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Profis, 10.02.2016

Der lange Weg zurück

Daniel Ginczek arbeitet weiter an seiner Rückkehr ins Mannschaftstraining. Vergangene Woche hat er erstmals wieder individuell auf dem Rasen trainiert.

Es regnet, es windet, es ist drei Grad kalt – kurzum: Es herrscht ein richtiges Sauwetter auf dem VfB Trainingsgelände. Und dennoch kann sich Daniel Ginczek, als er am vergangenen Donnerstag mit Athletiktrainer Chima Onyeike den Trainingsplatz betritt, keinen Ort vorstellen, an dem er nun lieber wäre. Nach Monaten, in denen der 24-Jährige sechsmal die Woche in der VfB Reha-Welt für sein Comeback schuftete, ist es nun endlich soweit.

Endlich kann er wieder Tag für Tag auf dem Rasen trainieren. Von hieraus sind es zwar nur 300 Meter bis rüber zur VfB Reha-Welt – doch für Daniel Ginczek ist die Rückkehr an diesen Ort wie das Eintauchen in eine andere Welt. „Als ich heute Morgen aufgestanden bin, war ich richtig froh, dass ich zum Trainingsgelände fahren konnte und nicht wieder in die Reha-Welt musste“, sagt er, „dieser Ortswechsel war wichtig für den Kopf. Ich sehe die nächsten Wochen jetzt nicht mehr als Teil der Reha an, sondern als Trainingsvorbereitung.“

Wochen, in denen Daniel Ginczek die letzten Schritte auf seinem langen Weg zurück ins Mannschaftstraining gehen möchte. „Konditionell fühle ich mich schon fast bereit, aber die Belastung im Wettkampf ist natürlich eine ganz andere als die, die ich zuletzt hatte“, sagt er, „du kannst auf dem Laufband drei Stunden laufen, aber bist trotzdem auf dem Platz nach ein paar Sprints platt. Daher werde ich nun mit Chima an den fußballspezifischen Dingen arbeiten.“

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Belastungsprobe in der VfB Reha-Welt

Nach dem Härtetest erfolgt grünes Licht

Und so klatscht er sich noch einmal mit seinem persönlichen Trainer der nächsten Zeit ab und beginnt dann die erste der jeweils zwischen 60- und 90-minütigen Einheiten: Sprints vorwärts, seitlich, rückwärts. Weite Pässe, kurze Pässe. Ballannahme mit dem Fuß, der Brust oder dem Kopf. Alles kein Problem.

Sie klemmen sich den Ball zwischen ihre Köpfe und bewegen sich einige Meter hin und her. Und auch hier bereitet Chima Onyeikes blanker, durch den Regen glitschig gewordener Kopf die einzige Schwierigkeit. Im Halswirbelsäulenbereich von Daniel Ginczek ist alles wieder gut. Dabei musste man sich knapp 30 Stunden zuvor noch ernsthaft Sorgen um den 24-Jährigen machen. Denn da stand Daniel Ginczek ein letztes Mal in der VfB Reha-Welt und wurde von Frank Haile, dem Leitenden Sporttherapeuten, einer Belastung unterzogen, die schon beim Zuschauen für Verspannungen im Nacken sorgt. Frank Haile rüttelte an Daniel Ginczeks Kopf, zog an ihm herum, schnallte ihm auf dem Laufband einen Seilzug um den Kopf – und gab dann endgültig grünes Licht.

Es war der erfreuliche Abschluss eines Abschnitts in Daniel Ginczeks Leben, in dem er innerhalb von vier Monaten quasi die ganze Palette an Lebensgefühlen durchlebte. Erst der Schock, als er im Oktober die Diagnose Bandscheibenvorfall bekam und sich einer nicht ganz risikofreien Operation unterziehen musste. Eben noch war er nach seinem Wechsel zum VfB im Sommer 2014 und dem überstandenen Kreuzbandriss so richtig in Fahrt gekommen und erzielte im Trikot mit dem Brustring in schöner Regelmäßigkeit Tore – nun musste er das Heimspiel seines Teams gegen Ingolstadt im Krankenhausbett auf dem Laptop anschauen.

Es kribbelt wieder

„Als ich die Diagnose bekam, war ich am Boden zerstört. Es war echt hart, vor allem weil es gerade so gut gelaufen ist“, blickt Daniel Ginczek zurück, „nach der Operation bin ich dann am Anfang jeden Tag zur Mannschaft in die Kabine. Aber wenn du jeden Tag siehst, was die Jungs machen und du nicht machen kannst, erkennst du, dass es für dich wohl besser ist, auch mal vier, fünf Tage nicht beim Training zuzuschauen.“

Es ist nur allzu menschlich, dass eine Zeit folgte, in der Daniel Ginczek nicht viel mit Fußball am Hut haben wollte. In der er einfach nur in der VfB Reha-Welt am Comeback arbeitete und sich sonst aus Selbstschutz eine Auszeit verordnete. „Ich habe mir die VfB Spiele angeschaut und ein paar Champions-League-Spiele, sonst nichts“, sagt er.

Doch so wie sein Körper von der Verletzung erholte sich auch sein Gemüt von dem Rückschlag. Es lief ja auch alles nach Plan. Alle sechs Wochen folgte in der Reha der nächste Schritt, die nächst größere Belastung. Und mit jedem Schritt kam auch immer mehr das Feuer für den Fußball zurück. „Als ich im Heimspiel gegen Hamburg auf der Tribüne gesessen bin und gesehen habe, wie geil die Jungs spielen, hat es zum ersten Mal wieder richtig gekribbelt bei mir“, sagt Daniel Ginczek, „vorher habe ich mir keinen Kopf gemacht, da war ja alles noch weit weg. Aber weil ich jetzt wusste, dass ich bald wieder auf dem Platz trainieren kann, dachte ich mir: Jetzt will ich auch unbedingt wieder spielen.“

Im Kraft-/Stabilisationsberich aufgeholt

Die vergangenen Monate waren für Daniel Ginczek nicht einfach. Doch nachdem sich nun alles in Wohlgefallen auflöst, kann er sie als eine Erfahrung fürs Leben abhaken. Sein Schicksal hat er längst verarbeitet. Inzwischen kann er dem Ganzen sogar etwas Positives abgewinnen und blickt daher umso freudiger auf die Rückkehr ins Mannschaftstraining voraus. „Zwischendurch ist eine Pause  auch mal ganz gut für den Kopf, sie gibt dir Ruhe und Gelassenheit, sonst hast du ja jeden Tag den Druck“, sagt er, „außerdem hast du in der Reha die Chance, an deinen Schwächen zu arbeiten, wozu du sonst während der Saison kaum Zeit hast. Ich habe jetzt zum Beispiel im Kraft-/Stabilisationsbereich aufgeholt.“

Gerade im Muskelbereich an der Halswirbelsäule habe er deutliche Fortschritte gemacht. „Ein Kopfballduell ist eher nicht das Problem. Da rechnest du als Stürmer ja immer damit, dass der Abwehrspieler von hinten kommt und hast deswegen Spannung im Körper“, sagt er, „aber nun habe ich auch gelernt beim Kopfball nach einer Flanke, wenn du normal weniger Spannung im Körper hast, weil du den Ball in die Ecke platzieren möchtest, eine große Spannung im Körper aufzubauen.“

Das Pokalspiel gegen seinen Ex-Klub Borussia Dortmund musste Daniel Ginczek einmal mehr auf der Tribüne anschauen. Echt bitter sei das für ihn, sagt er und fügt sofort energisch hinzu: „Aber im Ligaspiel will ich dann auf jeden Fall wieder dabei sein.“

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