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Legends 22. Oktober 2026

„Wenn Hennes Weisweiler dich haben will, dann kannst du doch nicht Nein sagen“

Lorenz-Günther Köstner erlebte die Bundesliga über Jahrzehnte hinweg aus nächster Nähe, zunächst unter anderem als Spieler der Borussia und später als Co-Trainer des VfB. Im Interview blickt der 74-Jährige auf seine erfolgreichen Jahre in Mönchengladbach zurück und erzählt, wie ausgerechnet ein Kölner ausschlaggebend für seinen Wechsel war.

Hallo Herr Köstner, Sie sind in den vergangenen Jahren immer wieder zu Gast in der MHP Arena gewesen. Wie haben Sie die Zeit seit dem Ende Ihrer Trainerlaufbahn im Jahr 2014 verbracht?

Lorenz-Günther Köstner: „Der Grund für mein Ende in Düsseldorf war damals eine bakterielle Infektion, die vollständig auskuriert werden musste, aber mir geht es schon lange wieder gut. Nach etwa einem Jahr war die Sache endgültig überstanden. Danach gab es immer wieder Angebote, auch aus dem Ausland und später noch einmal von Arminia Bielefeld. Aber ich habe für mich entschieden, dass meine Zeit als Trainer vorbei ist. Manchmal würde man natürlich gerne noch einmal an der Seitenlinie stehen, wenn die passenden Leute dabei wären. Aber insgesamt war es eine lange und schöne Karriere. Heute verfolge ich den Fußball vor allem als Zuschauer und bin regelmäßig bei Spielen zu Gast, unter anderem beim VfB.“

Sie sind als junger Spieler aus Ihrer fränkischen Heimat zur damals stark besetzten Borussia nach Mönchengladbach gewechselt. Wie kam es dazu und wie verlief die erste Zeit?

Lorenz-Günther Köstner: „Ich bin 1973 nach Mönchengladbach gekommen. Die Bundesliga war damals gerade einmal zehn Jahre alt. Zu dieser Zeit spielte ich beim VfB Helmbrechts und gehörte gleichzeitig als einziger Landesliga-Spieler der Amateur-Nationalmannschaft an. Der Verbandstrainer Georg Stürze, ein guter Freund von Hennes Weisweiler, hat mich bei Gladbach empfohlen. So lief das Scouting damals. Er sagte zu Hennes Weisweiler: ‚Da spielt ein junger Spieler in Oberfranken, den solltest du dir anschauen.‘“

Wie ging es weiter?

Lorenz-Günther Köstner: „Daraufhin wurde ich zum Probetraining eingeladen. Nach einer Stunde Training saßen Hennes Weisweiler und der damalige Manager Helmut Grashoff mit mir zusammen. Obwohl dort Spieler wie Jupp Heynckes, Rainer Bonhof, Berti Vogts, Horst Köppel, Henning Jensen oder Allan Simonsen spielten, wollten sie mich verpflichten. Ich habe mir diesen Schritt zunächst nicht zugetraut, aber Gladbach ließ nicht locker, lud mich noch ein zweites Mal ein und überzeugte mich letztlich. Bereut habe ich die Entscheidung nie. Wenn ein Verein wie Borussia Mönchengladbach und ein Trainer wie Hennes Weisweiler einen jungen Spieler haben wollen, dann muss man diese Chance nutzen. Natürlich war ich weit weg von meiner Heimat, aber es war eine wunderbare Zeit.“

Sie haben einmal erzählt, dass ein Gespräch nach dem Pokalfinale 1973 letztlich den Ausschlag für Ihren Wechsel nach Mönchengladbach gegeben hat. Wie kam es zu dieser Begegnung?

Lorenz-Günther Köstner: „Das war noch kurioser. Die Gladbacher wollten damals unbedingt, dass ich komme. Deshalb haben sie mich zu dem legendären Pokalfinale zwischen Köln und Gladbach nach Düsseldorf [2:1-Sieg nach Verlängerung für Gladbach, Anm.d.Red.] eingeladen. In der Woche davor hatte ich bereits bei Borussia mittrainiert und war nach dem Spiel beim Bankett im Hotel eingeladen. Einige Wochen zuvor hatte ich mit der Amateur-Nationalmannschaft einen Lehrgang in Duisburg absolviert und dort in einem Trainingsspiel gegen den 1. FC Köln gespielt. Beim Bankett kam plötzlich Wolfgang Weber auf mich zu. Er war Nationalspieler und eine große Persönlichkeit beim 1. FC Köln. Er sagte zu mir: ‚Junge, wir haben doch vor ein paar Wochen gegeneinander gespielt.‘ Irgendwie wusste er auch, dass ich zuvor bei Gladbach zum Probetraining gewesen war. Dann sagte er etwas, das ich nie vergessen habe: ‚Wenn Hennes Weisweiler dich haben will, dann kannst du doch nicht Nein sagen. Du musst das machen.‘ Ich habe mich damals gefragt, woher er das alles wusste. Aber diese Begegnung hat Eindruck hinterlassen. Er hat mich quasi überredet. Und am selben Abend habe ich unterschrieben. Das zeigt auch, welchen Stellenwert Hennes Weisweiler damals im deutschen Fußball hatte.“

Wie war es für Sie damals, mit Granden wie Jupp Heynckes und Berti Vogts auf dem Platz zu stehen?

