


Vor 18.000 Zuschauern im ausverkauften Swedbank Stadion zu Malmö gelang der deutschen U21-Nationalmannschaft mit ihrem Kapitän Sami Khedira Historisches. Die DFB-Auswahl wurde nach einem überdeutlichen 4:0-Finalsieg gegen England erstmals überhaupt Europameister in der Altersklasse. Der deutsche Verband holte damit den dritten großen Nachwuchstitel innerhalb eines Jahres. Auch VfB-Mittelfeldmann Sami Khedira kann jetzt als frischgebackener U21-Europameister 2009 in den wohlverdienten, dreiwöchigen Urlaub starten.
Offensivere Aufgabe für den Rückkehrer
Khedira war beim Endspiel gegen die stark eingeschätzten Briten wieder von Anfang an gesetzt, nachdem er im Halbfinale gegen Italien wegen einem Bluterguss im Knie noch hatte passen müssen. Im großen Finale spielte der Kapitän eine offensivere Rolle, denn Interimscoach Horst Hrubesch musste das Spielsystem umstellen. Die beiden Offensiven Marin und Dejagah standen verletzungsbedingt bzw. aufgrund einer Gelbsperre nicht zur Verfügung. Mit dem Duisburger Sandro Wagner kam erstmals ein echter Stürmer von Anfang an zum Einsatz. Auf der defensiven Position vor der Abwehr agierte mit dem Dortmunder Mats Hummels ein weiterer Neuling. Er sprang statt der Doppel-Sechs mit Sami Khedira vor der Abwehr ein, der jetzt nach vorne mehr Freiheiten hatte und die auch nutze. Er führte die DFB-Equipe beim erst zweiten U21-EM-Finale in der Verbandsgeschichte an, das die Deutschen in Malmö auf eigenen Wunsch in roten Jerseys bestritten.
Vor 27 Jahren war man mit dem damaligen VfB-Stürmer und jetzigen Fanbetreuer Peter Reichert gegen denselben Gegner in zwei Spielen knapp unterlegen. Und 2008 verbaute das englische Team in zwei Playoff-Spielen die Teilnahme Deutschlands an der Finalrunde.
Doch 2009 in Schweden waren die Vorzeichen besser. Der deutsche Nachwuchs ist nachweislich im Aufwind.
Führung Mitte der ersten Halbzeit
Auch die von Ex-Nationalspieler Stuart Pearce trainierten Engländer mussten mit drei gesperrten Spielern aus dem engen Halbfinale gegen Gastgeber Schweden leben, als sich die Briten nach einer zwischenzeitlichen 3:0-Führung erst im Elfmeterschießen durchsetzten. Zwei Stürmer und ihren Schlussmann Joe Hart galt es im Finale adäquat zu ersetzen. Erst schien das den Engländern gut zu gelingen, als nicht nur Theo Walcott vom FC Arsenal mehrfach die über das Turnier so starke deutsche Defensive ernsthaft prüfte. In der 23. Minute wurde dann Gonzalo Castro aus Leverkusen vom Bremer Mesut Özil mustergültig per Steilpass bedient und traf mit der Fußspitze durch die Beine des Keepers zur 1:0-Führung. Sami Khedira war seine Blessur nicht mehr anzumerken. Der Mann mit der Binde war überall zu finden. Die sehenswerte Partie wurde von beiden Seiten offen geführt und blieb ebenso ausgeglichen wie chancenreich. Aber auf die deutsche Abwehr war Verlass.
Klare Verhältnisse nach der Pause
Vor der Pause hing die Führung mehrfach am seidenen Faden. Aber nach dem Wechsel, in der 48. Minute, sorgte Mesut Özil unter tüchtiger Mithilfe des Schlussmanns der "Three Lions" für klarere Verhältnisse. Ersatzkeeper Scott Loach ließ einen scharfen, aber nicht allzu platzierten 30-Meter-Freistoß des Bremers ohne Bedrängnis passieren. In der Folge zeigte die U21-Elf, die der ehemalige VfB II Trainer Rainer Adrion nach dem Turnier in Schweden übernimmt, all ihre Tugenden. Auch der beste Torhüter des Turniers, der Schalker Manuel Neuer, musste mehrfach seine Klasse beweisen. England gab nie auf, aber Horst Hrubeschs Schützlinge waren in einigen Szenen auch mit Fortuna im Bunde und hielten den Vorsprung. In Minute 78 machte MSV-Stürmer Sandro Wagner mit dem trocken vollstreckten 3:0 den Sack zu und zog sogar noch das 4:0 mit einem herrlichen Schlenzer sieben Minuten vor Schluss nach.
Als Sami Khedira den für das Turnier neu geschaffenen Pokal entgegennahm und unter dem großen Jubel seiner Mannschaftskameraden in Malmös Nachthimmel reckte, hatte er nicht nur den bisher größten Erfolg in seiner internationalen Karriere erreicht, sondern auch seine selbstbewußte Ankündigung wahr gemacht, das deutsche Team bis zum Titelgewinn führen zu wollen.