch erzielt werden müssen, oder ob es Gerüchte sind, die auf Social Media kursieren. Gefühlt ist ständig Alarm, weil meist Belanglosem zu viel Bedeutung beigemessen wird.“
Wie oft bist du noch in Stuttgart und wann werden wir dich mal wieder in der MHP Arena sehen?
Thomas Hitzlsperger: „Leider nicht mehr so häufig. Ich werde auf jeden Fall zum Auftakt in der Bundesliga zum Spiel nach München kommen. Und dann hoffentlich auch bald schon wieder in die MHP Arena. Vielleicht ja zu einem Spiel in der Champions League. Ich war damals beim Auswärtsspiel in Turin dabei, was wirklich klasse war, und ich hoffe, möglichst bald auch wieder in Stuttgart ein Spiel live sehen zu können.“
Die Saisoneröffnung des VfB
Am Samstag, 8. August 2026, um 17 Uhr, begrüßt der VfB den englischen Premier-League-Club Everton FC in der MHP Arena. Die Partie ist ein Highlight im Rahmen der weiß-roten Saisoneröffnung.