Lorenz-Günther Köstner: „Das war natürlich etwas ganz Besonderes. Damals war Borussia Mönchengladbach eine Spitzenmannschaft, die sich mit Bayern München um Meisterschaften und Pokalsiege duelliert hat. In dieser Mannschaft standen zahlreiche Nationalspieler. Wenn man als junger Spieler aus dem Frankenwald kommt und plötzlich mit Rainer Bonhof oder Allan Simonsen auf dem Platz steht, dann braucht das schon Mut. Besonders geholfen haben mir Klaus-Dieter Sieloff und Horst Köppel. Sie haben mich direkt aufgenommen und mir den Einstieg erleichtert. Mit Jupp Heynckes, Berti Vogts und einigen anderen habe ich bis heute Kontakt. Ich habe mich aber nie versteckt. Mein erstes Bundesligaspiel von Beginn an machte ich in Wuppertal. Dort gelangen mir beim 4:2-Auswärtssieg zwei Torvorlagen. Günter Netzer war kurz zuvor zu Real Madrid gewechselt, und plötzlich wurde geschrieben, Gladbach habe den Nachfolger von Netzer gefunden. Das war besonders. Es war aber schwer, sich bei so vielen Nationalspielern dauerhaft durchzusetzen. Nach einer Eingewöhnungszeit habe ich dann aber doch viele Spiele gemacht, darunter auch Einsätze im UEFA-Cup, den wir 1975 zusätzlich zur Deutschen Meisterschaft gewinnen konnten. Rückblickend waren diese zwei Jahre in Gladbach einfach großartig.“

Schauen wir auf die Borussia der Gegenwart. In Alexander Blessin hat der Club auf den misslungenen Saisonstart reagiert und einen neuen Trainer verpflichtet. Was können Sie zu den ersten Aufgaben eines Trainers sagen, der ein Team in der laufenden Saison übernimmt? Sie selbst haben diese Erfahrung ja beispielsweise zweimal in Wolfsburg gemacht.

Lorenz-Günther Köstner: „Zunächst muss sich ein neuer Trainer ein ganz genaues Bild von seiner Mannschaft machen. Er kann keine neuen Spieler holen, sondern muss mit dem vorhandenen Kader arbeiten. Deshalb spricht man viel mit den erfahrenen Spielern, den Co-Trainern und natürlich auch mit der Vereinsführung. Die wichtigste Aufgabe ist zunächst, eine Negativserie zu stoppen. Wenn eine Mannschaft mehrere Spiele in Folge verloren hat, muss sie wieder Vertrauen in die eigene Stärke gewinnen. Dazu braucht es Gespräche, Überzeugungsarbeit und letztlich auch Ergebnisse. Ein Trainer muss möglichst schnell herausfinden, auf welche Spieler er sich in dieser Situation verlassen kann. Das heißt nicht, dass später immer dieselben Spieler auf dem Platz stehen müssen. Aber in der ersten Phase geht es darum, Stabilität hineinzubringen. Alexander Blessin steht für ein intensives Pressing und hohes Anlaufen. Wenn er davon überzeugt ist, muss er diese Überzeugung auch auf die Spieler übertragen. Damit das funktioniert, braucht es Erfolgserlebnisse. Ergebnisse sind im Fußball nun einmal die Grundlage für neues Selbstvertrauen. Ich habe ähnliche Situationen selbst erlebt. In Wolfsburg habe ich zweimal eine Mannschaft während der Saison übernommen. Einmal nach der Entlassung von Armin Veh, als ich die komplette Rückrunde betreute. Ein anderes Mal nach der Trennung von Felix Magath. Da hilft natürlich, wenn man das Umfeld und viele Spieler bereits kennt. Trotzdem gehört immer auch ein bisschen Glück dazu. Man sieht das letztlich bei vielen Trainern. Wenn die Mannschaft schnell Erfolgserlebnisse hat, entsteht neues Vertrauen. Dann können sich die Dinge sehr schnell zum Positiven entwickeln.“