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Legends 8. Oktober 2026

„Mit Sicherheit einer meiner wichtigsten Treffer“

Daniel Ginczek schoss den VfB im Saisonfinale 2014/2015 mit seinem Treffer zum 2:1 in Paderborn zum Klassenerhalt. Im Interview erinnert sich der Stürmer an die schwierige Saison sowie das entscheidende Tor und gibt einen Einblick in seinen aktuellen Job.

Hallo Daniel, am Samstag trifft der VfB erstmals seit dem Saisonfinale 2014/2015 wieder in der Bundesliga auf den SC Paderborn. Damals hattest du mit deinem Treffer am letzten Spieltag einen entscheidenden Anteil am Klassenerhalt. Wie erinnerst du dich an die Spielzeit?

Daniel Ginczek: „Ich erinnere mich noch sehr gut an diese Saison. Ich war damals nach meinem Kreuzbandriss aus Nürnberg zum VfB gekommen und hatte etwas Anlaufzeit gebraucht. Weil ich bei meinem neuen Verein unbedingt auf den Platz wollte, war ich relativ früh wieder eingestiegen. Die Verletzung war gefühlt noch gar nicht vollständig auskuriert, auch die muskulären Unterschiede zwischen meinen Oberschenkeln waren noch deutlich. Nach meinem Debüt gegen Augsburg wurde ich deshalb noch einmal für sechs bis acht Wochen aus dem Spielbetrieb genommen, um die Muskulatur gezielt aufzubauen. Über Teileinsätze in der Hinrunde und einige Spiele für die U23 in der 3. Liga habe ich mich herangearbeitet. Ab Februar war ich dann richtig fit und wettkampfbereit. Anschließend hatte ich eine gute Phase, in der es auch für uns als Mannschaft besser lief.“

Was hältst du für ausschlaggebende Gründe, warum ihr euch in dieser Saison so schwergetan habt?

Daniel Ginczek: „Es kamen viele Dinge zusammen. Wir haben einige unglückliche Spiele verloren und mussten langfristige Ausfälle verkraften. Wenn man von Beginn an unten drinsteht, ist es schwer, sich zu befreien. Dafür benötigt man eigentlich drei oder vier Siege am Stück, aber in dieser Situation fehlt häufig das nötige Selbstvertrauen. Wir haben einige ordentliche Leistungen gezeigt, konnten die Spiele aber nicht auf unsere Seite ziehen und haben verloren oder nur unentschieden gespielt. Im Abstiegskampf zählen letztlich die nackten Ergebnisse, und die hatten bei uns lange Zeit nicht gestimmt. Deshalb mussten wir die letzten drei Spiele gegen Hamburg, Mainz und Paderborn gewinnen. Viele hatten uns damals bereits abgeschrieben.“

Wie habt ihr es geschafft, euch im Saisonfinale zusammenzuraffen und wie groß war der Anteil des Trainers daran?

Daniel Ginczek: „Wir haben uns als Mannschaft häufig zusammengesetzt und uns immer wieder gesagt, dass wir es unbedingt schaffen wollen. In dieser Situation sind wir noch einmal enger zusammengewachsen. Persönliche Eitelkeiten wurden beiseitegelegt und jeder hat für die Mannschaft gekämpft, unabhängig davon, ob er gespielt hat oder nicht. Die Erfahrung von Huub Stevens war in diesem Moment Gold wert. Er hatte als Trainer schon alles erlebt und kannte den Abstiegskampf auch aus der Vorsaison. Mit seiner Art sowie klaren und einfachen Abläufen gegen den Ball hat er uns Sicherheit gegeben. Gleichzeitig wusste er, dass wir offensiv genügend individuelle Qualität besaßen und jederzeit Tore erzielen konnten. Gerade vor dem Hamburg-Spiel hat er zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Töne getroffen. Das Thema mit der „Affenbande“ konnten wir anschließend sogar direkt für unseren Torjubel nutzen.“

Kommen wir zum damaligen Spiel in Paderborn, einem der zwei direkten Abstiegsduelle neben der Partie zwischen Hannover und Freiburg an diesem Samstagnachmittag im Mai 2015. Durch ein Tor der Gastgeber in der vierten Minute, die selbst noch um den Klassenerhalt kämpften, standet ihr früh mit dem Rücken zur Wand. Was ging dir und euch unmittelbar nach dem Rückstand durch den Kopf?

Daniel Ginczek:

Der Plan war, geduldig zu bleiben und auf unseren Moment zu warten.

Daniel Ginczek: „Mein erster Gedanke war tatsächlich: ‚Nicht schon wieder.‘ Ich war zuvor bereits mit Nürnberg abgestiegen und konnte es damals wegen meiner Verletzung auf dem Platz nicht aktiv verhindern. Mit zunehmender Spieldauer habe ich aber gemerkt, dass wir besser waren und den Gegner im Griff hatten. Wir erspielten uns gute Möglichkeiten und kamen noch vor der Halbzeit zum Ausgleich. In der Pause waren wir fest davon überzeugt, dass wir die Partie drehen würden. Gleichzeitig wollten wir nicht kopflos aus der Kabine kommen und mit aller Macht nach vorne rennen. Der Plan war, geduldig zu bleiben und auf unseren Moment zu warten.“

Nachdem du in der ersten Halbzeit noch eine große Chance vergeben hattest, erzieltest du nach Vorlage von Alexandru Maxim in der 72. Minute das entscheidende Tor zum Klassenerhalt. Hast du während deiner Karriere davor oder danach ein wichtigeres Tor erzielt?

