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12. Erinnerungstag im Deutschen Fußball

Am Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee vor 71 Jahren, der auch der Erinnerungstag für die Opfer des nationalsozialistischen Terrors ist,  gedenken die Vereine im deutschen Fußball - zusammen mit allen Fans - ihrer Mitglieder, die in der Nazidiktatur aus der Clubfamilie ausgestoßen wurden. Sie ehren sie und holen sie damit zurück in die Familie.

Wie begann alles? Am 19. April 1933 las die interessierte deutsche Öffentlichkeit  im „kicker“: „Der Vorstand des DFB hält Angehörige der jüdischen Rasse in führenden Stellungen der Vereine nicht für tragbar.“ Zügig wurde die Verlautbarung von den meisten Vereinen umgesetzt. Spieler, Vorstände, großzügige Förderer und einfache Vereinsmitglieder jüdischer Herkunft sowie politisch Andersdenkende, sie alle gehörten von einem Tag auf den anderen nicht mehr dazu.

Dieses Unrecht traf die Ausgestoßenen tief. In Briefen an ihre Clubs sprechen sie über ihren Schmerz. Der deutsche Nationalspieler Julius Hirsch schrieb an seinen Karlsruher FV: „Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass es in dem heute so gehassten Prügelkinde der deutschen Nation auch anständige Menschen und auch viel mehr national denkende und durch das Herzblut vergossene deutsche Juden gibt.“

Ausgrenzung, Entwürdigung und Rechtlosigkeit

Die Töchter von Fritz Kerr, Trainer der Stuttgarter Kickers, und Jenö Conrad, Trainer des 1. FC Nürnberg, berichteten in ihren Gesprächen mit Fans sowie Schülerinnen und Schülern über die tiefen Verletzungen ihrer Väter. Und alle, die aus der Vereinsfamilie verstoßen wurden, spürten diesen Schmerz. Ihre Seelen waren tief verletzt, ihre Sportkarrieren kaputt und ihr Leben sowie das ihrer Familien bedroht.

Alle vom Vereinsausschluss Betroffenen waren der nationalsozialistischen und der üblichen Willkür deutscher Bürgerinnen und Bürger ausgesetzt. Wer nicht fliehen konnte, über den senkten sich Ausgrenzung, Entwürdigung und Rechtlosigkeit. In den Konzentrationslagern von Dachau, Auschwitz, Majdanek und in den anderen Vernichtungslagern wurde den meisten von ihnen das Leben geraubt.

Die Trauer, der Schmerz und der Zorn über das Unrecht, das man diesen verfolgten und ermordeten Mitgliedern der Fußballfamilie vor rund 80 Jahren angetan hat, wirkt bis heute, besonders bei den Angehörigen der Opferfamilien.

Unübersehbares Zeichen setzen

Der Zivilisationsbruch und das damit einhergehende Leid der Opfer und ihrer Familien fordert die Nachgeborenen auf, sich heute für das „Nie wieder!“ entschieden und auf Dauer einzusetzen.

Mit den klugen und kreativen Aktionen der Fans, der Fanprojekte, der Vereinsmuseen, der Amateur- und Proficlubs und ihrer Berufsorganisationen zum “12. Erinnerungstag im deutschen Fußball 2016“ wird ein unübersehbares Zeichen gesetzt. Der Fußball und die Zivilgesellschaften werden stärker, wenn mit dem Gedenken an die Opfer des Nazi- und des Neonaziterrors sich ein klares Bekenntnis zur Würde jedes Menschen und zu ihrer Unverletzlichkeit verbindet.

  • Das „!Nie wieder“ 2016 ruft auf, sich entschieden in der Kurve und an jedem andern Ort  dagegen zu stellen. Der Fußball darf nicht missbraucht werden.
  • Das „!Nie wieder“ 2016 heißt, die Stimme zu erheben gegen verbale und körperliche Bedrohungen der jüdischen Freunde von Makkabi Deutschland und aller europäischen Juden.
  • Das „!Nie wieder“ 2016 erinnert auch Fußball-Deutschland an „Refugees Welcome“ und somit daran, Flüchtlinge zu unterstützen. Der Fußball kann das. Viele „Herzblut- Initiativen“ aus den Fanszenen und aus den Amateur- und Profiligen praktizieren das eindrucksvoll. Die Erfahrungen zeigen, dass in der Regel alle gewinnen, die Flüchtlinge wie die Einheimischen.   

Der Gründungsimpuls des „Erinnerungstag im deutschen Fußball“ kommt aus Italien. „Per non dimenticare!“ - Lasst uns nicht vergessen! Dieses Anliegen verstand der Ideengeber Riccardo Pacifici, dessen Großeltern in Auschwitz ermordet wurden, als eine gesamt-europäische Aufgabe. Sie gegen alle aktuellen Krisen und Widerstände im Fußball und in den Zivilgesellschaften umzusetzen, ist Aufgabe für alle, die aus der Geschichte gelernt haben.

"Einen klaren Blick auf das, was verschwommen und Angst machend sich vor unseren Augen abspielt,  tut in diesen Zeiten not. In solchen Gemengelagen ist es klug, sich zu orientieren und sich dann zu positionieren, „wenn Gutes bewirkt werden soll“. Das ist der Kontext, in dem die Spiel- und Turniertage um den 27. Januar 2016 stehen.

Kontakt Initiative „!Nie Wieder“:

Website „!Nie wieder":  www.niewieder.info
Eberhard Schulz: mail@ebschulz.de
Klaus Schultz: kl.schultz@t-online.de

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