Der VfB-Fan Eike Jordan wanderte 1978 in die USA aus, baute als Gründer und Leiter der Deutsch-Amerikanischen Handelskammer für die US-Südstaaten ein großes Netzwerk auf und gründete mehrere Unternehmen. Heute engagiert er sich als Chairman und Trustee der Halle Foundation für die deutsch-amerikanische Freundschaft. Der gebürtiger Celler blickt im Interview auf das kommende Auswärtsspiel beim HSV und erinnert sich an einen Stadionbesuch in Hamburg, der eine Freundschaft auf die Probe stellte. Zudem spricht er über Heimat und seine aktuelle Tätigkeit.
Jordan, 1950 bist du nach dem Krieg als kleiner Junge mit deiner Familie nach Stuttgart gekommen. VfB-Fan zu werden war da eine logische Folge, oder?
Ja, ich hatte zwei ältere Brüder, die ständig Fußball spielten und den VfB liebten. Ihre Begeisterung war ansteckend. Stuttgart war nach dem Krieg stark zerstört, und die Erfolge des VfB waren ein Lichtblick im Wiederaufbau und haben den Zeitgeist der Menschen sehr gut widergespiegelt.
Dann habt ihr bestimmt viel auf den Straßen gekickt und VfB-Spieler nachgeahmt. Wie sind deine Erinnerungen an die Zeit?
Ja, meine Brüder und ich haben viel gespielt. Allerdings war ich der Jüngste und so landete ich immer im Tor. Das war für mich aber kein Problem, denn somit war ich im VfB Kontext dann immer Karl Bögelein, der legendäre VfB-Torwart. Live-Spiele waren damals leider selten: Fernsehen gab es nicht, fürs Stadion fehlte uns das Geld. Es blieb also das Radio – sofern unsere Eltern nicht gerade etwas anderes hören wollten.
Deine Auswanderung in die USA hat die Angelegenheit nicht gerade einfacher gemacht. Wie hast du denn damals weiter von den VfB-Ergebnisse erfahren?
Mein Bruder schickte sie mir Montag morgens von seiner Kanzlei in Deutschland an eine andere Kanzlei in Atlanta und ein Freund hat sie mir dann weitergeleitet. Hin und wieder hat er sich den Spaß erlaubt, mir falsche Ergebnisse durchzugeben. Gerade in der spannenden Zeit mit Hansi Müller, Karl Allgöwer und den Förster-Brüdern war das schon ärgerlich (lacht). Später erleichterte das Fax die Sache dann erheblich.
Auch durch deine berufliche Laufbahn bist du dem Ländle und dem VfB immer treu geblieben. Wie stellte sich das dar?
Als Leiter der Handelskammer für sechs Südstaaten und später mit meinen eigenen Unternehmen unterstützte ich viele deutsche Firmen beim Markteintritt in den USA. Die Freundschaft zwischen Amerika und Deutschland so zu pflegen und Brücken zu bauen hat mir immer viel Spaß gemacht. Viele meiner Kunden kamen aus Baden-Württemberg. So blieb ich dem Ländle verbunden – und der VfB war immer ein toller gemeinsamer Nenner.
Wie kamst du zur Halle Foundation und Soccer in the Streets?
Claus Halle, früher internationaler Präsident bei Coca-Cola, wollte mit seiner Stiftung die Freundschaft zwischen Deutschen und Amerikanern stärken. 2004 bat er mich, als Trustee und Vorsitzender mitzuwirken. Wir fördern Projekte in Bildung, Kunst und Kultur. Dass auch Fußball Menschen zusammenbringen kann, liegt für mich auf der Hand. Die Idee, Fußball gezielt zu fördern, hatte ich schon länger. Soccer in the Streets passt daher hervorragend und die Tatsache, dass sich nun auch der VfB dafür engagiert, ist für mich ein Traum, der in Erfüllung geht.
Am Samstag geht es für unsere Mannschaft nach Hamburg. Was erwartest du für ein Spiel und was verbindest Du mit dem traditionsreichen Bundesliga-Duell Nord gegen Süd?
Ich kann das Spiel leider nicht in Hamburg mitverfolgen, aber ich hoffe und drücke die Daumen, dass der VfB gewinnt. Die jüngsten Ergebnisse stimmen mich da sehr positiv. An ein Auswärtsspiel in Hamburg habe ich eine ganz besondere Erinnerung: Ich war mit einem langjährigen Freund, dessen Sohn und dessen Enkelsohn im Volksparkstadion. Einziges Problem: alle außer mir waren leidenschaftliche HSV-Fans und der VfB war haushoch überlegen. Als das 4:0 für uns gefallen ist, verlor meine HSV-Fraktion die Nerven (lacht). Erst verschwanden der Sohn und der Enkel meines Freundes, dann machte sich auch er selbst aus dem Staub. Ich blieb allein zurück – und musste meine Heimreise spontan selbst organisieren. Aber unsere Freundschaft hat diese Krise dann doch überstanden.