Daniel Ginczek: „Von seiner Bedeutung her gehört dieses Tor mit Sicherheit zu den drei wichtigsten Treffern meiner Karriere, wenn es nicht sogar das wichtigste war. Für einen Stürmer ist natürlich auch das erste Tor bei einem neuen Verein ein besonderer Brustlöser. Man wird verpflichtet, um Tore zu erzielen, und entsprechend groß ist die Erwartungshaltung. Aber wenn ich berücksichtige, was damals auf dem Spiel stand, war das Tor in Paderborn definitiv eines meiner wichtigsten.“

Schauen wir in die Gegenwart. Der VfB peilt in Paderborn seinen ersten Auswärtssieg der Saison an, die Paderborner wiederum fuhren beim 3:1 gegen Hoffenheim vor der Länderspielpause ihren ersten Saisonsieg ein. Was für ein Spiel erwartest du?

Daniel Ginczek:

Die Mannschaft steht für intensive Arbeit, klare Muster und gleichzeitig für guten Fußball mit dem Ball.

Daniel Ginczek: „Ich habe bislang nur wenig Bundesliga gesehen, weil ich mit Borussia Mönchengladbach II selbst meistens samstags im Einsatz bin. Paderborn habe ich aber in den Relegationsspielen gegen Wolfsburg verfolgt. Sie haben klare Abläufe und wissen, dass sie als Underdog in viele Partien gehen. Dadurch ist jedem Spieler bewusst, dass er 100 oder sogar 110 Prozent geben muss. Die Mannschaft steht für intensive Arbeit, klare Muster und gleichzeitig für guten Fußball mit dem Ball.

Beim VfB ist die Erwartungshaltung aufgrund der erfolgreichen vergangenen Jahre natürlich gestiegen. Man sollte sich aber weder von einzelnen Ergebnissen verrückt machen noch vom eingeschlagenen Weg abbringen lassen. In der Mannschaft steckt sehr viel Qualität, sie ist weitgehend zusammengeblieben und wurde punktuell verstärkt. Zudem hat der Trainer der Mannschaft in den vergangenen Jahren eine klare Handschrift gegeben. Deshalb mache ich mir wenig Gedanken darüber, dass der erste Auswärtssieg noch lange auf sich warten lässt. Ich traue dem VfB auch wieder eine Phase zu, in der mehrere Spiele am Stück gewonnen werden.“

Wie du gerade selbst schon angesprochen hast, hast du einige Monate nach dem Ende deiner aktiven Laufbahn vor rund zwei Jahren deine Tätigkeit als Nachwuchs-Coach bei Borussia Mönchengladbach begonnen, aktuell bist du Co-Trainer der zweiten Mannschaft. Wie läuft die aktuelle Saison und welche Ziele hast du dir persönlich als Trainer für die kommende Zeit gesetzt?

Daniel Ginczek: „Wir sind gut in die Saison gestartet, haben ordentlich gepunktet und befinden uns auf einem guten Weg. Zuletzt haben wir zu Hause mit 2:3 gegen Bochum verloren, nachdem wir die erste halbe Stunde verschlafen hatten und früh mit 0:3 zurücklagen. Die Arbeit mit einer U23 ist sehr abwechslungsreich und herausfordernd. Man muss immer schauen, welche Spieler am Wochenende zur Verfügung stehen. Es ist ein Spagat zwischen Seniorenfußball und der weiteren Entwicklung einer U23-Mannschaft. Unser Ziel als Trainer der U23 ist aber die Entwicklung der Jungs zu Profis, deshalb freuen wir uns, wenn sie in unserer ersten Mannschaft Fuß fassen können. Es ist ein Spagat zwischen Seniorenfußball und der weiteren Entwicklung einer U23-Mannschaft. Gerade das macht die Aufgabe aber auch besonders. Ich fühle mich in meiner aktuellen Rolle sehr wohl und bin gespannt, was wir in dieser Saison noch leisten können. Ob ich mich irgendwann als Cheftrainer ausprobieren möchte, weiß ich noch nicht. Eigentlich hatte ich früher sogar ausgeschlossen, überhaupt Trainer zu werden. Ich bin ein Stück weit in diese Richtung hineingerutscht, möchte die Arbeit inzwischen aber nicht mehr missen. Sie macht mir unglaublich viel Spaß und war definitiv die richtige Entscheidung. Mir hatten der Rasen und die Fußballschuhe gefehlt. Als Trainer kann ich auf dem Platz Übungen vormachen, die Spieler coachen und meine Erfahrungen direkt weitergeben. Deshalb möchte ich mich im Moment gar nicht auf ein langfristiges Ziel festlegen.“